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SUISA schließt sich mit der SESAC kurz

Die schweizerische SUISA und die US-Organisation SESAC heben mit Mint Digital Licensing ein Joint Venture aus der Taufe. Das neue Unternehmen soll ab 2017 die Lizenzierung des Repertoires beider Gesellschaften für den Onlinebereich übernehmen.

03.08.2016 15:43 • von
Gründen gemeinsam das Joint Venture Mint Digital Licensing (von links): SUISA-Generaldirektor Andreas Wegelin, John Josephson (Vorsitzender & CEO der SESAC Holding) und Alexander Wolf, der seit Anfang 2016 bei der SESAC als President SESAC International fungiert (Bild: Hannah McKay)

Die schweizerische Verwertungsgesellschaft SUISA und die US-Organisation SESAC heben unter dem Namen Mint Digital Licensing ein Joint Venture aus der Taufe. Damit entstehe "die erste transatlantische Allianz für Musikwerke von Komponisten, Textautoren und Verlegern", lassen die Partner in einer gemeinsamen Mitteilung wissen.

Das neue Unternehmen soll ab Anfang 2017 die Lizenzierung des Repertoires beider Gesellschaften für den Onlinebereich mit Anbietern wie YouTube, Apple oder Spotify übernehmen. Mit diesem Schritt wollen SESAC und SUISA "die Wettbewerbsposition und den Wert der Musik ihrer Mitglieder im internationalen Markt für Onlinemusik stärken".

Das Joint Venture will seine Dienstleistungen darüber hinaus auch weiteren Musikverlegern und Organisationen anbieten. Durch die Bündelung ihrer Fachkenntnisse, Datenbestände und technologischer Ressourcen im Gemeinschaftsunternehmen Mint Digital Licensing versprechen sich die Partner kontinuierliche Verbesserungen bei der Auswertung, höhere Transparenz sowie raschere Auszahlungen und Abrechnungen. Die Datenbank des Joint Venture soll rund 11,5 Millionen Werke der SESAC und 4,5 Millionen der SUISA abdecken.

Als Vorsitzender und CEO der SESAC Holding sieht John Josephson Mint Digital Licensing als "ersten Schritt in der Umsetzung der SESAC-Strategie, eine Territorien-übergreifende Lizenzierungsplattform in größerem Maßstab aufzubauen". SUISA-Generaldirektor Andreas Wegelin streicht zudem heraus, dass die SUISA durch die Zusammenarbeit mit SESAC "ihre Stellung im Onlinebereich ausbauen und in diesem Konkurrenzmarkt auf lange Sicht ihre Eigenständigkeit sichern" wolle.

Auf den Onlineseiten der SUISA erklärt Wegelin außerdem, dass beide Unternehmen dank der Größe und der Relevanz des vereinten Repertoires ihre Verhandlungsposition gegenüber den Dienstanbietern im Onlinebereich stärken würden: "Insofern ist der wichtigste Nutzen des Joint Ventures, die Interessen der SUISA- und SESAC-Mitglieder in den Verhandlungen mit Spotify, Apple, YouTube und Weiteren mit mehr Gewicht vertreten zu können. Die faire Vergütung von Urhebern und Verlegern für Online-Musiknutzungen ist also das Hauptanliegen."

Da die SUISA in den vergangenen Jahren zudem in die Modernisierung ihrer IT-Infrastruktur investiert habe, sorge die Zusammenarbeit zudem für eine gute Ausgangslage: "Unsere IT-Dienstleistungen können wir nun gegen Entgelt auch anderen Gesellschaften und Verlagen anbieten und unsere Systeme besser auslasten. Zudem werden wir dadurch höhere Nebeneinnahmen erzielen."

Für die SUISA-Mitglieder soll sich hingegen in Hinblick auf Dienstleistungen und Rechtewahrnehmung nicht ändern: Es gebe "weder einen neuen Wahrnehmungsvertrag noch Änderungen im Verteilungsreglement", macht Wegelin klar: "Die wesentliche Änderung wird nur auf der Seite der Online-Dienstanbieter spürbar sein: Die Lizenzierung des SUISA-Repertoires an die Online-Musikservices wird durch das Joint Venture erfolgen."

Allerdings bleiben auch Fragen offen: "Die genaue Struktur des Joint Ventures sowie die Wahl des Firmensitzes wird derzeit noch definiert", räumt Andreas Wegelin ein. "Wir werden die Organisation von Mint Digital Licensing so schlank wie möglich halten. Sowohl die SUISA als auch SESAC haben das Ziel, effizient zu arbeiten und die Verwaltungskosten tief zu halten."

Klar sei hingegen, dass die SUISA "zu 100 Prozent eigenständig" bleibe: "Sie bringt ihre Dienstleistungen in das Joint Venture ein. Zudem beteiligen sich beide Unternehmen mit je einem tiefen sechsstelligen Betrag, um die Initialaufwände des Gemeinschaftsunternehmens zu decken."