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Auf der Couch: Rainhard Fendrich

»Starkregen« ist nach dem Benefizwerk für Kinder in Armut, »Für immer a Wiener«, das erste reguläre Studioalbum von Rainhard Fendrich auf seinem eigenen Label. Nicht nur im geschäftlichen, ­sondern auch im kreativen und politischen Sinne nimmt sich der Österreicher dabei alle Freiheiten, wie er auf der MusikWoche-Couch erzählt.

20.09.2019 09:16 • von Dietmar Schwenger
Ein immer gern gesehener Gast auf der MusikWoche-Couch: Rainhard Fendrich (Bild: MusikWoche)

»Starkregen« ist nach dem Benefizwerk für Kinder in Armut, »Für immer a Wiener«, das erste reguläre Studioalbum von Rainhard Fendrich auf seinem eigenen Label. Nicht nur im geschäftlichen, ­sondern auch im kreativen und politischen Sinne nimmt sich der Österreicher dabei alle Freiheiten, wie er auf der MusikWoche-Couch erzählt.

»Mit dem eigenen Label bin ich entscheidungsfreier, und Plattenfirmen, wie ich sie einst kannte, gibt es in der Form eh nicht mehr«, sagt Rainhard Fendrich auf der MusikWoche-Couch. »Die Ära, als Labels noch Künstler aufbauen und über sie bestimmen konnten, gehört der Vergangenheit an. Ich muss jetzt nicht mehr fragen, ob ich etwas tun darf, sondern mache es einfach.« Fendrichs Management hat das Product Management übernommen, zudem sind noch einige Ex-Mitarbeiter von Sony Music, mit denen der Österreicher bereits zu seiner Zeit bei dem Major gearbeitet habe, nun frei für ihn tätig.

»Und diese Freiheit nehme ich mir auch im kreativen Bereich. Ich produziere und arrangiere nun alles selber, auch wenn ich ganz anders vorgehe als einer, der das wirklich gelernt hat. Bei mir ist das im Grunde ein Trial And Error, für das man viel Zeit braucht.«

Das war bei diesem Album der Fall, denn es lag bereits im vergangenen Jahr als Grundkonzept vor, als ihm das Benefizalbum gegen Kinderarmut, »Für immer a Wiener«, dazwischen kam: »Diese Unterbrechung hatte aber auch ihre guten Seiten, denn aus der Distanz sieht man Fehler viel besser. Ich habe einige Songs weggelassen, neue geschrieben.«

Wie ein roter Faden ziehen sich politische Themen durch das Album, das aber mit Liedern wie »Abendrot« oder »Nur die Liebe« auch persönliche, zwischenmenschliche Beobachtungen enthält. »Wer sich nicht für Politik interessiert, interessiert sich nicht für sein eigenes Leben. Das ist ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Denn Demokratie funktioniert nur, wenn alle mitmachen.« Einen Song über das Ibiza-Video der FPÖ gibt es auf »Starkregen« jedoch nicht. »Das Einzige, was ich zu diesem Video sagen kann, das mich ansonsten sprachlos gemacht hat: Es hat der Öffentlichkeit einen kurzen Einblick hinter die Kulissen der Politik gewährt. Ich weiß nicht, ob das bei anderen Parteien genauso läuft, aber so funktioniert eine rechtspopulistische Partei.«

Fendrich stellt dann die Verbindung zu seinen politisch inspirierten Songs wie »Heiße Luft« oder »Hinter'm Tellerrand« her: »Diese Wegschau-Mentalität, dieses Desinteresse der Politik gegenüber und das Tappen in die Populismusfalle - all das macht mir große Sorgen, und damit beschäftige ich mich auch in meinen Liedern. Rechtspopulistische Parteien wie die AfD in Deutschland arbeiten doch immer nach der Methode, erst mit einem vermeintlichen 'Ausländerproblem' Angst zu machen, um sich dann als der Retter aufzuspielen. Das ist wie in der Musik: Es ist viel leichter, etwas zu kritisieren, als es dann selber besser zu machen.«

Zwar sage er keinem, wen er wählen soll, vielmehr begleite er einen Zeitgeist. So treibe ihn derzeit der Komplex Demokratie und Wahlen um - »einfach weil ich finde, dass Demokratie nicht so gelebt wird, wie sie gelebt werden sollte. Es kann doch nicht sein, dass jemand einen Politiker wählt, weil er ihn fesch findet. Fesch ist aber eine Form der Hübschheit, die nichts aussagt. Aber genau deswegen achten Parteien im Wahlkampf heutzutage darauf, einen sympathischen Popstar an der Spitze zu haben. Das sind Beobachtungen, die mich aufregen - und auch die Kunst muss aufregen, denn wenn die Kunst nicht mehr aufregt, entzieht sie sich ihrer Berechtigung. Kunst ist immer ein Spiegel der Zeit gewesen - ob das nun Musik, Literatur, Architektur oder Theater war.«

Zugleich schaut Fendrich auch musikalisch über den Tellerrand: »Die verschiedenen Sounds auf dem neuen Album, gerade die elektronischen, kommen auch daher, dass ich mich mit aktuellen Produktionen auseinandergesetzt und mich dabei immer gefragt habe, wie funktioniert das, wie machen das die anderen.« Er sei zu dem Ergebnis gekommen, dass vielleicht 80 Prozent der aktuellen Sounds darauf basieren, dass die Leute, die diese Musik produzieren, in der Regel mit Loops arbeiten. Dabei sei ihm ein Song wie »Burn Out« mit einem elektronischen Ambiente »einfach passiert«, als er viele Dinge ausprobiert habe und bei elektronischen Klängen und Grooves gelandet sei. »Andererseits habe ich mich schon immer ganz vieler Musikstile bedient - ob das Tango wie beim 'Tango Korrupti' oder auch Rockmusik war. Denn Musik ist für mich vor allem das Transportmittel, um meine Geschichten zu erzählen.«

So gebt es auch klassikinspirierte Formen auf dem Album, das er mit einer komplett neuen Band aufgenommen hat. »Nicht zuletzt weil man beim Arbeiten an so einem Klassikarrangement richtig abschalten kann, wenn man sich überlegt, ob da nun zum Cello eine Bratsche oder vielleicht doch besser ein English Horn als Überstimme passt. Und ich habe dank meiner eigenen Plattenfirma keinen Druck. Das Wort Abgabetermin kenne ich nicht mehr.«

Einen weiteren kreativen Wandel gab es auch bei den Musikern: "Auf dem neuen Album spielt eine ganz neue Band. Ich habe mich von den alten Musikern getrennt - nicht aus persönlichen, sondern aus rein künstlerischen Gründen. Denn so gut meine damaligen Musiker auch waren und das noch immer sind, es hatte sich ein gewisser Einklang gebildet. Ich wollte aber etwas anderes ausprobieren und habe damit am Ende - glaube ich - auch recht gehabt."

In dem Song "Social Media Zombie" setzt sich Fendrich kritisch mit sozialen Medien auseinander, weiß aber: "Bei der Öffentlichkeitsarbeit braucht man heute die sozialen Medien. Früher gab man Radiointerviews, die Platte wurde gespielt und man erreichte sein Publikum, aber das funktioniert nicht mehr. Reichweite bekommst du nur über Social Media - und das macht mein Team. Ich selber bin da eher altmodisch, habe aber akzeptieren müssen, dass es ohne Social Media nicht mehr geht."

Die von Semmel Concerts gebuchte Tournee 2020 steht bereits fest. Die ersten Termine stehen im Mai an, die letzten sind für den November geplant.

01.05.2020, Hof/Saale, Freiheitshalle

03.05.2020, Berlin, Theater am Potsdamer Platz

04.05.2020, Hamburg, Laeiszhalle

06.05.2020, Essen, Colosseum Theater

07.05.2020, Frankfurt am Main, Jahrhunderthalle

08.05.2020, Erfurt, Alte Oper Erfurt

15.05.2020, AT- Innsbruck, Olympiahalle

16.05.2020, AT-Salzburg, Salzburgarena

17.05.2020, Nürnberg, Arena Nürnberger Versicherung

19.05.2020, AT-Linz, TipsArena

20.05.2020, AT-Graz, Stadthalle

22.05.2020, München, Olympiahalle

23.05.2020, AT-Wien, Wiener Stadthalle

19.07.2020, AT-Klagenfurt, OpenAir Arena Wörthersee Ostbucht

23.07.2020, Ebern, Schloss Eyrichshof

26.07.2019, Regensburg, Thurn und Taxis Schlossfestspiele

30.07.2019, Calw, Kloster Hirsau

29.08.2019, Altusried, Freilichtbühne Altusried

22.10.2019, CH-Zürich, Volkshaus Zürich

23.10.2020, Neu-Ulm, ratiopharm Arena

24.10.2020, Würzburg, S.Oliver Arena

28.10.2020, Passau, Dreiländerhalle

02.11.2020, Stuttgart , Liederhalle-Beethoven-Saal

08.11.2020, AT-Dornbirn, Messe Dornbirn