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Verband für Popkultur in Bayern zelebriert runden Geburtstag

Am 24. Oktober feierte der Verband für Popkultur in Bayern (VPBy) mit einem Festakt in der Kranhalle des Feierwerks in München sein 30-jähriges Jubiläum.

28.10.2019 10:16 • von Frank Medwedeff
Begingen den runden Verbandsgeburtstag (von links): Rick Roth, Bernd Schweinar, David Lodhi, Katharina Kasipovic-Rauecker, Ernst Wolfswinkler und Bernd Strieder (Bild: MusikWoche)

Am 24. Oktober feierte der Verband für Popkultur in Bayern (VPBy) mit einem Festakt in der Kranhalle des Feierwerks in München sein 30-jähriges Jubiläum. Das Foto vom Event zeigt (von links) Gründungsinitiator Rick Roth, VPBy-GeschäftsführerBernd Schweinar, den 3. Vorsitzenden David Lodhi (club stereo Nürnberg/Nürnberg Pop), die 2. Vorsitzende Katharina Kasipovic-Rauecker (Impulse Festival Passau), den 1. Vorsitzenden Ernst Wolfswinkler (Feierwerk München) und den stellvertretenden Geschäftsführer Bernd Strieder.

BR-Moderatorin Dagmar Golle führte dabei durch ein fast zweistündiges Programm auf der Kranhallenbühne, das drei Jahrzehnte Popkulturförderung in Bayern Revue passieren ließ.

Der heutige Vizepräsident des Bayerischen Landtages, Karl "Charlie" Freller, und Rick Roth (Ehrenvorsitzender Musikzentrum Nürnberg) berichteten, wie sie Ende der 80er-Jahre den Anstoß zur Gründung des Verbandes (damals unter dem Namen Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Musikinitiativen) und der Schaffung des Postens eines hauptamtlichen Bayerischen Rockintendanten gaben. "Wir haben damals eine Bresche für die Rockmusik geschlagen", so Freller, der sich freue, das "aus einer kleinen Pflanze ein Baum" geworden sei.

Als Live-Künstler des Abends präsentierte der VPBy mit dem Rapper Das Ding ausm Sumpf und der Singer/Songwriterin Die Nowak zwei Acts, die der Verband im Rahmen seines Spitzenförderprojekts BY.on unterstützt. Beide berichteten auf der Bühne im Gespräch mit Lukas Schätzl, beim VPby für das Ressort Spitzenförderung zuständig, wie sie von BY.on profitieren. So konnte Stefan Mühlbauer alias Das Ding ausm Sumpf zum Beispiel kürzlich beim Reeperbahn Festival in Hamburg auftreten und lobte BY.On-Angebote wie etwa Workshops im Interview-Coaching, die ihm "Struktur gegeben" hätten. BY.on unterstützt auch Auftritte bayrischer Acts im Ausland. Lukas Schätzl verwies in diesem Zusammenhang auf Engagements von Lilly Among Clouds im englischen Brighton, in den Niederlanden und in Australien.

Marion Schmid, Projektleiterin von in.pulse, dem VPBy-Programm für popkulturelle Bildung, und die zum Beispiel für dessen Mädchencamps als Coach tätige Felicia Peters erläuterten ihre Bestrebungen, Mädchen und jungen Frauen den Weg in Musikszene und -business zu ebnen.

Eine Politikerrunde mit den bayerischen Landtagsabgeordneten Karl Freller (CSU), Harald Güller (SPD) und Susanne Kurz von den Grünen sprach über das Problem der Finanzierung angesichts der Diskrepanz zwischen 2,5 Millionen Euro von Berlin für das dortige Musicboard und 420.000 Euro Fördermitteln des Landes Bayern im Jahr für den VPBy und seine vielfältigen Projekte. "Mit solchen Summen kann man nicht vorankommen", beklagte Güller.

Einig waren sich die Diskutanten zudem, dass angesichts von Plänen wie einem hunderte Millionen Euro teuren Konzerthaus für klassische Musik in München zu viel in Gebäude investiert werde, und dass eine Bündelung der Gelder und Zuständigkeiten für Musik in einem bayerischen Ministerium sinnvoll wäre.

Geschäftsführer Bernd Schweinar sieht für den Verband noch "viel Arbeit", um zunächst für den Doppelhaushalt 2020/21 Verbesserungen zu erzielen. In seinem letzten Haushaltsplan des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst habe das Land Bayern für den Bereich Musik insgesamt lediglich noch Ausgaben von 59,3 Millionen Euro vorgesehen - ein deutlicher Rückgang gegenüber 61,8 Millionen Euro für 2019.

Und der Förderetat des Topfes für "Künstlerische Musikpflege und Musikbildung", aus der etwa der VPBy seine Gelder vom Land bezieht, hat für 2020 ebenfalls eine Verminderung auf nur noch knapp über 5 Millionen Euro eingeplant, worauf Schweinar gegenüber MusikWoche verwies - wobei etwa allein die Bamberger Symphoniker mehr als zwölf Millionen Euro erwarten dürfen.

Schweinars Stellvertreter Bernd Strieder wünscht sich, wie er beim Festakt betonte, für den VBPy ein Anwachsen von derzeit rund 150 auf 200 Mitglieder, und dass der Freistaat bald mal eine Million Euro für die Förderung der Popkultur im Land herausrücke.

Zum Jubiläum hat der VPBy die Broschüre "30 Jahre - 1989 - 2019" herausgebracht. Darin finden sich unter anderem eine Chronik zur Entwicklung des Verbands und Artikel zu den Projekten wie By.on, in.pulse, der Popkonferenz dialog.Pop oder dem Bayerischen Popkulturpreis sowie zahlreiche Grußworte.

Thomas Goppel, der Präsident des Bayerischen Musikrates, der es aufgrund der Verkehrsverhältnisse nicht mehr zum Festakt schaffte, betont darin, dass das Land "ohne die hartnäckige Unduldsamkeit" von Bernd Schweinar in Sachen Förderung der Popkultur "heute noch auf halber Strecke" wäre.

Ina Keßler, Geschäftsführerin der Initiative Musik, lobt explizit BY.on als "bundesweites Vorzeigeprojekt" der Musikerförderung. "Die inzwischen 1400 Supportauftritte von bayerischen Newcomerinnen vor großem Publikum sind eine gigantische Leistung", so Keßler weiter.