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Österreichs Musikindustrie steckt eine Million in Soforthilfeprogramm

In Österreich üben die Verbände der Musikwirtschaft den Schulterschluss und starten ein Hilfsprogramm für heimische Musiklabels. Im Topf stecken zunächst eine Million Euro. Die Mittel stammen von der LSG, der Verwertungsgesellschaft für Leistungsschutzrechte.

18.03.2020 12:33 • von
Verspricht, "rasch und unkompliziert finanzielle Mittel für kleine und mittlere Musiklabels" bereitzustellen: Dietmar Lienbacher (Bild: Sony Music)

In Österreich üben die Verbände der Musikwirtschaft den Schulterschluss und starten ein Hilfsprogramm für heimische Musiklabels. Angesichts der Absage von Veranstaltungen aufgrund der Corona-Krise sei die gesamte Musik- und Unterhaltungsbranche von massiven Einnahmeausfällen betroffen, heißt es aus Wien. Viele Unternehmen der Musikbranche seien in ihrer Existenz bedroht.

Vor diesem Hintergrund zeigen sich nun Majors und Indies solidarisch: Der Verband der österreichischen Musikwirtschaft IFPI Austria gab am 18. März 2020 in Zusammenarbeit mit dem Indie-Verband VTMÖ den Startschuss für ein Hilfsprogramm für heimische Musiklabels.

In diesem Topf stecken zunächst bis zu eine Million Euro.

"Wir werden rasch und unkompliziert finanzielle Mittel für kleine und mittlere Musiklabels bereitstellen", verspricht Dietmar Lienbacher, Managing Director Sony Music Austria und Präsident des Verbands der österreichischen Musikwirtschaft: "Damit wollen wir den Musikstandort Österreich stützen, Arbeitsplätze erhalten und ein Zeichen der Solidarität innerhalb der Musikbranche setzen."

In einer Mitteilung der IFPI heißt es, dass das Förderungsprogramm "die gewachsenen Strukturen der österreichischen Musiklabels wirtschaftlich stützen und erhalten" soll, "um nach Ende der Corona-Krise wieder durchstarten zu können". Damit wolle man "Unternehmen und Arbeitsplätze erhalten und der Musikstandort Österreich" sichern.

Die Gelder stammen aus den sozialen und kulturellen Einrichtungen der österreichische Verwertungsgesellschaft LSG, die wiederum aus den Einnahmen aus der Privatkopievergütung gespeist werden.

"Das Hilfsprogramm sieht nicht rückzahlbare gestaffelte Einmalzahlungen an konkret betroffene Musiklabels in Österreich vor. Die Labels müssen die Struktur und Größe eines österreichischen KMU haben und Mitglied der Label-LSG sein", heißt es aus Wien. Aber auch Soloselbstständige, in Österreich die sogenannten Ein-Personen-Unternehmen, sollen Hilfen erhalten können: "Für EPUs wurde in Zusammenarbeit mit dem Indie-Verband VTMÖ ein eigens Förderprogramm ebenfalls mit Einmalbeträgen aufgelegt." Ziel sei es, "rasch und unbürokratisch zu helfen". Die konkreten Förderbedingungen würden derzeit erarbeitet und sollen "in den nächsten Tagen" auf den Onlineseiten der LSG veröffentlicht werden.

Neben dieser Selbsthilfe fordert der Verband der österreichischen Musikwirtschaft aber auch "mit Nachdruck" einen Anteil aus dem mit vier Milliarden Euro dotierten Hilfsfonds der Bundesregierung.

"Nur wer rasch hilft, hilft wirklich", weiß Franz Medwenitsch, Geschäftsführer des Verbands der österreichischen Musikwirtschaft. "Aber die Selbsthilfe innerhalb der Musikbranche kann nur ein erster Schritt sein. Jetzt erwarten wir uns, dass auch die Musikwirtschaft aus dem Hilfspaket der Bundesregierung unterstützt wird."

Als Sprecher des österreichischen Indie-Label-Verbands VTMÖ verweist zudem Alexander Hirschenhauser darauf, dass "die kleinen Kreativzellen der österreichischen Musikwirtschaft" schon bisher "unter prekären Bedingungen" arbeiten würden und in den letzten Jahren keine Chance hatten, Rücklagen aufzubauen: "Diese Soforthilfe ist für kleine Musiklabels enorm wichtig und daher freuen wir uns sehr über dieses solidarische Hilfsprogramm."

Text: Knut Schlinger