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Fokus Klassikfestivals: Sponsoren sind unerlässlich für die Finanzierung der großen Events

06.05.2016 14:14 • von Jonas Kiß
Hat auch für die Akademien einen hohen Finanzbedarf: Verwaltungsdirektor Burkhard Stein vom SHMF (Bild: Schleswig-Holstein Musik Festival)

Die deutschen Klassikfestivals finanzieren sich großteils privat, wobei Sponsoren eine entscheidende Rolle spielen, wie die Organisatoren des Schleswig-Holstein Musik Festivals, der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern und des Rheingau Musik Festivals auf Anfrage von MusikWoche klar machen.

Das Budget des Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) hat sich im Lauf der letzten zehn Jahre jeweils zwischen acht und zehn Millionen Euro eingependelt. Für die Finanzierung bezeichnet Verwaltungsdirektor Burkhard Stein Drittmittel als "unverzichtbar". Die "Flächenbespielung" eines ganzen Bundeslandes sowie die Akademien (Orchesterakademie, Chorakademie, Meisterkurse) lassen sich laut Stein allein durch Karteneinnahmen nicht finanzieren: Die Dezentralisierung des kulturellen Angebots, also die Verlagerung von den Metropolen in das Land, bedeute zwar eine Stärkung des Kultur- und Wirtschaftsstandorts Schleswig-Holstein "und einen atmosphärischen Zugewinn", führe aber zugleich zu einem hohen Investitionsbedarf in die jeweilige Infrastruktur des Spielortes (Bühne, Licht, Ton, Bestuhlung etc.) wie zu "geringeren Einnahmemöglichkeiten gegenüber den modernen, großen Konzertsälen".

"Drittmittel sind unverzichtbar"

Diese Schere wolle man schließen. Entsprechendes gilt für die Akademien: So investiere das SHMF etwa in jeden der 120 Teilnehmer der Orchesterakademie ein Vollstipendium für An- und Abreise aus aller Welt, Unterkunft und Vollverpflegung für rund acht Wochen und musikalische Ausbildung. Hinzu kommen laut Burkhard Stein erhebliche Aufwendungen für das internationale Auswahlverfahren in rund 30 Städten auf vier Kontinenten. Und auch "der Bildungsauftrag kostet Geld - dafür benötigen wir Drittmittel", so Stein. Er beziffert die Eigenfinanzierungsquote des SHMF auf rund 86 Prozent, der Landeszuschuss liege also bei 14 Prozent.

"Mehr als die Hälfte unseres Budgets erwirtschaften wir durch Ticketverkäufe, rund 35 Prozent des Etats verteilen sich auf Sponsoring, Spenden und sonstiges", so Stein. Oberstes Gebot für das SHMF sei stets die Qualität. Auch mit Programmen außerhalb der Klassik gelinge es, "neues Publikum zu gewinnen, was zu einer entsprechenden Stärkung des Ticketings als wesentlicher Einnahmesäule führen kann". Hauptsponsoren des SHMF sind die Sparkassen-Finanzgruppe, Audi, NordwestLotto Schleswig-Holstein, die Hanse- Werk AG sowie der NDR.

Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern (MV) sind laut deren Intendant Markus Fein in den 26 Jahren seit ihrer Gründung "erheblich gewachsen, was das Veranstaltungsvolumen und das Budget betrifft". Demnach standen 1990 noch 27 Veranstaltungen im Programm, im Jahr 2000 waren es 89, heute zähle man "über das Jahr rund 160 Veranstaltungen im dreimonatigen Festspielsommer, beim Festspielfrühling Rügen, den Advents- und Neujahrskonzerten". Der Gesamtetat dafür liegt laut Fein bei 4,5 Millionen Euro, die bei relativ konstanter öffentlicher Förderung zum größten Teil aus privaten Mitteln stammen.

"Ohne Sponsoren gäbe es unser Festival nicht in dieser Form", bekräftigt der Festspielintendant. Die Festspiele MV seien zu über 90 Prozent privat finanziert. "46 Prozent unseres Budgets erwirtschaften wir über Karteneinnahmen und 47 Prozent über Sponsoring. Die öffentliche Förderung macht circa sieben Prozent aus." An Sponsoren sei man "sehr breit aufgestellt" mit "unserem Partner", der Sparkassen-Finanzgruppe Mecklenburg-Vorpommern, und den Hauptsponsoren AIDA Cruises, BMW Group, Radeberger Exportbierbrauerei , arcona Hotels&Resorts, Nordmetall-Stiftung und Körber-Stiftung. Dazu engagieren sich rund 200 bundesweite, regionale und lokale Stiftungen und Unternehmen unterschiedlicher Größe als Konzertsponsoren.

"Das ist für unsere Finanzierung unerlässlich, aber auch für unsere Verankerung in Mecklenburg- Vorpommern sehr wichtig", betont Fein. Darüber hinaus unterstützt ein Förderverein aus rund 1500 "Festspielfreunden" den Veranstaltungsreigen im Nordosten Deutschlands. Markus Fein führt aus: "Für die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern Stiftung hat das Land Mecklenburg-Vorpommern einen Matching Fund in Höhe von insgesamt 1,25 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, der durch private Zustiftungen in gleicher Höhe komplett ausgeschöpft wurde, das Kapital liegt inzwischen bei rund 2,7 Millionen Euro."

Egal ob Klassik oder andere Musikrichtungen, wichtig sei immer, wie die Musik an das Publikum herangebracht werde, die Nähe zum Zuschauer und den Musikern sowie "das Ausprobieren von neuen Formen, die neue Hörperspektiven aufzeigen und vielleicht vorhandene Schwellen abbauen". Letzlich könne man "nur mit Qualität das Publikum und auch potenzielle Unterstützer überzeugen", sagt Markus Fein.

Landeszuschuss "ohne Einfluss"

Beim Rheingau Musik Festival beträgt das Budget für 2016 wie in den letzten Jahren rund acht Millionen Euro. Der Landeszuschuss macht nur einen Anteil von 0,31 Prozent aus. "Für die Existenz des Rheingau Musik Festivals sind Sponsoren von immenser Bedeutung, denn ohne deren Engagement wäre das Festival in dieser Form nicht durchführbar", unterstreicht Intendant Michael Herrmann. "Dagegen haben die finanziellen Zuschüsse des Landes Hessen in Höhe von 25.000 Euro keinen Einfluss auf die Realisierbarkeit des Rheingau Musik Festivals."

Das Festival setzt auf langfristige Sponsorenverträge. Hauptsponsoren sind Lotto Hessen und die Deutsche Post. "Gemessen an der Gesamtfinanzierung des Rheingau Musik Festivals liegen die Anteile von Ticketverkäufen und Sponsorengeldern jeweils bei circa 50 Prozent", so Herrmann. 2015 unterstützten 168 Sponsoren und Förderer das Festival, das neben der Klassik auch dem Jazz und artverwandten Genres regelmäßig Raum gibt.