Livebiz

Rieger redete auf der Reeperbahn Tacheles

Er gehört zur Handvoll jener Konzertveranstalter, die das Livegeschehen in Deutschland seit den 70er-Jahren geprägt haben. Doch nur höchst selten betritt Peter Rieger, Managing Director der Peter Rieger Konzertagentur, selbst die Bühne. Doch beim diesjährigen Reeperbahn Festival legte er dar, wie er die Entwicklung des Livegeschäfts einschätzt.

30.09.2015 15:23 • von Manfred Gillig
Auf der Bühne in Hamburg (von links): Esther Rieger-Breuer, Peter Rieger, Manfred Gillig-Degrave (Bild: MusikWoche)

Er gehört zur Handvoll jener Konzertveranstalter, die das Livegeschehen in Deutschland seit den 70er-Jahren geprägt haben. Doch nur höchst selten betritt Peter Rieger, Managing Director der Peter Rieger Konzertagentur, selbst die Bühne. Doch beim diesjährigen Reeperbahn Festival legte er dar, wie er die Entwicklung des Livegeschäfts einschätzt.

Im Gespräch mit MusikWoche-Herausgeber Manfred Gillig-Degrave ließ Rieger, der im April 2015 in Frankfurt mit einem Live Entertainment Award für sein Lebenswerk geehrt wurde, kaum Zweifel daran, dass er den Konzentrationsprozess in der Livebranche bedauert: "Früher war unsere Arbeit noch stark von den guten Kontakten zu Künstlern und Managern geprägt und fußte auf Vertrauen und Verlässlichkeit. Heute haben wir im Livebiz - wie in der Musikindustrie - drei Majors, es geht vor allem um geschäftliche Interessen."

Als gebürtiger Frankfurter lernte Rieger in den Siebzigern bei der Agentur Lippmann + Rau die Regeln des Livebiz. Neben seinem Studium war er als örtlicher Veranstalter in Köln und Umgebung für Mama Concerts aktiv, er war Manager der Liedermacherin Bettina Wegener ("Sind so kleine Hände"), bevor er 1983 zusammen mit seiner damaligen Frau Jutta Schremmer-Rieger die Peter Rieger Konzertagentur gründete. Seine ersten bundesweiten Tourneen veranstaltet er mit BAP und mit der Spider Murphy Gang; der erste internationale Act, den er betreute, war die englische Gruppe Level 42. Später kamen noch viele andere hinzu - von Udo Lindenberg bis Joe Cocker.

Vor dem Hintergrund seiner jahrzehntelangen Erfahrungen und Expertise plauderte Rieger entspannt aus dem Nähkästchen und scheute dabei auch nicht vor harscher Kritik an anderen bekannten Impresarios zurück. Er erzählte, wie es war, die Rolling Stones zu treffen, und wie deprimierend er den Zustand von Whitney Houston während ihrer letzten Tournee fand: "Schuld an ihrem Tod ist ihr Mann Bobbi Brown, durch den sie drogenabhängig wurde."

Rieger, der die oftmals familiäre Atmosphäre bei der Arbeit mit den Künstlern einer reinen Geschäftsbeziehung stets vorzog, hatte auch in seiner Agentur viele Jahre lang die Familie um sich: Anfangs mit seiner damaligen Frau, dann mit seiner Tochter Esther Rieger-Breuer Da überraschte es nicht, dass er seine Tochter mit auf die Bühne bat. Sie habe schon immer den richtigen Riecher für neue Talente gehabt und so dafür gesorgt, dass die Agentur jung geblieben sei.

Inzwischen hat Esther Rieger ihre eigene Agentur, Riegerous Artist Management gegründet. Zum Schluss fragte der Interviewer, was sie von ihrem Vater gelernt hat. "Alles" antwortete sie.