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Dossier "Sing meinen Song" - Und alle schauen zu

16.06.2015 15:39 • von Jonas Kiß
Die Begeisterung sieht man ihnen an (von links): Tobias Künzel, Sebastian Krumbiegel, Xavier Naidoo, Hartmut Engler, Daniel Wirtz und Yvonne Catterfeld bei den Dreh - arbeiten zur zweiten Staffel (Bild: Markus Hertrich/ Vox)

Ein Blick in die Offiziellen Deutschen Charts verdeutlicht sehr schnell, welche Folgen "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" hat: Von Andreas Bourani, den Prinzen, Yvonne Catterfeld und Christina Stürmer - allesamt Teilnehmer der zweiten Staffel - finden sich in dieser Woche ins gesamt neun Titel in den Charts. Auch die CD zur ersten Staffel ist in die Hitliste zurückgekehrt. Und Sarah Connor und Andreas Gabalier, die 2014 ihren Karrieren über eine Teilnahme an der Show neuen Auftrieb geben konnten, sind ebenfalls hoch in den Charts platziert.

Entsprechend positiv fällt das Fazit von Kai Sturm, Chefredakteur und Unterhaltungschef des zur RTL Group gehörenden Senders Vox Television, im Gespräch mit MusikWoche aus: "Die erste Staffel wurde für uns mit bis zu 2,51 Millionen Zuschauern pro Folge, einem Album mit Dreifachgold und einem mit Goldstatus, mit über fünf Millionen Videoabrufen, mehr als 200.000 Facebook-Fans sowie dem Deutschen Fernsehpreis und einer Echo-Auszeichnung zum überragenden Erfolg." Zudem habe "Sing meinen Song" dem gesamten TV-Genre gut getan und auch Fernsehmuffel wieder vor den Bildschirm gelockt. Mit der zweiten Staffel, die am 19. Mai angelaufen ist, will Sturm an diesen Erfolg anknüpfen und "ihn vielleicht sogar noch ausbauen".

Und das scheint zu gelingen: Die Auftaktfolge von Staffel zwei holte einen hervorragenden Marktanteil von 13,8 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Das bedeutete nicht nur den Tagessieg in dieser Zielgruppe, sondern auch den besten Wert, den die Show je erreicht hat. Denn der Topwert der acht Folgen der ersten Staffel lag bei 12,2 Prozent. Und auch die danach gesendeten Folgen bestätigen den Optimismus von Kai Sturm: 2,3 Millionen Vox- Zuschauer verfolgten am 2. Juni die Sendung, bei der es um die Musik der Prinzen ging.Der Marktanteil betrug acht Prozent; bei den jungen Zuschauern erreichte die Prinzen-Sendung 1,35 Millionen, was einer Quote von 13,3 Prozent entspricht.

Für Thomas Wißmann, der als Executive Producer von "Sing meinen Song" gemeinsam mit Kai Sturm im März einen Echo erhielt, liegen die Gründe für den Erfolg auf der Hand: Für ihn kommen die hohen Einschaltquoten daher, dass die Show "authentisches, hoch emotionales Fernsehen ist und der Zuschauer einen exklusiven Einblick in kostbare Momente bekommt, die er so nirgendwo anders erleben kann". Und dass es zu diesen "kostbaren Momenten" komme, "ist wiederum unmittelbar damit verknüpft, dass die Akteure der Show alle in der Topliga der deutschen Musikszene spielen und sich aus freien Stücken ohne doppelten Boden und Reißleine auf ein echtes Wagnis einlassen".

Wißmann betont: "In keinem anderen TV-Format erlebt man die Künstler so nahbar. Und auch der Anteil von Gastgeber Xavier Naidoo am Erfolg ist nicht zu unterschätzen." Konkret erkennt Wißmann diesen Anteil in Naidoos Popularität und den musikalischen Highlights, die er immer wieder setzt. Und der Produzent hebt die Haltung hervor, mit der Naidoo an die Show herangeht: "Er selbst nimmt sich sehr zurück und gibt den anderen dadurch viel Raum. Es geht ihm wirklich in erster Linie darum, die anderen Künstler hochleben zu lassen.Xaviers Selbstlosigkeit und menschliche Größe sind das Rückgrat der Show und der Motor der Emotionen, von denen sie lebt."

Wichtig ist eine gewisse Hitdichte

Entscheidend für das gute Abschneiden der Show dürfte die richtige Auswahl der Künstler sein: Dabei treffen etablierten Persönlichkeiten auf interessante Newcomer oder ältere Acts, die aber bislang noch nicht den verdienten Erfolg einfahren konnten. "Die Auswahl wird von Naidoo Records, der Produktionsfirma Talpa Germany und Vox einvernehmlich getroffen", erläutert Wißmann. "Wichtig ist dabei, dass wir in Summe eine gewisse Hitdichte haben, also Songs, die die Leute kennen. Neben eigenen Hits müssen die Künstler aber auch die Offenheit mitbringen, sich auf das Projekt und damit auch auf andere Genres einzulassen - denn der Genremix ist ja unter anderem das, was die Sendung so besonders und so spannend macht."

Das Image von Vox hat profitiert

Produktionstechnisch steckt hinter "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" ein großer Aufwand, zu dem neben den eigentlichen Dreharbeiten auch das Erstellen der Arrangements und die Proben mit der Band gehören - ein hoher Einsatz, der sich aber auszahlt, wie Kai Sturm bekräftigt: "Ein Projekt ist für uns nicht nur erfolgreich, wenn es gute Quoten generiert, sondern auch, wenn es einen positiven Effekt auf das Image des Senders hat. Auf ,Sing meinen Song' trifft beides zu. Und dann lohnt sich auch unser Einsatz." Zudem habe die Show "einen sehr hohen Stellenwert" für das Ziel, die Musikkompetenz von Vox zu stärken.

"Natürlich haben wir uns bei Vox schon mit unseren mehrstündigen Musikdokumentationen am Samstagabend und dem Format ,Cover My Song', das genau wie ,Sing meinen Song' mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde, eine Musikkompetenz aufgebaut." Nun habe man sich über die beiden Staffeln von "Sing meinen Song" allerdings nicht nur bei den 14 Künstlern, die bereits mitgemacht haben, sondern in der ganzen Branche "Anerkennung und Vertrauen" erarbeitet. Zudem entwickle Vox aus der Sendung heraus auch neue Ideen für weitere neue Musikformate. Dazu zählt Sturm die im Anschluss an die Show und an eine Dokumentation über den jeweiligen Künstler des Abends laufende Reihe "Meylensteine" mit Gregor Meyle, dessen Karriere nach einer Castingshow von Stefan Raab dank "Sing meinen Song" plötzlich an Fahrt aufnahm.

Positive Effekte auf die Alben der Stars

"Sing meinen Song" sei ein schönes Beispiel dafür, sagt Sturm, wie wir eine gelungene Zusammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen in ein neues und erfolgreiches Format gemeinsam mit dem kreativen Partner Talpa Germany weiterentwickelt haben. Wir wollen ein starker und verlässlicher Partner für die Musikindustrie sein und diese Kompetenz weiter ausbauen." Und zudem können Vox, Talpa und alle Kooperationspartner von den Erfahrungen der ersten Staffel profitieren, sagt Thomas Wißmann: "Nach der erfolgreichen ersten Staffel läuft die Zusammenarbeit jetzt noch besser.

Die Labels haben die Erfahrung gemacht, dass bei ,Sing meinen Song' wirklich die Musik im Vordergrund steht und dass die Sendung auch einen positiven Effekt auf die Alben und Produkte der Stars hat." Das gelte nicht nur für die aktuellen Veröffentlichungen, auch viele ältere Alben der Künstler aus der ersten Staffel schafften es während des Ausstrahlungszeitraums plötzlich wieder zurück in die deutschen Charts.

Über diesen Erfolg freut sich auch Annette Kunze, Bereichsleiterin Licensing bei RTL interactive und unter anderem für Mediakooperationen im Musikbereich verantwortlich: "Die authentische Präsenz der Künstler bei 'Sing meinen Song' findet beim Zuschauer Anklang", sagt sie. Außerdem beobachtet sie darüber hinaus unmittelbare Auswirkungen im digitalen Bereich: "Nach Ausstrahlung sind die Songs der Künstler wieder ganz oben in den Downloadcharts zu sehen."

Freundschaften als Nebeneffekte

Nicht nur die regulären Veröffentlichungen der Künstler profitieren von der Show, auch die Produkte zu "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" haben sich zu regelrechten Dauerbrennern in den Hitlisten entwickelt. So erschienen ein Sampler mit Musik aus der ersten Staffel, eine weitere CD mit Songs aus dem "Sing meinen Song Weihnachtsspecial" und zuletzt eine Zusammenstellung mit Liedern aus Staffel zwei beim Mannheimer Label XN-Tertainment, hinter dem als Gesellschafter Xavier Naidoo, die Söhne Mannheims GmbH und naidoo records stehen. Als Vertriebspartner ist Kurt Erpings Firma tonpool Medien mit an Bord; für das Marketing der Tonträger konnten Peer Kurrer und Konny von Löhneysen gewonnen werden.

Im Gespräch mit MusikWoche hebt von Löhneysen hervor: "Die Verkaufszahlen und die Chartspositionen der Alben zeigen, dass die Sendung ,Sing meinen Song - Das Tauschkonzert' nicht nur die TV-Zuschauer begeistert, sondern auch starke Albumverkäufe generiert." Das sei nicht bei allen TV-Formaten der Fall, denn manchen fehle vor allem die Nachhaltigkeit, betont der Musikmanager: "Diese Verkaufserfolge stehen deutlich in Kontrast zu anderen Musik- oder Castingformaten im Fernsehen. Die beiden Alben zu ,Sing meinen Song' haben 2014 in Deutschland, Österreich und der Schweiz insgesamt 600.000 Einheiten verkauft."

Das allein sei aber nicht entscheidend, meint von Löhneysen und nennt dafür zwei Beispiele: So habe die Sendung Gregor Meyles Karriere wieder sehr stark beflügelt, und Andreas Gabaliers Talent sei einer größeren Zielgruppe bekannt geworden. Auch verweist er darauf, dass in den aktuellen Top 20 der Albumcharts des Onlinehändlers Amazon zehn Alben im direkten Bezug zur Vox-Show stehen. "Vox ist es in überzeugender, empathischer und authentischer Manier gelungen, den Konsumenten zu gewinnen." Das führt auch zu erfreulichen Nebeneffekten, von denen die Acts der Show profitieren: "Für die Künstler entstand durch die Mitwirkung an der Show nicht nur ein erhöhter Verkaufsimpuls für Tonträger und Konzerttickets, sondern auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich in vielen Kollaborationen und gemeinsamen Auftritten manifestiert hat - wenn man romantisch veranlagt ist, kann man das auch Freundschaft nennen."

Den eigenen Beitrag will er nicht zu hoch ansetzen: "Unser Job war es, das alles auszuwählen, zu konfigurieren und zu vermarkten. Die Qualität der Darbietungen, wie auch die musikalischen Arrangements von Mathias Groschs Band Grosch's Eleven sowie die Produktion von Michael Herberger sind ein weiterer Unique Selling Point der Show." Ebenfalls positive Auswirkungen verspürt der frühere EMI-Music-Manager Uli Mücke, der heute Music for Millions betreut, das Musiklabel der Mediengruppe RTL Deutschland. "Die Partnerschaften von Music for Millions mit Pur und den Söhnen Mannheims werden durch die starke Emotionalisierung der Protagonisten ideal bereichert." Und Mücke bringt auf den Punkt, was wohl alle Beteiligten denken: "Wahrscheinlich ist ,Sing meinen Song' das beste Musikfernsehen der letzten Jahre."