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Publishing - Wenn alle Quellen sprudeln

06.03.2015 16:07 • von Jonas Kiß
Herausforderung für Musikverleger: Sie müssen viel dafür tun, dass aus Erlösrinnsalen irgendwann ein Wasserfall wird (Bild: NEILRAS/Fotolia)

"Das größte Potenzial sehen wir zur Zeit konkret in der notwendigen Erhöhung der Vergütung für digitale Nutzungen und der Tarife für Konzert- veranstaltungen", sagt Patrick Strauch, Managing Director Sony/ATV Germany. "Vor allem im Bereich Streaming sind die Vergütungen für Komponisten, Textdichter und Verlage viel zu gering. "Es sei nun gerade auch auf internationaler Ebene an den Verlagen, "für eine angemessene Erhöhung der Tarife für unsere Autoren und uns zu streiten". Mit der neu formierten Gesellschaft Solar "sind wir diesbezüglich zusammen mit der GEMA und PRS auf einem sehr guten Weg".

Auf lokaler Ebene mache sich Sony/ATV zudem für eine Erhöhung der Tarife im Livebereich stark: "Die Konzerttarife in Deutschland sind, gerade auch im Vergleich zum europäischen Ausland, zu gering und müssen erhöht werden." Wachstumspotenzial sei weiterhin gegeben. Walter Holzbaur, Inhaber des Wintrup Musikverlags, weiß: "Die tragende Säule für Wintrup waren und werden auch in Zukunft die Einnahmen aus dem Aufführungsrecht sein. Man muss halt etwas dafür tun, dann macht sich das auch nachhaltig bemerkbar." Durch die Zentralisierung bei den großen Verlagen habe sich zudem "für einen organisierten und weltweit vernetzten Independentverlag wie Wintrup bei den Dienstleistungsangeboten ein lukratives Feld aufgetan", berichtet Holzbaur.

"Dies funktioniert jedoch nur dann, wenn sich beide Seiten darüber im Klaren sind, dass die Zusammenarbeit längerfristig angelegt ist. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass die heutige Technik das weltweite Inkasso gewaltig beschleunigt hat." Auch Holzbaur findet, dass trotz stark steigender Umsätze aus den Digitalerlösen bislang wenig reinkommt - bei den "Lizenztiefen" speziell im Streaming sei das aber "auch kein Wunder". Der technische und damit verbunden der finanzielle Aufwand für Inkasso und Administration steige konstant, daher müsse eine Dienstleistungsvereinbarung gut austariert sein.

"Dienstleistungsangebote haben Potenzial, es müssen sich nur die richtigen Partner finden." Auch die Synchauswertung biete Möglichkeiten. "Wintrup hat für die Größe des Katalogs eine sehr gute Trefferquote", sagt Holzbaur, es gebe aber keine Konstante. "Für die professionelle Betreuung im digitalen Sektor ist Wintrup bestens aufgestellt, jetzt müssen nur noch aus Lizenztiefen Lizenzhöhen werden."

Majors sind stark im Synchgeschäft

"Obwohl die Digitalerlöse beginnen, substanzieller zu werden, hat das Digitalgeschäft leider eines mit dem Synchgeschäft gemein: Es ist bisher kaum kalkulierbar", sagt Fredrik Nedelmann, General Manager des Freibank Musikverlags. Abgesehen von vielen ungelösten und unvergüteten Nutzungsfeldern - Nedelmann verweist vor allem auf YouTube - sehe er zudem Unregelmäßigkeiten in den Abrechnungen der Verwertungsgesellschaften. "Eines der Hauptprobleme im Onlinebereich sind die sogenannten Carve-outs der Schwestergesellschaften der GEMA, die subverlegtes Repertoire an den Subverlagen vorbei aus den Nachbarterritorien direkt wahrnehmen." Hier ein Angebot zu schaffen, das es den Verlagen ermöglicht, stark im paneuropäischen Bereich zu lizenzieren und Repertoire zu halten, werde eine der Hauptaufgaben vor allem auch der GEMA sein.

Rudi Schedler, Managing Director des Schedler Musikverlags, sieht das größte Potenzial derzeit "im Bereich Dienstleistung, vor allem in der Beratung unserer Autoren und Vertragspartner". Künftig sollten aber auch bei den Digitalerlösen Zuwächse möglich sein, "wenn dann mal eine faire Aufteilung zwischen allen Beteiligten stattfindet". Hille H, geschäftsführender Gesellschafter bei Grand H Music, erkennt in Dance und Pop das größte Potenzial - "immer noch in guter neuer Hitmusik, die aber unbedingt radio- und discothekentauglich" sein müsse: "Ein solcher Hit bringt gute bis sehr gute Aufführungsgelder aus diesen beiden Bereichen, was die Verluste im physischen und digitalen Verkauf doch einigermaßen gut kompensieren kann." Auch Synch sei ein Thema - "aber hier ist es schwer, gegen die Majors anzukommen, die gerade jetzt die relevanten Agenturen mit ihren alten und neuen Hits förmlich überschwemmen".

Christian Baierle, Managing Director Roba, erklärt: "Grundsätzlich bemerken wir eine deutliche Zunahme der digitalen Erlöse." In Deutschland sei dies allerdings noch nicht der Fall. "Die von Verwerterseite herrührende Ablehnung der - wie wir denken - fairen Vergütung von Urhebern und Verlagen verhindert es, dass wir in diesem Segment zufrieden sein können." Die Synchauswertung laufe bei Roba auf hohem Niveau, denn eine mediale Nutzung finde auf immer mehr Kanälen statt. "Jedoch wird sich auch hier erst in der Zukunft zeigen, ob große Synch-lizenzen aus der TV-Werbung in gleichem Maße auch im Internet zu verhandeln sind."

Von vielen Werbetreibenden würden diese Rechte als Beiwerk gesehen, sagt Baierle, obwohl die Interaktion und die weltweite Verbreitung eine viel größere Nutzung darstellen. "Für unser Dienst - leistungsgeschäft glauben wir, dass Verlage wieder mehr als früher in die kreative Entwicklung auch der Künstler einbezogen werden."

IT gewinnt weiter an Bedeutung

"Das Musikverlagsgeschäft wird ohne Frage einem grundlegenden Wandel unterzogen", weiß auch Jens-Markus Wegener, Managing Director Imagem Music. "Nicht nur das Wegbrechen von alten Geschäftsmodellen und die zunehmende Fragmentisierung der Einnahmeströme im Zeitalter der Digitalisierung bereiten große Probleme, sondern auch die damit verbundenen ständig ansteigenden Rechner- und Speicherkapazitäten."

Für Wegener spielt IT "eine immer größere Rolle, und Monitoring und Tracking gewinnen noch mehr an Bedeutung". Für diese Herausforderung sei Imagem bereits jetzt gut aufgestellt. "Doch die wahre Kernkompetenz von Musikverlagen ist die Qualität Ihrer kreativen Arbeit." Sie entscheide auch künftig über Erfolg oder Misserfolg, betont Wegener. "Genau deshalb baut Imagem weltweit die Aktivitäten der Creative Services im Bereich Synch aus und erhöht die Schlagzahl des A&RTeams durch mehr Songwritingcamps, stärkere kreative Kooperationen mit Subverlagen und Editionen sowie intensive Betreuung aller Exklusivautoren."

Die aktive und weltweite Auswertung der Rechte, verbunden mit persönlichem Engagement, stehe dabei im Mittelpunkt. Matthias Kind, Managing Director Kobalt Music Group Germany, meint im Hinblick auf Digitalerlöse, Synchauswertung und Dienstleistungsangebote: "Wir optimieren diese Felder laufend und erfahren stetiges Wachstum." Derweil sieht Markus Hedke, Executive Vice President Warner/Chappel Music Germany, im Vergleich dieser Angebote die größten Chancen im digitalen Geschäft: "Das gilt für Umsatzpotenziale und für eine angemessene Vergütung." Allerdings würden neue Nutzungsformen den physische Markt und reine Downloadangebote zurückdrängen." Wesentlich für die Beantwortung der Frage, ob diese Lücke geschlossen werden kann, bleibt es, sich intensiv für eine angemessene Vergütung der Urheber und Verlage einzusetzen."

Aber auch Synchauswertungen spielen für Warner/Chappell eine wesentliche Rolle: "Unser Ziel ist es, auch hier weiter Marktanteile zu gewinnen." Der Markt unterliege allerdings einem immer intensiveren Wettbewerb, "so dass zur Stärkung der Position Jahr für Jahr eine immer größere Anzahl einzelner Lizenzen abgeschlossen werden" müsse. "In den letzten Jahren ist uns das eindrucksvoll gelungen, da wir neben dem klassischen Synchgeschäft auch den Ausbau unserer Produktionsmusik stark vorangetrieben haben."

Das Geschäft wird immer kleinteiliger

"Digitalerlöse sind ohne Frage eines der größten Wachstumsfelder im heutigen Musikgeschäft", sagt auch Maik Pallasch, Managing Director GSA BMG. Das größte Potenzial liege im stetigen Wachstum der Nutzerzahlen von Streamingangeboten. "Gleichzeitig stellt sich aber die Frage, ob Autoren und Verleger gerecht an diesen Erlösen beteiligt werden und ob diese Einnahmen in Zukunft sinkende Erlöse aus physischen Verkäufen und Downloads kompensieren können." An diesem Punkt müsse sicherlich noch gearbeitet werden. "Auch das Synch- und Lizenzierungsgeschäft muss sich fortlaufend an die digitale Entwicklung anpassen." Schließlich werde das Geschäft immer kleinteiliger. Wem es gelinge, sich diesen Veränderungen anzupassen, der könne indes auch hier großes Potenzial ausschöpfen.