Anzeige

Events

BdV lehnt GEMA-Tariferhöhung ab

Bei ihrer jährlichen Hauptversammlung im Berliner Martitim proArte Hotel sprachen sich die Mitglieder des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft (BdV) gegen eine weitere Erhöhung der GEMA-Tarife aus.

14.11.2014 15:03 • von Dietmar Schwenger

Anzeige

Am 4. November traf sich der Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (BdV) zu seiner jährlichen Hauptversammlung im Berliner Martitim proArte Hotel. Im Anschluss an die Versammlung richtete der Verband ein öffentliches Branchenmeeting aus, bei dem die mehr als 160 Mitglieder und eingeladenen Gäste über aktuelle Themen und Entwicklungen der Live-Branche diskutierten.

Kernpunkt der Versammlung war die Erarbeitung einer Arbeits-Agenda für die Verbandsarbeit der kommenden Jahre. In einem zehn Punkte umfassenden Konzeptpapier wurden die Ziele, Aufgaben und Herausforderungen des Bundesverbands festgelegt.

"Die Schwerpunkte der Arbeit unseres Verbandes werden in den kommenden Jahren die internationale Netzwerkbildung, die Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung, die Professionalisierung des Berufsstands und das Verbands-Asset-Management sein", sagt BdV-Präsident Jens Michow.

Zum Asset-Management zählt er die weitere Entwicklung der verbandseigenen Verwertungsgesellschaft GWVR und der BdV-Ausgleichsvereinigung, die LEA-Verleihung sowie die weitere Intensivierung der Lobbyarbeit. Sehr intensiv setzten sich die Versammlungsteilnehmer auch mit der Frage auseinander, wie die zu erwartenden steigenden Verbandskosten künftig finanziert werden können.

Es wurde festgestellt, dass zwar das Leistungsprogramm des BdV in den vergangenen Jahren kontinuierlich erweitert worden sei, die Einnahmeentwicklung jedoch dahinter zurückgeblieben sei. Insbesondere mit Blick auf die anstehende Finanzierung einer Geschäftsstelle in Berlin will der Vorstand bis zur nächsten Versammlung ein Konzept für eine zeitgemäße Beitragsordnung entwickeln.

Ein weiterer Schwerpunkt der Versammlung bestand in der Diskussion des aktuellen Tariferhöhungsverlangens der GEMA. Nachdem der aktuelle Vertrag der beiden Veranstalterverbände mit der GEMA Ende 2014 ausläuft, will die Verwertungsgesellschaft den Tarif für Veranstaltungen mit bis zu 2000 Besuchern künftig jährlich sukzessiv von aktuell fünf Prozent bis 2019 auf 7,2 Prozent des Umsatzes - mithin um insgesamt über 40 Prozent - anheben.

Diesen Plan hatten die Verbandsvertreter als "unzumutbar und unangemessen" zurückgewiesen, weswegen die GEMA als Entgegenkommen für Veranstaltungen bis 400 Besucher bei einem Eintrittsgeld von maximal 30 Euro eine Erhöhung lediglich auf 6,5 Prozent anbot. Auch dieses Kompromissangebot betrachteten die Mitglieder des BdV als nicht hinnehmbar und votierten in Berlin einstimmig für eine gerichtliche Überprüfung dieser neuen Forderungen der GEMA.

Man würde nur dann nicht vor Gericht gehen, wenn die GEMA es bei der vor vier Jahren durchgesetzten Erhöhung beließe. Bleibt die GEMA bei ihren Plänen, sollen nicht nur die neuen Forderungen, sondern das gesamte aktuelle Tarifkonzept erneut auf den Prüfstand gestellt werden.

Auf großes Interesse der Teilnehmer und Gäste stieß auch der traditionelle Kongressteil der Versammlung. So präsentierte die GfK eine aktuelle Markstudie. Britta Lüerßen, Head of Research & Development des Bundesverbands Musikindustrie, berichtete über die unter anderem mit dem BdV in Auftrag gegebene, erste gesamtwirtschaftliche Studie zur Musikwirtschaft. Ziel der Studie sei es, erstmalig die gesamte Wertschöpfung durch Musik in Deutschland abzubilden und auf direkte und mittelbare Effekte aufmerksam zu machen.

Jürgen Mayer, Vorstand/CEO der plazz entertainment AG, referierte zudem über den Einsatz von App-Services bei Veranstaltungen und Corporate Events. "Aus meiner Sicht bieten Veranstaltungs-Apps vielseitiges Potential für Attraktivitätssteigerungen in den Bereichen Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Veranstaltungen", meint Michow. "Wir haben eine derartige App bereits bei der letzten LEA-Gala und nun auch bei der BdV-MV eingesetzt und damit allen Teilnehmern ein zur Vorbereitung von Meetings und Gesprächen äußerst nützliches Who is Who der Veranstaltungsteilnehmer geboten."

Mathias Giloth, Geschäftsführer GfK Entertainment, sprach in seinem Vortrag über Chancen und Nutzen der BdV-Initiative einer kontinuierlichen Veröffentlichung von Besucherzahlen von Veranstaltungen. Auf großes Interesse stieß auch der Vortrag von Karsten Elbrecht, Vice President Sales CTS Eventim. Er stellte ein Werkzeug vor, mit dem man die strukturelle Zusammensetzung von Ticket-Käufern und des Publikums von Veranstaltungen analysieren könne.

Wie bereits im letzten Jahr startete die BdV-Tagung bereits am Vortage mit einem "Social Day" für die Verbandsmitglieder. Der Verband hatte dieses Mal einen Besuch beim Deutschen Bundestag organisiert.

Abschließend ging es auch um künftige Aktionen. Auf dem Reeperbahn Festival 2015 feiert der BdV sein 30-jähriges Jubiläum. Und ab 2016 sollen die Verbandstagungen an den Termin der LEA-Gala in Frankfurt gekoppelt werden. "Für unsere Mitglieder ist es sehr ökonomisch, beide Veranstaltungen quasi auf einen Schlag wahrnehmen zu können. Das wird sowohl dem BdV als auch dem LEA zugute kommen und die Bedeutung beider Brachenereignisse noch weiter steigern", sagt Michow.