Unternehmen

GEMA legt auch ohne YouTube-Effekt noch einmal zu

Die GEMA verbuchte im Geschäftsjahr 2017 erneut ein Plus: Die Einnahmen der Verwertungsgesellschaft kletterten im Vorjahresvergleich um rund fünf Prozent auf 1,074 Milliarden Euro. Auch die Verteilsumme wuchs.

10.04.2018 11:53 • von
Sieht trotz Zuwächsen bei den Einnahmen der GEMA auf politischer Ebene dringenden Handlungsbedarf in der Diskussion ums Urheberrecht und die Value-Gap-Wertschöpfungslücke: GEMA-Vorstandschef Harald Heker, hier bei einer früheren Mitgliederversammlung (Bild: Mathias Vietmeier)

Die GEMA hat im Geschäftsjahr 2017 erneut ein Plus verbucht: Die Einnahmen der Verwertungsgesellschaft wuchsen im Vorjahresvergleich um rund fünf Prozent oder rund 50 Millionen Euro auf 1,074 Milliarden Euro. "Die GEMA konnte ihren wirtschaftlich erfolgreichen Weg im Jahr 2017 fortführen", sagt der GEMA-Vorstandsvorsitzende Harald Heker bei der Vorlage der Bilanz am 10. April 2018. "Wir sind sehr zufrieden, dass wir nach dem erfolgreichen Geschäftsjahr 2016 unser Ertragsergebnis noch einmal um fünf Prozent steigern konnten."

Im Jahr zuvor hatte die GEMA mit Einnahmen in Höhe von 1,024 Milliarden Euro . Zum Plus in Höhe von fast 15 Prozent zum Vorjahr trugen vor Jahresfrist vor allem samt Nachzahlungen für den Zeitraum von 2009 bis 2016 bei.

Zum Gesamtergebnis 2017 hätten nun alle Inkassobereiche mit einem "im Wesentlichen stabil gebliebenen Aufkommen beigetragen", teilt die GEMA mit. So wuchsen die Einnahmen im Bereich Außendienst aus der öffentlichen Wiedergabe von Musik, zugleich die stärkste Ertragssäule der GEMA, um 2,8 Prozent auf 380,5 Millionen Euro. Ebenfalls um 2,8 Prozent aufwärts auf nunmehr 294,2 Millionen Euro ging es bei den Erträgen aus der Musiknutzung in Funk und Fernsehen. Der Onlinebereich kam hingegen nicht an die durch den YouTube-Sondereffekt des Vorjahres beeinflussten Zahlen des Jahres 2016 heran, spiele aber mit Einnahmen von 70 Millionen Euro die positive Marktentwicklung wider, wie es aus München heißt. Abwärts ging es derweil bei den Erlösen im mechanischen Bereich: Demnach fielen die Erträge aus der Lizenzierung physischer Tonträger wie CDs oder Vinyl um 8,3 Prozent auf 96,1 Millionen Euro und damit erstmals unter die dreistellige Millionenmarke. Die Zuwächse in den anderen Bereichen hätten indes den Rückgang im Bereich Tonträger ausgleichen können.

Positiv auf die Einnahmen habe sich auch eine Sonderausschüttung der Zentralstelle für private Vervielfältigungsrechte (ZPÜ) ausgewirkt, die auf deren Einigung mit den Verbänden der Geräteindustrie für Smartphones, Tablets und PCs aus dem Jahr 2016 zurückgeht.

Den Einnahmen der Verwertungsgesellschaft stand 2017 ein Kostenaufwand in Höhe von 15 Prozent der Erträge gegenüber. Damit sei es der GEMA erneut gelungen, den Kostensatz für operative und strategische Maßnahmen zu senken, "obwohl das Jahr 2017 aufgrund der Maßnahmen, die das Urteil des Berliner Kammergerichts vom November 2016 zur Verlegerbeteiligung erforderlich gemacht hat, mit besonderen Herausforderungen verbunden war". 2016 lag der Verwaltungsaufwand noch bei 15,4 Prozent, 2015 waren es 16,3 Prozent. 2017 lagen die Aufwendungen der GEMA bei rund 160,7 Millionen Euro, im Vorjahr waren es knapp 158,2 Millionen Euro.

Die gewachsenen Einnahmen schlagen sich erneut auch in höheren Ausschüttungen nieder: Die Verteilungssumme wuchs von gut 866,1 Millionen Euro im Vorjahr um rund 47 Millionen Euro auf nunmehr 913,6 Millionen Euro.

"Unsere insgesamt erfreuliche wirtschaftliche Entwicklung belegt, dass wir erfolgreich sind, wenn wir beharrlich unsere Ziele verfolgen", strich Harald Heker heraus. "Sie darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der rasante Wandel in der Musiknutzung weiter immense Herausforderungen an eine umfassende Musikverwertung und den Schutz der Interessen aller Urheberinnen und Urheber stellt."

Heker sprach außerdem die Diskussion ums Thema Value Gap an: "Die anhaltende Debatte über eine Modernisierung des Urheberrechts zeigt, dass es der Politik schwerfällt, bewährte Grundrechtspositionen der analogen Welt auf den Onlinebereich zu übertragen." In Deutschland und Europa würden weiterhin weiterhin entscheidende rechtliche Grundlagen fehlen: "Die Konsequenzen müssen die Musikschaffenden tragen, die um die angemessene Vergütung für ihre Leistung gebracht werden." Heker appellierte deshalb an die Politik: "Es besteht dringender Handlungsbedarf. Nach Jahren der Diskussion muss ein Urheberrecht, das der digitalen Transformation in der Musikbranche gerecht wird und die Rechte der Urheber in der digitalen Welt gebührend berücksichtigt, jetzt Teil unserer Gesetzgebung werden."