Unternehmen

Musikmarkt wächst in Österreich um gut sechs Prozent, digital überholt physisch

Der Aufschwung im österreichischen Musikmarkt setzt sich fort: Das Geschäft mit Recorded Music verbuchte im ersten Halbjahr 2018 ein Umsatzplus von 6,3 Prozent. Trotz Zuwächsen im Streaming fordert Dietmar Lienbacher mit Verweis auf die Value-Gap-Lücke gleiche Spielregeln für alle.

19.07.2018 13:12 • von
Dynamische Entwicklung: Streaming steuerte im ersten Halbjahr 2018 nun auch in Österreich den größten Anteil zu den Einnahmen der Musikunternehmen im Bereich Recorded Music bei (Bild: IFPI Austria)

Der Aufschwung im österreichischen Musikmarkt setzt sich fort: Das Geschäft mit Recorded Music verbuchte im ersten Halbjahr 2018 formatübergreifend ein Umsatzplus in Höhe von 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit verfestigt sich die positive Entwicklung in Österreich, wo nach einer jahrelangen Talfahrt die Trendwende kam.

Die Plattenfirmen setzten nun laut Zwischenbilanz des Verbands der österreichischen Musikwirtschaft, IFPI Austria, von Anfang Januar bis Ende Juni des laufenden Jahres 53,5 Millionen Euro um.

Motor der Entwicklung war das "weiterhin dynamische Wachstum bei den Streamingangeboten", wie es aus Wien heißt. Demnach kletterte die Zahl der per Stream angehörten Titel binnen Jahresfrist um eine Milliarde auf nunmehr 2,5 Milliarden Songs im ersten Halbjahr 2018.

Das ließ die Einnahmen der Musikunternehmen aus der Vermarktung von Musik über Streamingplattformen um 61,1 Prozent auf nunmehr 23,2 Millionen Euro wachsen. Der Löwenanteil davon entfiel laut IFPI Austria mit 21,1 Millionen Euro auf Abomodelle wie von Spotify, Apple Music, Amazon Music Unlimited oder Deezer.

Videoabrufe hätten hingegen bei YouTube "trotz hoher Userzahlen vergleichsweise bescheidene 1,4 Millionen Euro" zum Umsatz beigesteuert, andere werbefinanzierte Streamingangebote weitere 750.000 Euro. "Damit wird auch am österreichischen Musikmarkt das auf EU-Ebene aktuell intensiv diskutierte Problem der Value-Gap-Wertschöpfungslücke mehr als deutlich erkennbar", heißt es bei der IFPI Austria.

Im bislang größten Marktsegment, dem Verkauf physischer Tonträger, bedeuteten derweil Umsätze in Höhe von 24,4 Millionen Euro ein Minus von 15 Prozent. Obwohl auch die Einnahmen aus dem Verkauf von Downloads um 18 Prozent auf 5,6 Millionen Euro einbrachen, wuchs der digitale Umsatzanteil am Gesamtmarkt auf 54 Prozent und überholte damit erstmals den physischen Bereich als wichtigsten Umsatzbringer.

Trotz Zuwächsen im Streaming beklagt Dietmar Lienbacher als der IFPI Austria im Onlinebereich mit Verweis auf die Value-Gap-Wertschöpfungslücke eine marktverzerrende Schieflage: "Rund 800.000 österreichische Musikfans haben ein Streaming-Abo", berichtet Lienbacher. Streaming habe zudem die CD als größten Umsatzbringer abgelöst. "Umso wichtiger ist es, dass am Streamingmarkt für alle die gleichen Spielregeln gelten und auch Anbieter wie YouTube entsprechende Lizenzen bezahlen."

Als Geschäftsführer des Verbands der österreichischen Musikwirtschaft meint auch Franz Medwenitsch, "dass klare Regeln über die Verantwortung der Internetplattformen für den Content längst überfällig sind". Mit Blick auf die europäischen Bühne ergänzt Medwenitsch: "Wir hoffen, dass das EU-Parlament mit der Reform des europäischen Urheberrechts die Weichen in Richtung mehr Fairness für die Kreativbranchen stellen wird."