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Können Veranstalter auf Versicherer hoffen?

Die meisten Konzertveranstalter verfügen laut der "Süddeutschen Zeitung" über keine Versicherung zu Konzertausfällen. Diejenigen, die eine haben, befänden sich aber in der Corona-Krise nun vielfach im Streit mit den Versicherern. Der Düsseldorfer Anwalt Mark Wilhelm glaube indes, dass sich die Veranstalter in den meisten Fällen das Geld für behördlich untersagte Gigs zurückholen können.

12.03.2020 16:20 • von Frank Medwedeff
Bis vor Kurzem noch Horrorvision, jetzt bittere Realität für Veranstalter mit juristischem Klärungsbedarf: eine leere Halle - hier ein Bild von der Münchner Olympiahalle (Bild: Olympiapark München)

Die meisten Konzertveranstalter verfügen laut der "Süddeutschen Zeitung" nicht über Versicherungspolicen zu Konzertausfällen. Diejenigen, die sich gegen einen Ausfall versichert haben, befänden sich aber in der Corona-Krise nun vielfach im Streit mit den Versicherern. Diese wollen demnach für künftige Veranstaltungen das Risiko ausschließen, falls diese wegen einer Epidemie abgesagt werden müssen. Der Düsseldorfer Anwalt Mark Wilhelm glaube indes, dass sich die Veranstalter in den meisten Fällen das Geld für behördlich untersagte Gigs von den Versicherungen zurückholen können. Das gelte aber nicht, wenn ein Veranstalter freiwillig ein Konzert absagt.

Im Falle eines Konzertausfalls in Folge einer behördlichen Anordnung können die Veranstalter indes nicht auf Ausgleichszahlungen von der Gemeinde, dem Land oder dem Bund pochen. "Nach allgemeinen Staatshaftungsregeln gibt es hier keinen Anspruch", so Wilhelm. Der Staat sei schließlich nicht für den Ausbruch der Corona-Epidemie verantwortlich.

Den Kartenkäufern müssen die Veranstalter bei im Vorfeld abgesagten Konzerten jedoch in jedem Fall ihr Geld zurückerstatten, da sie dann juristisch ihrer "Leistungspflicht" nicht nachgekommen sind. "Der Grund der Absage ist dabei gleichgültig", zitiert die "SZ" Oliver Buttler, Jurist bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Laut Buttler können sich Veranstalter nicht auf "höhere Gewalt" berufen. In manchen allgemeinen Geschäftsbedingungen seien zwar Klauseln enthalten, wonach ein Veranstalter nicht haftbar sei, wenn sein Event wegen eines unvorhergesehenen Ereignisses ausfällt, auf das er keinen Einfluss habe. "Diese Klauseln sind unzulässig", bekräftigt Buttler mit Hinweis auf eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs.