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Puls Festival machte sich für Frauen stark

Am 2. Dezember richtete die BR-Jugendwelle Puls in München das Puls Festival aus. Dazu gehörte auch die eröffnende Diskussionsrunde "Für mehr Pussy im Pop - Warum das Musikbusiness weiblicher werden muss".

05.12.2017 10:50 • von Dietmar Schwenger
Diskutierten in München über Frauenthemen (von links): Künstlermanagerin Sophie Raml, Mirca Lotz (We Make Waves), Katharina Adler (Landstreicher), Vanessa Schneider (Puls), Ina Jedlicka (Sony Music), Andreya Casablanca und Laura Lee Jenkins (beide Gurr) (Bild: MusikWoche)

Am 2. Dezember 2017 richtete die BR-Jugendwelle Puls in München das Puls Festival aus. Am Vortage war das Festival bereits im E-Werk in Erlangen über die Bühne gegangen.

Nur in München indes fand zur Eröffnung des Festivals die Diskussionsrunde "Für mehr Pussy im Pop - Warum das Musikbusiness weiblicher werden muss" statt. Im unbestuhlten Studio 2 des Gebäudes des Bayerischen Rundfunks begrüßte Puls-Moderatorin Vanessa Schneider die Panelisten Sophie Raml (Managerin Blumentopf, Joy Denalane, Jesper Munk), die Veranstalterin Mirca Lotz (We Make Waves Festival), Katharina Adler (Konzertproduktion und Veranstaltungstechnik Landstreicher Booking), Ina Jedlicka (Senior A&R Managerin Columbia/Sony Music) sowie die beiden Gurr-Musikerinnen Andreya Casablanca und Laura Lee Jenkins.

Sophie Raml eröffnete mit einem Statement die lebhafte Diskussion, indem sie von ihren Anfängen in der Musikbranche erzählte. "Damals war ich oft die einzige Frau, habe das aber immer als positiv empfunden. Man hatte damals einen gewissen Exotenbonus." Die aus Österreich stammende Ina Jedlicka erwähnte, dass drei der insgesamt elf A&R-Manager von Columba weiblich seien. Das seien zwar wenig, aber die Geschäftsführung habe sich schon seit Langem für das Thema stark gemacht. Sie erhalte auf dieser Ebene stets Unterstützung."Wichtig ist eine gute Mischung im Team. Entscheidungsträger sollten jung und alt, weiblich und männlich sein", so Jedlicka weiter.

Aus einer anderen Perspektive schilderte Katharina Adler ihre Erfahrungen in der Produktionsseite beim Livegeschäft. Dort habe es oft "arroganten Zweifel" gegeben, ob sie als Frau diese technischen Aufgaben überhaupt bewältigen könne. "Als Frau muss man mehr Kompetenz besitzen", formulierte sie.

Mirca Lotz wandte ein, dass in der Musikbranche in den unteren Hierarchieebenen das Geschlechterverhältnis oft paritätisch besetzt sei, mit einem Frauenanteil von 50 Prozent. Doch in den höheren Etagen werde der Frauenanteil geringer. Erschwerend käme hinzu, dass Frauen ab Mitte 30 sich dann zwischen Kind oder Karriere entscheiden müssten. Dem pflichtete Raml bei. "Als ich anfing, fiel mir auf, dass die wenigen Frauen in höheren Positionen alle Single und kinderlos waren, weil sie all ihre Zeit in den Job steckten."

Jedlicka gab ihr Recht und betonte, dass Männer oftmals nicht wüssten, welches Privileg Männer hätten, wenn sie sich nicht auch noch gleichzeitig um eine Familie kümmern müssten. "Ein Vorschlag von mir wäre, dass nach 15 Uhr keine Meetings mehr abgehalten werden sollten." Darauf erwiderte Raml: "Man hat immer ein schlechtes Gewissen - ob man sich nun für oder gegen eine Familie entscheidet."

Lotz machte sich derweil für das von der EU geförderte "Key Change"-Programm stark, das sich für mehr Gleichheit bei Festivals einsetzt. Veranstaltungen wie das Reeperbahn Festival hätten sich bereits verpflichtet, bei der Verpflichtung von Künstlern auf eine 50/50-Ausgewogenheit der Geschlechter zu achten. "Gerade bei Festivals fehlt die Sichtbarkeit von Frauen bei den gebuchten Acts", klagte sie. Dagegen spreche allerdings, wie Adler einräumte, dass der weibliche Künstlerpool derzeit nicht immer ausreichend groß sei.

Diese Erfahrungen hätten auch Gurr gemacht, berichteten die beiden Musikerinnen. "Auch wenn man alles genauso macht wie die Männer, hat man es als Frau trotzdem schwerer", sagte Andreya Casablanca. Ihre Kollegin Laura Lee Jenkins klagte auch, dass zum einen die weiblichen Vorbilder fehlten, und dass zum anderen die Medien in ihrer Berichterstattung über ihre Band in den allermeisten Fällen vor allem ihr Frausein thematisierten und sich weniger mit der Musik auseinandersetzten.

Von positiven Erfahrungen mit weiblichen wie männlichen Mentoren berichteten Raml, Adler und Jedlicka. "Ich hatte sehr früh auch männliche Mentoren, von denen ich viel gelernt habe", berichtete etwa Jedlicka, die bei Sony Music unter dem Namen Fifty-Fifty eine Gruppe ins Leben gerufen hat, die die Gleichberechtigung vorantreiben will.

Die Moderatorin wies darauf hin, dass man beim Booking des Puls Festivals dann auch auf einen hohen Frauenanteil geachtet hätte. So traten dann neben Gurr auch die schottische Künstlerin Be Charlotte, die Londoner Band The Big Moon und Noga Erez auf. Ebenfalls gebucht für die drei Bühnen hatte das Puls-Team unter anderem noch Megaloh, Käptn Peng und die Tentakel von Delphi, Chuckamuck, The Amazons, Superorganism, Idles, Meute und Lux & Cap Kendricks & Tom Doodle.

Der BR übertrug das Festival in einem Livestream, zudem zeigt der ARD-Digitalkanal One am 16. Dezember einen Zusammenschnitt der Veranstaltung. Das BR Fernsehen bringt am 15. und 22. Februar 2018 ein "Best Of" vom Puls Festival, einzelne Konzertmitschnitte vom Event laufen dort zudem ab dem 1. März jeden Donnerstag um 0:30 Uhr.