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GEMA knackt erstmals Milliardenmarke - YouTube sorgt für Sonderkonjunktur

Die GEMA erzielte im Geschäftsjahr 2016 erstmals Erträge von mehr als einer Milliarde Euro. Zum Plus von fast 15 Prozent zum Vorjahr trug unter anderem die Einigung mit YouTube samt Nachzahlungen seit 2009 bei.

13.04.2017 13:42 • von
Legt für 2016 eine Rekordbilanz vor: der GEMA-Vorstandsvorsitzende Harald Heker (Bild: MusikWoche)

Die GEMA erzielte im Geschäftsjahr 2016 erstmals Erträge von mehr als einer Milliarde Euro: Die Verwertungsgesellschaft weist in ihrem am 13. April 2017 vorgelegten Geschäftsbericht (pdf) für das vergangene Jahr Einnahmen in Höhe von 1,024 Milliarden Euro aus. Im Jahr zuvor waren es noch 893,8 Millionen Euro.

"Die GEMA war in wirtschaftlicher Hinsicht noch nie so erfolgreich wie im Jahr 2016", sagt Harald Heker, der Vorstandsvorsitzende der GEMA. "Diese Lizenzeinnahmen sichern Komponisten und Textdichtern sowie ihren Verlegern eine angemessene Vergütung für die analoge und digitale Nutzung kreativer Leistungen."

Zum Plus in Höhe von fast 15 Prozent zum Vorjahr trug vor allem samt Nachzahlungen für den Zeitraum von 2009 bis 2016 bei. So weist die GEMA in ihrem Geschäftsbericht für den Onlinebereich Einnahmen in Höhe von 81,6 Millionen Euro aus - eine Verdoppelung im Vergleich zu den 40,4 Millionen Euro aus dem Jahr 2015. Im Onlinebereich halbierten sich zwar die Erlöse aus dem Verkauf von Downloads auf knapp 13,3 Millionen Euro. Zugleich aber sprangen die Streamingeinnahmen von gut 15 Millionen Euro auf nun mehr als 70,5 Millionen Euro.

Aber auch die Einigung der Zentralstelle für private Vervielfältigungsrechte (ZPÜ) mit den Verbänden der Geräteindustrie für die fälligen Vergütungen für Smartphones und Tablets schlug sich positiv im Jahresergebnis der GEMA nieder: Im Bereich Vergütungsansprüche wuchsen die Erträge der Verwertungsgesellschaft von 16,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf nunmehr 97,9 Millionen Euro im Jahr 2016.

Die Erträge aus der Lizenzierung physischer Tonträger wie CDs oder Vinyl-LPs sanken hingegen von 110,3 Millionen Euro um fünf Prozent auf 104,9 Millionen Euro. Im Bereich Rundfunk und Fernsehen nahm die GEMA 2016 mit 286,2 Millionen Euro rund zwei Prozent mehr ein als mit 280,6 Millionen Euro im Jahr zuvor.

Der Außendienst holte für die öffentliche Wiedergabe von Musik 370,1 Millionen Euro in die Kassen der GEMA, nach 365,5 Millionen Euro im Vorjahr. "Eine weitere Ertragsverbesserung in diesem Bereich verspricht sich die GEMA von der neuen Organisationsform ihres Außendienstes: Mit der Einführung einer funktionalen Struktur und dem Aufbau eines zentralen Kundencenters wird die professionelle Marktbearbeitung seit letztem Jahr ausgebaut", heißt es dazu aus München.

Das Ergebnis schlägt sich auch in höheren Ausschüttungen nieder: Die Verteilungssumme wuchs von gut 748 Millionen Euro im vorherigen Geschäftsjahr um fast 120 Millionen Euro auf nun mehr als 866,1 Millionen Euro.

Aufwärts ging es auch bei den Personal- und Sachkosten, die zusammen von knapp 145,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum nun auf knapp 158,2 Millionen Euro wuchsen. Bei der GEMA verweist man dazu unter anderem auf das Inkrafttreten des VGG-Verwertungsgesellschaftengesetzes und die damit verbundenen "besonderen Herausforderungen". Dank den gesteigerten Einnahmen sank derweil der Gesamtkostensatz der GEMA im Vorjahresvergleich von 16,3 auf 15,4 Prozent, der operative Kostensatz fiel von 13,2 auf 12,6 Prozent.

"Das überaus positive Ergebnis spornt uns an, weiter in die Zukunftsfähigkeit der GEMA zu investieren", erklärte Harald Heker bei der Vorlage der Jahresbilanz. Die GEMA fokussiere sich darauf, "in dem sich dynamisch wandelnden Musikmarkt die Rechte der Urheber durchzusetzen und auch in Zukunft eine stabile Ertragsentwicklung zu erzielen". Dabei gehe es darum, Einbußen im Tonträgerbereich über Ertragssteigerungen in den Bereichen Livemusik und Onlinenutzung zu kompensieren.

Harald Heker appelliert zudem an die Politik: "Gerade im schnell wachsenden Bereich des Streaming werden die Urheber nach wie vor nicht ausreichend an den wirtschaftlichen Erfolgen der Anbieter beteiligt. Onlineplattformen können sich immer noch auf eine unklare Rechtslage berufen. Mit der Verbreitung urheberrechtlich geschützter Werke erzielen sie hohe Umsätze, ohne jedoch die Urheber dafür in angemessener Weise zu vergüten. Hier ist die Politik mehr denn je gefordert, einen fairen Rechtsrahmen zu schaffen."