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Sind die Charts zu langsam?

In den deutschen Singles-Charts gibt es seit der Streamingbeimischung immer weniger Bewegung - und zunehmend weniger Neuzugänge auf zumeist tiefen Positionen. MusikWoche fragte Experten, wie sie diese Entwicklung bewerten.

19.08.2016 10:05 • von Jonas Kiß
- (Bild: Fotolia)

In den deutschen Singles-Charts gibt es seit der Streamingbeimischung immer weniger Bewegung - und zunehmend weniger Neuzugänge auf zumeist tiefen Positionen. MusikWoche fragte Experten, wie sie diese Entwicklung bewerten.

"Einerseits finde ich es großartig, dass durch Dienste wie Spotify oder Apple Music das digitale Geschäft einen derartigen Aufschwung erfahren hat", sagt Jens Thele, Managing Director Kontor Records und Mitglied des Chart- und Marketing- Ausschusses des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI), im Gespräch mit MusikWoche. "Andererseits entwickelt es sich immer mehr zu einem Problem, dass die von diesen Diensten kuratierten, eigenen Playlists dazu beitragen, dass die Charts langsamer geworden sind. Man sollte sich ernsthaft überlegen, ob das in dieser Form noch korrekt ist."

Ein Blick auf die aktuellen Top 100 Singles zeigt, dass Thele mit seinen Beobachtungen nicht ganz falsch liegt. Denn in dieser Woche finden sich nur fünf Neuzugänge in der von GfK erhobenen Auswertung, die meisten davon unterhalb von Platz 70 - auch wenn in dieser Woche als Ausnahme von der Regel die neue Single von Major Lazer auf Rang zwei die Charts entert. Mathias Giloth, Geschäftsführer GfK Entertainment , betont dagegen: "Streaming belebt das Musikgeschäft, trägt zu großen Wachstumsraten bei und wird auch international immer häufiger in die Charts integriert. Die Auswirkungen der bestehenden Integration in die Offiziellen Deutschen Charts werden in enger Zusammenarbeit mit dem BVMI analysiert. In diesem Rahmen wird auch in regelmäßigen Abständen gemeinsam geprüft, ob gegebenenfalls Anpassungen des Regelwerks sinnvoll sein können."

In diese Richtung argumentiert auch der Bundesverband. "Streaming als jüngste Nutzungsform befindet sich noch in der Entwicklungsphase, das gilt generell, das gilt aber eben auch für die Reaktion etwa der Offiziellen Deutschen Singles-Charts auf die Integration der Streams", erläutert BVMI-Geschäftsführer Florian Drücke: "Wir sammeln hier derzeit Erfahrungen und werten aus; ob und zu welchem Zeitpunkt es sinnvoll sein kann, aus gewonnen Erkenntnissen Konsequenzen zu ziehen, werden wir jeweils genau prüfen."

Was außerdem die Musikverleger Benjamin Bailer, Geschäftsführer Global Records & Publishing, Hille Hillekamp, Geschäftsführer Grand H, und Jens-Markus Wegener, Managing Director Imagem Music, sowie Jörg Heidemann, Geschäftsführer VUT, zum Thema sagen, lesen Abonnenten in MusikWoche Heft 32/2016, im Livepaper oder .