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VUT fordert milliardenschwere Hilfen und Abschlagszahlungen von GEMA und GVL

Der VUT wirft sich für die gesamte Musikwirtschaft in die Bresche. Um die Folgen der Coronavirus-Pandemie zu mildern, fordern die Indies von der Politik einen Hilfsfonds über ganze 3,9 Milliarden Euro für Künstler, Veranstalter, Labels, Vertriebe, Verlage und andere Akteure. Zudem bringt der VUT mögliche Abschlagszahlungen der Verwertungsgesellschaften GEMA und GVL ins Spiel.

13.03.2020 18:42 • von
Befürchtet existenzgefährdende Ausfälle in der kleinteilig organisierten Branche: Jörg Heidemann (Bild: VUT)

Der Verband unabhängiger Musikunternehmer*innen (VUT) wirft sich für die gesamte Musikwirtschaft in die Bresche. Um die Folgen der Coronavirus-Pandemie zu mildern, fordern die Indies von der Politik einen Hilfsfonds über ganze 3,9 Milliarden Euro für Künstler, Veranstalter, Labels, Vertriebe, Verlage und andere Akteure. Zudem bringt der VUT mögliche Abschlagszahlungen der Verwertungsgesellschaften GEMA und GVL ins Spiel.

"Auch unabhängige selbstvermarktende Künstler*innen und kleine und mittlere Unternehmen sind von den akuten finanziellen Verlusten sowie den weiteren mittel- und langfristigen Folgen betroffen", weiß VUT-Geschäftsführer Jörg Heidemann. "In dieser kleinteilig organisierten Branche können die entstandenen Ausfälle für Musikunternehmer*innen existenzgefährdend sein." Die jetzt entstehenden finanziellen Ausfälle würden zudem zu fehlenden Investitionsmöglichkeiten in künftige Projekte führen und somit auch langfristig negative Folgen haben, warnt Heidemann: "Wir müssen daran arbeiten, dass die notwendigen gesundheitspolitischen Maßnahmen kleine Musikunternehmer*innen nicht übermäßig belasten und so auf lange Sicht zum Fallstrick für die kulturelle Vielfalt in Deutschland werden."

Die Absage teils lang geplanter Veranstaltungen und Tourneen betreffe die gesamte Wertschöpfungskette der Musik und alle Gewerke, heißt es beim VUT: "Von ausbleibenden Gagen für Künstler*innen und ihr Live-Team (Booker*innen, Tourmanager*innen, Techniker*innen) und fehlenden Einnahmen aus Tonträger- und Merchandise-Verkäufen bei Künstler*innen, Labels und Vertrieben über fehlende GEMA-/GVL-Einnahmen für Künstler*innen und Musikverlage bis hin zu nicht bezifferbaren negativen Auswirkungen für die Karrieren durch fehlenden Sichtbarkeit." Auch VUT-Vorstandsmitglied Frank Spilker, der mit seiner Band Die Sterne ebenfalls mit Konzertabsagen zu kämpfen habe, bestätigt, dass eine Tour inzwischen "die Hauptertragsquelle" sei, "weil die Einnahmen aus dem Streaming für kleine Bands nicht reichen, um die Produktionskosten zu decken. Auch bei größeren Acts wird die Produktion noch durch die Toureinnahmen querfinanziert. Entsprechend geht man nicht mit Null Euro auf Tour, sondern mit einem Berg Schulden im Rücken und der Ausfall einer ganzen Tour kann entsprechend dramatisch sein."

Vor diesem Hintergrund stellt man beim VUT einen Forderungskatalog zur Unterstützung der Musikwirtschaft auf, mit einem "Dreiklang aus möglichst unbürokratischen und schnellwirkenden Maßnahmen":

Dazu gehört erstens ein Hilfsfond "in Höhe von 3,9 Milliarden Euro für alle Gewerke der Musikwirtschaft". Die Summe begründet man beim VUT mit einem Verweis auf eine 2015 durchgeführte Studie des Bundeswirtschaftsministeriums, die die gesamte Musikwirtschaft auf 127.000 Selbständige und Arbeitnehmer und eine Bruttowertschöpfung von rund 3,9 Milliarden Euro taxierte. Zweitens fordert der VUT "eine Härtefallregelung für kleine Unternehmer*innen und Selbständige", um Insolvenzen zu verhindern, und bittet drittens die "die Verwertungsgesellschaften GEMA und GVL, ihre Jahresverteilungen vorzuziehen und ihren Mitgliedern und Berechtigten als Soforthilfe eine Vorauszahlung in Höhe der letztjährigen Abrechnungen auszuzahlen".

Darüber hinaus appelliert der VUT an die Landesregierungen, "klare und eindeutige Verhältnisse zu schaffen und die Verantwortung über Absagen nicht den Veranstaltenden überlassen", an die Banken, die kleinen und mittleren Unternehmen der Musikwirtschaft "eine unkomplizierte Kreditvergabe mit geringen Zinsen ermöglichen" sollten, und an die Konzertgänger, "ihre gekauften Tickets nicht zurückgeben und die Kosten zurückfordern, um Spielstätten, Veranstalter*innen und Künstler*innen nicht zusätzlich finanziell zu belasten".

Text: Knut Schlinger