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Musikwirtschaft verlegt die meisten Aktivitäten ins Home Office

"Wir werden ab der kommenden Woche aus dem Home Office arbeiten", schrieb der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Musikindustrie, Florian Drücke, jüngst bei Linkedin. MusikWoche wollte vor diesem Hintergrund, aber auch angesichts des positiven Corona-Befunds bei Lucian Grainge, dem Chairman & CEO der Universal Music Group, wissen, wie andere Akteure der deutschen Musikwirtschaft mit der Lage umgehen, und startete eine Blitzumfrage.

16.03.2020 16:14 • von
Will dazu beitragen, die weitere Verbreitung von Corona verlangsamen: Florian Drücke, hier bei einer früheren BVMI-Tagung (Bild: Markus Nass)

"Wir werden ab der kommenden Woche aus dem Home Office arbeiten", schrieb der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Musikindustrie, Florian Drücke, bereits zu Beginn des Wochenendes in einem Post bei Linkedin mit Hashtags wie #FlattenTheCurve und #BleibtGesund. "Es geht jetzt darum, dass wir gemeinsam die weitere Verbreitung von Corona verlangsamen, das Gesundheitssystem entlasten und die Menschen aus Risikogruppen schützen."

MusikWoche wollte vor diesem Hintergrund, aber auch angesichts des positiven Coronavirus-Befunds bei Lucian Grainge, dem Chairman & CEO der Universal Music Group, wissen, wie andere Akteure der deutschen Musikwirtschaft mit der Lage umgehen, und startete eine Blitzumfrage.

"Wir verfolgen die Entwicklungen hinsichtlich der Ausbreitung des Coronavirus intensiv und bewerten die Auswirkungen für die GEMA tagesaktuell neu", berichtet Harald Heker, der Vorstandsvorsitzende der GEMA mit ihren bundesweit mehr als 800 Mitarbeitern. "Ziel aller Maßnahmen, die wir bereits ergriffen haben, ist es, die direkten Kontakte zwischen den Kolleginnen und Kollegen sowie externen Dienstleistern und Partnern zu reduzieren, um Infektionen im privaten, beruflichen und öffentlichen Bereich zu vermeiden." Bei alldem stehe "der Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GEMA an vorderster Stelle", betont Heker. "Zudem bemühen wir uns flexibel auf die individuellen Situationen einzugehen."

Zugleich aber gehe es darum, das Kerngeschäft der GEMA und die bevorstehenden Ausschüttungen zum 1. April und 1. Juni zu sichern, unterstreicht Harald Heker: " Die GEMA hat bereits vor einigen Wochen einen internen Stab gebildet, der sowohl die Arbeit aus dem Home Office als auch die IT-Infrastruktur zur Sicherung der Kernprozesse vorbereitet hat. Dass dies möglich ist, hat die IT4IPM, die IT-Tochter der GEMA, in einem Belastungstest unter Beweis gestellt." Alle IT-Mitarbeiter seien dazu "für einen Tag kontrolliert ins Home Office geschickt" worden und hätten "verschiedene Tests hinsichtlich Software, IT-Leitungen und Telefonsysteme durchgeführt", erläutert Heker. "Die Tests sind erfolgreich verlaufen und haben uns darin bestätigt, dass wir auch mit einer hohen Anzahl an remote arbeitenden Personen das Kerngeschäft der GEMA am Laufen halten können."

"Warner Music hat bereits frühzeitig alle notwendigen Schritte eingeleitet. So gelten für unsere Mitarbeiter in Zentraleuropa bereits seit drei Wochen außerordentliche Hygiene-, Gesundheits-, Reise- ,Veranstaltungs- und Mobile-Work-Richtlinien", erklärt Lena Wulfmeyer, Unternehmenssprecherin Warner Music Central Europe. "Ab morgen werden dann sämtliche Warner-Mitarbeiter weltweit vorsorglich von zu Hause aus arbeiten." Frühzeitige und umsichtige Planungen hätten es erlaubt, die nötige Infrastruktur hierfür zu schaffen, "sodass wir von einer regulären Betriebsweiterführung ausgehen", berichtet Wulfmeyer. "Wir wünschen allen, dass diese Krise durch derartige Maßnahmen in ihrer rasanten Ausbreitung gehemmt und die Auswirkungen für die gesamte Gesellschaft nicht so schlimm verlaufen wie vorhergesagt."

Es sei "vollkommen verständlich", dass zum Beispiel "eine längere Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln momentan ein komisches Gefühl hinterlässt", heißt es bei Managing Director Konrad von Löhneysen aus dem Hause Embassy of Sound & Media. "Daher stellen auch wir - auf freiwilliger Basis - ab heute für eine Woche auf Home Office um." So sei am 16. März nur eine reduzierte Besetzung um ihn selbst im Büro anzutreffen. Für die Arbeit von zu Hause aus könne man unter anderem auf Angebote wie das Video-Meeting-Tool Whereby zugreifen. "Stand jetzt halten wir natürlich an allen geplanten Veröffentlichungen der nächsten Monate fest und bereiten diese weiterhin professionell, akribisch und kreativ vor, betont von Löhneysen. Generell glaube er zudem, dass das Geschäft mit Recorded Music kurzfristig sogar anziehen werde, da mehr gehört oder gestreamt werde, "Da vielen von unseren Künstlern aber die Live-Einnahmen wegbrechen, werden sie eventuell mehr auf Umsatz aus dem Bereich Recorded Music angewiesen sein und gegebenenfalls die Schlagzahl der VÖs erhöhen", mutmaßt von Löhneysen. "Darauf sollten wir vorbereitet sein."

"Auch Sony Music hat Maßnahmen ergriffen, um die Mitarbeiter zu schützen, aber auch um weiterhin Kontinuität in unseren Geschäftsabläufen zu garantieren", lässt eine Sprecherin des Unternehmens wissen. "Wir arbeiten seit heute im Home Office und kommunizieren über alle digitalen Tools hinweg." Man habe die Firma dazu "schon vor mehr als einem Jahr auf eine umfängliche Kommunikationsplattform umgestellt, so dass die interne Kommunikation nun nahtlos funktioniert". Unterm Strich bedeutet das: "Unsere Standorte bleiben für Notfälle geöffnet, dennoch bitten wir alle Mitarbeiter konsequent von Zuhause zu arbeiten."

Bei Kontor Records und Kontor New Media geht man unbürokratisch mit der Lage um: "Bei uns darf man selber entscheiden, ob man im Home Office arbeiten will", berichtet Jens Thele, Managing Director und Head of A&R von Kontor Records. Er hat seine Entscheidung zunächst getroffen, und schickt Grüße aus dem Büro.

"Wir haben am Freitag einen Test gemacht und machen ab heute Home Office", sagt Frank Stratmann, Geschäftsführer der Kölner Vertriebsfamilie Groove Attack, Rough Trade Distribution und GoodToGo. "Das gilt bis auf Weiteres und betrifft ebenso den Außendienst, die auf telefonische Betreuung umgestellt sind." Stratmanns Fazit: "Schwere Zeiten, aber da müssen wir jetzt alle durch."

"Um unserer gesellschaftlichen Verantwortung und unserem Team, unseren Künstlerinnen und Künstlern sowie Partnern gerecht zu werden, haben wir frühzeitig die Nachrichten aus Regionen, die schon eher betroffen waren, sehr genau verfolgt und unsere Schlüsse gezogen", lässt eine Sprecherin von Universal Music Deutschland wissen. "Bereits mit Ausbruch der Krise in anderen Ländern haben wir einen Sonderstab eingerichtet, der die Lage regelmäßig bewertet und Maßnahmen ableitet und beschließt." So sei zum Beispiel "eine freiwillige Selbstquarantäne" zunächst für Rückkehrer aus Risikogebieten und später auch für alle Reiserückkehrer aus dem Ausland eingeführt worden, teils noch bevor es offizielle Empfehlungen dazu gegeben habe. "Die Arbeit im Home Office ist für alle Teammitglieder ausdrücklich empfohlen und nur in Ausnahmefällen können Kolleginnen und Kollegen ins Büro kommen, um einen weiterhin reibungslosen Arbeitsablauf zu gewährleisten", heißt es weiter aus Berlin. "Uns kommt hierbei sehr zugute, dass wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schon länger 'Mobiles Arbeiten' anbieten und wir dadurch in den meisten Bereichen problemlos umswitchen können."

Nicht zuletzt stellen man dem Team "zusätzliche Wege und Werkzeuge für die persönliche Gesundheitsvorsorge und medizinische Beratung zur Verfügung, die sie jederzeit nutzen können", heißt es bei Universal Music. "Alle Anweisungen, Empfehlungen und Maßnahmen werden kontinuierlich überprüft und angepasst. So ist Universal Music sowohl hinsichtlich des operativen Betriebs als auch in Fragen der Fürsorgepflicht und Gefahrenabwehr gut aufgestellt, um den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen dieser außergewöhnlichen Lage zu begegnen."

"In unserer gemeinsamen Geschäftsstelle, die neben dem Deutschen Musikverleger-Verband auch noch andere Verbände beherbergt, haben wir glücklicherweise viel Platz, um genügend Abstand zwischen allem Kolleginnen und Kollegen zu wahren", informiert DMV-Geschäftsführerin Birgit Böcher. Da man zudem keinen Kundenverkehr habe, sei die Gefahr der Verbreitung von Viren "eher gering", glaubt Böcher. "Das Problem ist der Weg zu Arbeit, und da meine DMV-Kollegin und ich dazu keinen öffentlichen Nahverkehr nutzen müssen, werden wir den Geschäftsstellenbetrieb auch vorerst aufrecht halten. Wir möchten den Mitgliedern - die gerade vor ganz anderen Problemen stehen - solange wie möglich den gewohnten kompletten Service anbieten." Allerdings sei man auf eine verschärfte Situation vorbereitet: "Sollte das nicht mehr möglich sein, sind wir technisch in der Lage, komplett vom Home Office aus zu arbeiten", betont die DMV-Geschäftsführerin. "Veranstaltungen wie den geplanten GEMA-Workshop am 26. März haben wir verschoben, und werden hierzu wahrscheinlich auf Onlineformate ausweichen." Böchers Fazit: "Wir hoffen alle, dass die Lage sich bis Ostern halbwegs beruhigt, für den Kulturbetrieb ist die Pandemie ja nicht nur Gesundheits- sondern auch Existenzgefährdend."

Nur wenige Türen weiter berichtet auch Daniel Knöll als Geschäftsführer der SOMM - Society Of Music Merchants, im Verband bereits frühzeitig entsprechende Vorkehrungen getroffen zu haben: "Ich habe meinen Mitarbeitern bereits am 2. März freigestellt, dass sie selber entscheiden können, ob Sie im Home Office arbeiten wollen oder ob sie weiterhin ins Büro kommen." Reisrestriktionen seien "direkt im Anschluss ausgesprochen" worden,. "Seit letztem Donnerstag wurde dann die Home-Office-Möglichkeit, die vorerst bis zum 13. März begrenzt war, erweitert bis zum 20. März. Angesichts der derzeitigen Situation und Lage werde ich diese Ausnahme vorerst zeitlich weiter ausdehnen."

Und noch einmal ein paar Türen weiter beim Verband unabhängiger Musikunternehmer*innen "arbeitet auch die VUT-Geschäftsstelle aus dem Home Office",wie Laureen Kornemann als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bestätigt. "Wir sind aber für Mitglieder auch telefonisch erreichbar."

Bei den Chartsermittlern von GFk Entertainment hat Geschäftsführer Mathias Giloth ebenfalls längst die entsprechenden Weichen gestellt: "Wir bieten allen MitarbeiterInnen die Möglichkeit, im Home Office zu arbeiten, um sie in der aktuellen Krisensituation zu unterstützen und gleichzeitig Geschäftskontinuität gewährleisten zu können."

Auf die Arbeit von Orten außerhalb der Bürowände zeigt man sich auch bei recordJet vorbereitet: "Wir haben uns seit jeher so organisiert, dass wir ortsunabhängig arbeiten können", bestätigt Geschäftsführer Jorin Zschiesche. "Unsere Mitarbeiter arbeiten bereits von zu Hause und wir können uneingeschränkt den Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten." Zschiesche macht darüber hinaus klar: "Ich bin gerade eher besorgt um die Künstler, Booker und die Livebranche, die es richtig hart trifft und unbedingt Soforthilfen benötigt."

Eine klare Regelung gibt es auch bei Zebralution: "Um die Gesundheit unseres Teams zu schützen und unseren Beitrag zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie zu leisten, hat sich Zebralution bereits in der letzten Woche entschlossen, unsere Mitarbeiter ab dem 16. März bis auf Weiteres aus dem Home Office arbeiten zu lassen", teilt COO Sascha Lazimbat mit. "Da unsere Mitarbeiter ohnehin fast ausschließlich auf Laptops und mit Cloud-Services wie unserem MMP arbeiten, sollte es nur zu relativ geringen Einschränkungen in unserem Service kommen." Darüber hinaus sei man nach wie vor per E-Mail und über die bekannten Telefondurchwahlen erreichbar. "Sollte es dennoch zu verzögerten Reaktionszeiten kommen, weil sich die Arbeit von außerhalb des Büros natürlich auch erst einspielen muss, so bitten wir im Voraus für Verständnis." Man sei sich bewusst, "dass auf uns in diesen Tagen eine noch größere Verantwortung lastet, für Künstler, Autoren, Labels und Verlage den bestmöglichen Job im digitalen Vertrieb ihrer Produkte zu machen, und wir hoffen, in den nächsten Wochen vielleicht sogar einen kleinen Teil des Geschäfts, das aktuell im Live-, Event- und physischen Bereich wegbricht, ausgleichen zu können".

"Wir sind alle tatsächlich schon seit Mitte letzter Woche im Home Office", sagt City-Slang-Geschäftsführer Christof Ellinghaus, "Wir sind ja alle mittlerweile so gut verbunden, mit Slack und Whereby, es macht kaum einen Unterschied."

Darüber hinaus sei man damit beschäftigt, "die Absagen und Verschiebungen zu verwalten", berichtet Ellinghaus. "Das wird jetzt noch ein paar Tage so gehen, und dann kommen wir hoffentlich wieder dazu, die ganze Situation etwas pro-aktiver anzugehen." Dazu sei man "bereits im Gespräch mit unseren Künstlern über Gig Streaming und eigene Broadcast-Formate, auf dass uns nur nicht langweilig wird".

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus hat auch die GVLbeschlossen, "die Präsenz in den Büros stufenweise zu reduzieren und durch mobiles Arbeiten zu ersetzen", wie die Verwertungsgesellschaft am 16. März über ihre Homepage informiert,. Dabei handele es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, bislang seien keine Mitarbeiter der GVL erkrankt: "Für uns hat der Schutz unserer Mitarbeiter absolute Priorität", betonen die GVL-Geschäftsführer Guido Evers und Tilo Gerlach. "Nur mit einer gesunden Belegschaft können wir sicherstellen, dass wir für unsere Berechtigten und Partner auch in den kommenden Wochen einen - wenn auch eingeschränkten - Servicebetrieb sicherstellen können."

Aus dem Hause BMG bestätigt eine Sprecherin, dass "die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Standorte" am vergangenen Freitag gebeten worden seien, von zu Hause aus zu arbeiten. "Diese Regelung gilt mindestens bis Ende des Monats." Bereits in den vergangenen Wochen hätten unter anderem die Niederlassungen in Hongkong, Beijing und Mailand auf die Arbeit im Home Office umgestellt, während andere Standorte wie London, Berlin und New York ausgiebige technische Tests durchlaufen hätten. "Es gibt eine globale sowie örtliche Taskforces, die die Situation ständig beobachten und im Austausch mit den Expertinnen und Experten von Bertelsmann sind. Wir tun alles, um die Gesundheit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicherzustellen und gleichzeitig unseren Künstlerinnen, Künstlern und Songwritern wie gewohnt den besten Service und Support zu bieten."

BMG sei "als digitales Unternehmen" auf "diese besondere Situation sehr gut vorbereitet", heißt es bei der Bertelsmann-Musiktochter. "Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind mit den business-relevanten Tools ausgestattet und haben von überall aus Zugriff auf Inhalte oder Plattformen, sodass das Geschäft uneingeschränkt weiterlaufen kann."

Auch bei Kruger Media Brand Communication sei man ins Home Office gezogen, teilt Geschäftsführer Michael Frohoff via Facebook mit. "Wir haben entsprechende Vorkehrungen getroffen. Somit können wir unseren Geschäftsbetrieb auch in dieser besonderen Situationen aufrechterhalten." Das Home Office sei bereits zuvor fester Bestandteil der Agentur gewesen. "Das zahlt sich nun aus." So organisiere man zum Beispiel Videokonfernezen per Skype, Google Meet, Zoom, IRoom, WebEx oder andere Tools. "Mein persönlicher Respekt gilt allen, die nicht im Home Office arbeiten können. Ein Hoch auf alle im Supermarkt, in der Apotheke, in Krankenhäusern, Arztpraxen, Müllabfuhr, Kraftwerke, Feuerwehr ... Bleibt gesund."

Zusammenstellung: Knut Schlinger