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Briegmann fordert weiterhin Druck auf Politik

Mit seiner traditionellen Rede eröffnete Frank Briegmann, CEO & President Universal Music Central Europe und Deutsche Grammophon, Universal Inside in Berlin. Er sprach über die Bedeutung des digitalen wie physischen Markts, sandte aber zur Umsetzung der Urheberrechtsrichtlinie auch Signale an die Politik zur aus.

04.09.2019 14:01 • von Dietmar Schwenger
Eröffnete Universal Inside: Frank Briegmann, CEO Universal Music Central Europe & Deutsche Grammophon (Bild: Stefan Hoederath)

Mit seiner traditionellen Rede eröffnete Frank Briegmann, CEO & President Universal Music Central Europe und Deutsche Grammophon, am 4. September 2019 die Veranstaltung Universal Inside in Berlin. Er sprach in der Verti Music Hall über die Bedeutung des digitalen wie physischen Markts und führte aus, dass trotz nach wie vor steigender Streamingerlöse der physische Markt mit pro Tag 113.000 verkauften physischen Tonträgern essenziell bleibt.

Optimistisch beurteilte Briegmann die künftige Marktentwicklung.und führte aus ,dass man die Umsatzrekorde aus der Jahrtausendwende noch vor 2025 überflügeln könne. Dafür seien alle Genres wichtig, es gebe keine unwichtigen Bereiche, betonte der Universal-Music-Chef.

Wichtig war Briegmann auch die zunehmende internationale Auswertung von nationalen Künstlern und zugleich die Verpflichtung von internationalen Künstlern, wobei er sich auf das 100 Jahre alte Erfolgsmodell der Deutschen Grammophon berief.

Der Top-Manager sandte aber hinsichtlich der Umsetzung der Urheberrechtsrichtlinie auch Signale an die Politik aus. Hier dürfe man beim Druck nicht nachlassen. Denn so würde die Politik erkennen, dass Deutschland ein Kreativstandort sei, dessen künstlerische und wirtschaftliche Interessen geschützt werden müssten.

MusikWoche dokumentiert die vorab verbreitete Rede von Briegmann nahezu ungekürzt:

"Liebe Partner, Freunde, Kolleginnen und Kollegen, Ich freue mich sehr, Euch alle zur Universal Inside 2019 zu begrüßen. Wir werden heute wieder großartige Künstler sehen, viel darüber erfahren, was uns und die Fans in den nächsten Monaten bewegen wird und natürlich auch wieder viele spannende Newcomer kennenlernen.

Die Verti Music Hall, in der wir uns befinden, ist ja auch eine Art Newcomer. Sie wird im kommenden Monat ihr Einjähriges feiern. Die Verti Music Hall ist nicht nur eine spektakuläre neue Veranstaltungsstätte. Sie ist auch ein Signal. Es wird viel in Musik investiert... im Live-Geschäft und wie gewohnt gerade auch bei uns, bei Universal Music: Die Musik unserer Künstler bringen Fans und Investoren mehr denn je zum Träumen.

Wir investieren natürlich finanziell, aber noch wichtiger: unsere Zeit und unseren Enthusiasmus. Das machen wir mit unseren und für unsere Künstler und natürlich mit Euch, liebe Partner, zusammen. Und das Ergebnis aus diesem Investment sieht, seit wir uns vor einem Jahr getroffen haben, sehr erfreulich aus. Das wird an vielen Stellen deutlich. Fangen wir mit ein paar Zahlen an. Gewachsen ist nicht nur der Weltmarkt - wie zum Beispiel in den USA (plus 11,9 Prozent), in Brasilien (plus 15,4 Prozent), Südkorea (plus 17,9 Prozent) und auch in Österreich (plus 20 Prozent) - sondern auch der deutsche Musikmarkt.

Der Weltmarkt hat zum Vorjahr sein Wachstum noch einmal beschleunigt, und der deutsche Musikmarkt hat nach einer Seitwärtsbewegung im vergangenen Jahr wieder an Fahrt aufgenommen mit einem Plus von 8,4 Prozent für die ersten sieben Monate. Gucken wir uns einmal an, wo der Umsatz herkommt: Streaming sorgt im ersten Halbjahr für doppelt so viel Umsatz wie die CD und ist und bleibt damit Wachstumsmotor Nummer eins. Gewachsen ist das Segment Streaming um rund 28 Prozent.

Im Streaming freuen wir uns, dass unsere Künstler in den erstem acht Monaten in Deutschland insgesamt 19,5 Milliarden Streams generiert haben, was einem Plus von mehr als 42 Prozent entspricht. Capital Bra hat einen neuen Alltime-Rekord aufgestellt. Kein Künstler und keine Künstlerin hatte jemals mehr Nummer-eins-Hits in Deutschland als er. Und mit mehr als 1,9 Milliarden Abrufen in Deutschland hat er dazu noch mehr Streams als jeder andere Künstler.

Die Deutschrapperin Juju liefert mit ihrem aktuellen Hit Vermissen" feat. Henning May den meistgestreamten Song einer Künstlerin in Deutschland aller Zeiten ab. Auch das ein Rekord mit aktuell 92 Millionen Streams. Noch dazu steht sie kurz vor Platin! Oder Shawn Mendes, der sechs Wochen lang die Nummer eins der Charts innehatte. Oder Billie Eilish mit dem meistgestreamten Album in Woche eins jemals einer Newcomerin.

Gleichzeitig entfallen auf die CD noch immer fast 30 Prozent des Umsatzes. Auch die Umsätze der physischen Formate sind nach wie vor eine starke Säule des Musikmarkts und damit automatisch auch des Wachstums. Deutschlandweit und auf den Gesamtmarkt bezogen werden noch immer 113.000 physische Tonträger verkauft - pro Tag wohlgemerkt. Rammsteins aktuelles Album verkauft in der ersten Chartswoche physisch 50 Prozent mehr als das letzte Studioalbum und steht nach drei Monaten schon bei drei Vierteln der Menge des Vorgängers. Der brauchte dafür zehn Jahre.

Auf der letzten Universal Inside hat uns Herbert Grönemeyer exklusiv ein paar Stücke von seinem Album Tumult" angespielt, welches im November dann veröffentlicht wurde. Nun stehen wir mit diesem Album bei Dreifach Gold, und kein anderer Künstler, keine andere Band standen häufiger auf Platz eins der Offiziellen Deutschen Album Charts. Im Domestic Urban Segment haben wir von KC Rebell, Capital Bra und LX & Maxwell über 100.000 Boxen an Fans verkauft - und das zu Preisen von teilweise über 60 Euro.

Das physische Aktionsgeschäft ist immer noch stark und auch das Segment herausragender Special Editions, die bei Sammlern und Fans ein "Muss-ich-haben"-Gefühl auslösen, wächst. Der Erfolg gibt unserer Strategie Recht: In der ersten Jahreshälfte ist unser physisches Kataloggeschäft bei allen Handelspartnern um durchschnittlich 60 Prozent gewachsen. Besonders deutlich wird unser Erfolg im physischen Segment, wenn wir uns einmal unser Umfeld anschauen. Während der Markt für physische Produkte um elf Prozent nachgegeben hat (auch wenn das schon deutlich besser war als prognostiziert), konnten wir als Universal Music sogar um 2,7 Prozent wachsen - gegen den Trend und alle externen Erwartungen.

Und auch für Universal Music ist 2019 schon bis hierhin ein sehr erfolgreiches Jahr. Sowohl bei den Singles als auch bei den Alben war unser Charts-Marktanteil 2019 größer als der aller anderen Labels zusammen. Wir erleben gemeinsam mit unseren Künstlern einen enormen Zuspruch durch die Fans und haben 15 von 35 Wochen Platz eins belegt. Auch bei den Alben sind das Ergebnisse, mit denen andere Bundeskanzler geworden sind.

Im Ergebnis bedeutet dieser Erfolg auch, dass wir nicht nur den Mitbewerbern Marktanteile abgenommen haben, sondern dass wir auch einen entscheidenden Beitrag zum starken Gesamtwachstum des Marktes leisten. Bemerkenswert übrigens: Dieses Ergebnis lag ganz explizit nicht nur an den großen Schwerpunktveröffentlichungen wie etwa Rammstein, Herbert Grönemeyer, Capital Bra oder Sarah Connor, sondern auch an einer erfreulich großen Zahl sehr erfolgreicher Künstler (noch) unterhalb der Superstar-Schwelle und einer mindestens ebenso erfreulichen Zahl vielversprechender Newcomer und Breakthrough Artists.

"Breakthrough Artists" nennen wir bereits etablierte Künstler, denen gemeinsam mit uns und durch unsere Unterstützung ein großer Schritt nach vorn gelingt und die dadurch mit ihrer Karriere ein neues Level und mehr Fans erreichen. Exemplarisch hier ein schöner Mix aus Pop, Rap und Schlager, wie ich finde:

Luciano: Vor ein paar Tagen, am 30. August, kam sein drittes Album heraus, und die Promo-Kampagne war jetzt schon erfolgreicher als alles, was wir davor gemeinsam mit diesem Künstler gemacht haben. Er hat schon Gold mit dem Song Meer"; und zwei weitere Gold-Auszeichnungen folgen in den kommenden Wochen

Billie Eilish: Ihr Debüt-Album "When We All Fall Asleep, Where Do We Go?" ist das meistgestreamte Album einer Künstlerin in der Startwoche überhaupt.

Dua Lipa: Haben wir in Deutschland für GSA gesigned, und sie hat in diesem Jahr den Newcomer-Grammy gewonnen.

Gerade um junge Künstler zu breaken, müssen wir auf allen Kanälen sehr zielgerichtet kommunizieren. Denn auch jenseits von unseren Streaming-Kanälen passiert unglaublich viel. Streaming ist auch keine Einbahnstraße. Aus einem Kanal entstehen dann oft graduelle Multi-Kanal-Strategien. Bestes Beispiel: "Ich find Schlager toll". Ein Projekt, das sehr selbstbewusst für eines der nach wie vor beliebtesten Genres in Deutschlands steht. Gestartet haben wir die Marke als YouTube-Kanal mit mittlerweile über 30 Millionen Views pro Monat. inzwischen wird die Brand neben physischen Produkten auch erstmalig als Veranstaltung live ausgewertet.

An alldem hat übrigens unsere Unit Marketing Labs, die sich hier im vergangenen Jahr vorgestellt hat und inzwischen perfekt im Haus vernetzt ist, entscheidend mitgewirkt. "Ich find Schlager toll" ist nur EIN Beispiel für ihre erfolgreiche Arbeit und zeigt ganz praktisch, wie die unterschiedlichsten Bereiche bei Universal Music perfekt ineinandergreifen und ehemalige Abteilungs- oder Genregrenzen keine Rolle spielen.

Um noch mehr an Tempo zu gewinnen, haben wir übrigens mit Marketing Labs ein eigenes Studio gebaut, das vor allem von unseren Domestic Artists genutzt wird. Allein in diesem Jahr haben wir bereits mehr als 10.000 Content Pieces und 300 hochwertige Online-Videos produziert. Wie wichtig die tiefe Verzahnung mit den Labels und das sehr tiefe digitale Spezial-Know-how ist, zeigt folgende Grafik. Hier sieht man die verschiedenen Online-Kanäle, sortiert nach der Zahl ihrer monatlichen Nutzer. Hier sieht man den Shift und das Wachstum der Kanäle. Interessant, wie schnell zum Beispiel TikTok in den letzten zwölf beziehungsweise 24 Monaten auf User-Basis zugelegt hat.

Es geht hier natürlich nicht darum, die einzelnen Plattformen miteinander zu vergleichen. Dafür fehlen auch zu viele Partner von uns. Zudem kann man monatlich aktive User natürlich nicht mit zahlenden Subscribern gleichsetzen. Die Top 10 nach Erträgen sähe aufgrund der unterschiedlichen Monetarisierung auf den Plattformen vollkommen anders aus. Da stünden auf jeden Fall unsere Streaming-Partner an erster Stelle.

Vielleicht schauen wir uns das Streaming einmal aus einer anderen Perspektive an: HipHop ist dort aktuell das dominierende Segment. Natürlich haben wir uns über diese vielen HipHop-Erfolge im Streaming gefreut. Aber, um es noch einmal ganz unmissverständlich zu sagen: Wir als Universal Music besitzen eine breite Labelbasis, verfügen über Experten in praktisch allen relevanten Genres. Wir wollen den Konsumenten ein breites und vielfältiges Angebot machen. Ob Streaming oder physisch, ob Hiphop, Rock, Pop oder Klassik: Für sie alle gilt: Es gibt KEINE unwichtigen Bereiche für uns - wenn wir etwas machen, dann nehmen wir es auch ernst. Wer glaubt, der Musikmarkt sei eine Solovorstellung von Formaten, Genres oder Moden, der irrt sich.

Ebenso klar ist aber auch, dass der Erfolg des Streamings wahrscheinlich noch weiter zulegen wird. Heutzutage haben bereits rund 19 Prozent der Bevölkerung in Deutschland ein Streaming-Abo, in Norwegen sind es aber schon gut 40 Prozent, also mehr als doppelt so viel. Diese beiden Zahlen zeigen nicht nur, wie wichtig das Streaming schon heute für uns ist, sondern auch, wo die Reise hingeht.

Und wenn wir uns einmal die Segmente HipHop und Pop anschauen, dann sehen wir, dass unsere Domestic-Künstler auf der einen Seite (nämlich im HipHop) riesige Erfolge im Streaming feiern, während wir im Pop noch deutliches Entwicklungspotenzial sehen. Ganz besonders auch, wenn man die Verteilung im Pop-Genre etwa mit den Album-Charts vergleicht, wo deutschsprachige Titel bei gut 50 Prozent liegen. Wobei das keine Kritik an unseren Streaming-Partnern ist, mit denen wir gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten und die uns bei unserer Arbeit unterstützen. Mir geht es darum, das Potenzial zu sehen.

Dabei ist es mir egal, ob wir die Zielgruppe dann Best Ager, Generation Gold oder Master Consumer nennen. Wir müssen über kurz oder lang auch die 50-Plus-Generationen erreichen. Sie machen zwar 51 Prozent der Bevölkerung aus, stellen aber nur 22 Prozent der Premium Accounts.

Wir wollen allen Künstlern neue Wachstumspotenziale aufzeigen. Wir von unserer Seite werden zu diesem Zweck die Vernetzung von physischen und digitalen Formaten noch weiter ausbauen. Klar, physische Produkte werden auch weiterhin entwickelt und angeboten werden (wo es Sinn macht). Dennoch sollten wir unsere gemeinsamen Bemühungen AUCH - wohlgemerkt: auch - auf die Entwicklung traditioneller Genres in den digitalen Kanälen lenken.

Wenn wir alle an einem Strang ziehen, wenn wir alle unsere Fähigkeiten (egal ob auf dem digitalen oder physischen Feld) optimal einbringen, dann werden uns sogar noch mehr dieser magischen Momente im Musikbusiness gelingen. Wenn ein junger Künstler erstmals ein breites Publikum für sich begeistert, oder wenn etablierte Künstler verstärkt den Boost durch die digitale Community spüren.

In welchen Bereichen sehen wir das meiste Potenzial für unser Business? Das sind nach wie vor: Connected Cars, Smart Home, Audiovisual Content Voice Recognition und Mobile Penetration generell, die über immer mehr Plattformen ausgespielt werden oder sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Die globale Zahl der Haushalte mit Smart-Home-Systemen hat 2018 wieder um mehr als 15 Prozent zugelegt und soll mit unvermindertem Tempo weiter wachsen. Der Umsatz rund um Connected Cars verzeichnete 2018 ein globales Plus von 26 Prozent.

Im Bereich Audiovisual Content hat etwa in den USA Video-on-Demand 2018 nicht nur um weitere 27 Prozent zugelegt, sondern erstmals auch den Markt für Kabelverträge überholt. Die Umsätze mit Smart-Speakern (Voice Recognition) sind in den USA im vergangenen Jahr um 128 Prozent gewachsen. Die Anzahl der Mobiltelefone weltweit beträgt drei Milliarden und wächst um weitere 27 Prozent bis 2021.

Wachstum bedeutet dabei nicht nur, das nationale, sondern auch das internationale Potenzial für unsere Künstler und uns zu nutzen. Warum gewinnt die internationale Auswertung für uns kontinuierlich an Bedeutung? Zwei Gründe - der erste und wichtigste Grund: Es gibt keine Grenzen für Musik und Künstler - auch wenn Herr Trump und Herr Johnson das nicht verstehen. Unsere Künstler können überall erfolgreich sein. Wir sehen immer mehr Domestic Acts, die das Zeug für eine internationale Auswertung haben. Dank der Digitalisierung sind die Markteintrittsschwellen niedriger denn je. Wir machen für unsere Künstler aus der theoretischen Möglichkeit eine handfeste Chance.

Zweitens: Unsere wachsende Expertise bleibt nicht unbemerkt. Immer mehr internationale Künstler entscheiden sich für ein Signing bei uns. Jüngstes Erfolgsbeispiel: Lewis Capaldi mit seinem Alltime-Entry-Rekord in UK. Oder Meduza (456 Millionen Streams) und R3hab (156 Millionen Streams), um nur ein paar ganz wenige zu nennen.

Wir etablieren ein Businessmodell, das bei der Deutschen Grammophon schon seit weit über 100 Jahren Usus ist. In der Klassik verlassen sich seit jeher die größten internationalen Stars auf unser Know-how und unsere Erfahrung für das weltweite Marketing. Kurz: Nicht nur deutsche Stars verlassen sich auf uns bei der Umsetzung ihrer internationalen Karriere, sondern auch internationale Stars vertrauen auf die Expertise und das weltweite Netzwerk von Universal Music Deutschland.

Wir machen nicht nur deutsche Stars im In- und Ausland groß, sondern auch ausländische Stars in ihren jeweiligen Heimatländern (und darüber hinaus). So haben wir zuletzt die Unit, die Domestic-Künstler im Ausland vermarktet, komplett reorganisiert und neu aufgehängt. Der Erfolg: weniger Reibungsverluste und drastisch verkürzte Wege.

Wenn man international denkt, denkt man natürlich auch immer an Europa. Und ein wichtiges europäisches Thema ist das Urheberrecht. Genauer: die neue Richtlinie, die das Europäische Parlament im April verabschiedet hat. Endlich und weltweit einzigartig wird die Plattformhaftung klargestellt, sodass die großen Anbieter Lizenzvereinbarungen abschließen müssen.

Nicht-lizenzierte Plattformen sind zur Durchführung von "notice and stay down" verpflichtet. Das heißt: Mitgeteilte nicht-lizenzierte Inhalte müssen heruntergenommen und dürfen nicht mehr geuploaded werden. Die Mitgliedsstaaten, auch Deutschland, haben jetzt zwei Jahre Zeit, die europäischen Vorgaben in nationales Recht umzusetzen. Frankreich etwa wird wohl die Plattformhaftung und damit "notice and stay down" einführen, und auch in Holland sehen wir bereits positive Gesetzesentwürfe.

Die Kritiker der neuen Richtlinie befürchten übrigens eine Einschränkung der Meinungsfreiheit, das Ende von Kreativität und technischer Innovation. Bis heute konnte mir das aber noch niemand schlüssig herleiten. Denn Meinungsfreiheit heißt ja, seine EIGENE Meinung kundzutun. Die Verhinderung des Uploads nicht lizenzierter Inhalte hat doch mit Zensur nichts zu tun!

Künstler und Labels können nach wie vor ihre Songs hochladen und sie über die Plattformen sharen. Die europäische Richtlinie regelt nichts anderes als den Schutz der Kreativen. Sie beendet nicht Kreativität, sondern sorgt dafür, dass Kreativität von den Plattformen fair entlohnt wird sowie Künstler und die von ihnen beauftragten Unternehmen ihre Inhalte monetarisieren können. Nicht mehr und nicht weniger.

Wir alle gemeinsam müssen jetzt wie in der Vergangenheit als Vertreter unserer Künstler dafür sorgen, dass der Druck nicht nachlässt, und dass die Politik erkennt, dass Deutschland ein Kreativstandort ist, dessen künstlerische und wirtschaftliche Interessen geschützt werden müssen.

Als ich vor 15 Jahren hier in Berlin als CEO bei Universal Music anfing, da lag der Digitalanteil am gesamten Musikmarkt bei exakt einem Prozent. Einem einzigen. Mein Handy war zwar ein Phone, nur smart war es mit Sicherheit nicht. Zumindest nicht nach heutigen Maßstäben. Facebook war im selben Jahr gerade online gegangen. Aber es gab noch kein Instagram (Einführung: 2010), kein Spotify (2006) und kein YouTube (2005).

Auch diese Veranstaltung hat sich gewandelt: 2004 hieß sie noch Vertriebstagung und fand - viel kleiner - im Café Moskau statt. Ich erinnere mich an jedes dieser Events. Nicht nur, weil diese Tage zu den wichtigsten im Jahr für uns zählen. Sondern auch weil so viele Künstlerkarrieren hier begonnen haben.

Jeder Manager ist nur so gut wie sein Team und in unserem Fall noch zusätzlich: wie unsere wunderbaren Künstler. Und deshalb war mir immer wichtig, dass die gesamte Organisation in Berlin und München an meiner europäischen Perspektive teilhat. Ich glaube fest daran, dass uns die kreative und administrative Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg sowie die Stärkung aller Vertriebswege nur weiterbringen kann.

Wir wollen, dass unsere Künstler erfolgreich und ihre Fans glücklich sind. Wir wollen einen fairen Wettbewerb innerhalb der Musikbranche und faire (rechtliche) Bedingungen für die Zusammenarbeit mit unseren Partnern. Wir wollen, dass das gesamte Ökosystem Musikwirtschaft mit uns wächst und dass wir alle gemeinsam mehr erreichen.

Und wenn wir alle gemeinsam daran arbeiten, dann wird eine Prognose von Goldman Sachs tatsächlich Wirklichkeit werden: Sie sagt voraus, dass wir unsere Umsatzrekorde aus der Jahrtausendwende noch vor 2025 überflügeln könnten. Die Treiber des Wachstums haben wir vorher gesehen. Daran möchte ich gerne mit unseren Künstlern, meinem Team und natürlich auch mit Ihnen allen in den kommenden Jahren weiter arbeiten.