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Media-Tech und Making Vinyl auf der Suche nach physischen Zukunftsformeln

Am 2. Mai fiel im gut besuchten Meistersaal in Berlin der Startschuss für die Doppelkonferenz The World Of Physical Media und Making Vinyl. Im Fokus stand dabei zunächst die Frage nach der Zukunftsfähigkeit physischer Medien.

03.05.2019 09:39 • von
Auf der Bühne im Meistersaal (von links): Bryan Ekus (Making Vinyl), Michael Hosp (kdg), Bob Mould und Larry Jaffee (Making Vinyl) (Bild: MusikWoche)

Am 2. Mai fiel im gut besuchten Meistersaal in Berlin der Startschuss für die Doppelkonferenz The World Of Physical Media und Making Vinyl. Im Fokus stand dabei nach einer Einleitung von Produzent René Rennefeld zunächst die Frage nach der Zukunftsfähigkeit physischer Medien: Als CEO von kdg mediatech suchte Michael Hosp mit seinen Gesprächspartnern Sven Deutschmann (CEO Sonopress) und Günter Loibl (Rebeat Innovation) nach Antworten auf die Frage, wie sich denn mit Ton- und Bildtonträgern auch künftig noch Geld verdienen lassen könne. Sven Deutschmann machte dabei unter anderem klar, dass das physische Produkt sich zu einem Nischenformat entwickeln werde. In dieser Nische aber stecke noch immer viel Potenzial, sagte Deutschmann, und belegte das unter anderem anhand verschiedener Beispiele mit umfangreich ausgestatteten Boxen. "Es geht darum, wie wir den Konsumenten auch künftig noch dazu bewegen können, in den Laden zu gehen und dort ein Produkt zu kaufen", umriss Günter Loibl die Ausgangslage, auf die er unter anderem mit der laufenden Entwicklung des Formats HD Vinyl reagiert.

Anschließend ging es in einer von Sabine-Lydia Schmidt moderierten Runde um Zahlen und Perspektiven zur Entwicklung im Musikmarkt. Mit dabei waren Sigrid Herrenbrück (BVMI), Birte Wiemann (VUT) und Mathias Strobel (Bundesverband Musiktechnologie) als Repräsentanten der Verbandsseiten, sowie Sara Valentino vom MusiCassetten-Anbieter Tapedub und Tom Nieuweboer (!K7 Music) von der Labelseite. Dabei machte Birte Wiemann unter anderem deutlich, dass Labels und Vertriebe ihre Kunden mit der Fertigung von 10.000 schwarzen LPs längst nicht mehr erreichen würden und stattdessen diversifizierte Angebote zum Beispiel mit Kleinauflagen in verschiedenen Farben in den Fokus gerückt seien.

Im weiteren Verlauf des Konferenztages stellte unter anderem Christoph Diekmann von Addvalue Consulting seinen Ansatz vor, wie sich auch künftig noch die Produktion neuer Master-Rechte refinanzieren lassen könne, und diskutierte die Entwicklung im internationalen Musik- und Mediengeschäft anschließend mit unter anderem Holger Wustlich (Universal Music), Andreas Peplinski (GfK) oder Steffen Gerlach (Capelight Pictures).

Die Historie der Hansa Studios mit vielen Verweisen auf David Bowie, Nick Cave oder Depeche Mode stand dann bei einer Runde mit Toningenieur Eduard Meyer (David Bowie, Iggy Pop), Reiner Maillard (Emil Berliner Studio) und Thilo Schmied (Berlin Music Tours) auf der Agenda, bevor schließlich der seit wenigen Jahren in Berlin lebenden Musiker Bob Mould (Hüsker Dü, Sugar) über seine Beziehung zum physischen Produkt sprach: "Für mich hat eine Vinylschallplatte etwas Magisches", machte Mould deutlich, der zudem von einem Vinylanteil von 40 Prozent bei den Verkäufen seines jüngsten Albums berichtete. Dabei komme es für ihn gar nicht darauf an, spezielle Konfigurationen für Sammler zu entwickeln. "An erster Stelle geht es um die Musik", sagt Mould. Alles andere, von der Verpackung bis zum T-Shirt, komme erst danach. Und hier müsse man sich heute mehr denn je an den Wünschen der Kunden und Fans orientieren.

Im Rahmenprogramm des Kongressgeschehens boten die Veranstalter Studioführungen durch die Hansa Studios samt Cutting Wokshops ebenso an wie eine Präsentation des HD-Vinyl-Teams um Günter Loibl, das in Berlin erstmals die eigens entwickelte "Perfect Groove"-Software vorstellte, die es Mastering-Ingenieuren möglich macht, Musikaufnahmen in eine für die Herstellung von HD-Vinyl-Stampern nötige 3D-Topographie umzuwandeln.