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c/o pop diskutierte über neue Produktionen

Beim "Quartett der Kritiker" standen auf der diesjährigen c/o pop aktuelle Platten der Gruppen Strom & Wasser, James und The Acid sowie von Morrissey auf dem Prüfstand. Vor gut 100 Zuhörern beteiligte sich auch der Singer/Songwriter Maxim an der Gesprächsrunde.

02.09.2014 09:08 • von Manfred Gillig
Vier Kritiker und ein Künstler (von links): Mike Kamp, Maxim, Manfred Gillig-Degrave, Sebastian Zabel, Daniel Koch (Bild: MusikWoche/Matthias Hornschuh)

Beim "Quartett der Kritiker" standen auf der diesjährigen c/o pop aktuelle Platten der Gruppen Strom & Wasser, James und The Acid sowie von Morrissey auf dem Prüfstand. Vor gut 100 Zuhörern beteiligte sich auch der Singer/Songwriter Maxim an der Gesprächsrunde.

Am 20. September wird der in Bad Siegburg bei Bonn geborene und in Köln lebende Maxim Richarz alias Maxim das Bundesland Nordrhein-Westfalen beim Bundesvision Song Contest vertreten. Zum Auftakt seiner bundesweiten Tournee, die noch bis zum 1. Dezember läuft, erschien am 22. August sein Album Staub Live".

Doch nicht um Werbung für den Longplayer zu machen, saß Maxim am Nachmittag desselben Tages bei der in Köln auf der Bühne: Er nahm vielmehr die Gelegenheit wahr, mit vier Musikkritikern über die Kriterien zu diskutieren, nach denen sie ihrer Arbeit nachgehen.

Dabei hielt Maxim mit Kritik an der Kritikerzunft nicht hinter den Berg: Er habe alles gelesen, was man über sein Album Staub" geschrieben habe, sagte er, denn aus fundierter Kritik könne man nur lernen. Doch viel zu oft machten es sich die Kritiker zu leicht: In vielen Rezensionen würden einfach Passagen aus den Presseinformationen der Plattenfirma oder von anderen Autoren übernommen. Er arbeite oft tagelang an einem Songtext, und daher erwarte er zumindest, dass sich ein Kritiker darum bemüht, genau hinzuhören und das, was er hört, mit eigenen Worten so präzise wie möglich zu beschreiben. Doch das geschehe leider nur selten. "Es ist anscheinend einfacher, einen Künstler mit einem anderen Künstler zu vergleichen." Das führe dann zum absurden Ergebnis, dass jeder Kritiker eine andere Referenz nenne und Maxim angeblich mal an diesen, mal an jenen anderen Kollegen erinnere - und dass er damit unterm Strich angeblich ein dermaßen breites Spektrum abdecke, dass sein eigenes Profil als Künstler gar nicht mehr erkennbar sei.

Dieser Einschätzung mochten die vier Kritiker, die mit Maxim auf dem Podium saßen, nicht grundsätzlich widersprechen, auch wenn sie betonten, dass sie sich bei ihrer Arbeit nicht allein auf Vergleiche verlassen. Es liege indes auch in der Natur der Sache, dass man dem Leser durch Vergleiche Brücken baut. Denn gerade im Internet habe sich das Empfehlungsunwesen etabliert: Spotify findet mittels Datenanalyse den perfekten Song für jeden Moment; die Timelines auf Facebook, Twitter & Co. füttern den musikinteressierten Nutzer mit ständig neuen Empfehlungen seiner "Freunde"; in Print- und Onlinemagazinen finden sich fast nur noch von PR-Arbeit getriebene Porträts.

Gerade deshalb aber brauche man professionelle Kritiker mehr als jemals zuvor, betonte zum Beispiel Sebastian Zabel, Chefredakteur des "Rolling Stone", und Daniel Koch, Chefredakteur von "Intro", stimmte zu. Mike Kamp, Herausgeber des Magazins "Folker" für Folk, Lied und Weltmusik sowie Vorstandsmitglied des Vereins Preis der Schallplattenkritik e.V. (PdSK) und Manfred Gillig-Degrave, PdSK-Juror und MusikWoche-Chefredakteur, hoben hervor, dass PdSK-Mitglieder die Neuerscheinungen auf dem Musikmarkt vollkommen unabhängig von etwaigen Vorgaben und Wünschen der Industrie sondieren und bewerten. Echte Kompetenz sei wichtiger denn je, arüber könnten auch die ausgefeiltesten "Recommendation Engines" und Empfehlungstexte im Internet nicht hinwegtäuschen. Daher komme es umso mehr auf eine kritische, unabhängige Instanz an. Die Kompetenz des PdSK, der das "Quartett der Popkritiker" in Köln zusammen mit MusikWoche präsentierte, zeige sich in den Jahrespreisen, die der Kritikerverbund verleiht, ebenso wie in den vierteljährlichen Bestenlisten, die er seit nunmehr über 30 Jahren veröffentlicht.

Mit der Diskussion solcher grundsätzlichen Fragen vergingen zwei Stunden wie im Flug. Da blieb im gut besetzten Riphahn-Saal des Kölnischen Kunstvereins nicht viel Zeit für den Diskurs über die vier vorgestellten Produktionen. Und dabei war man sich durchaus nicht einig: Während Mike Kamp und Manfred Gillig das Album Anticool" von Strom & Wasser lobten, fand Maxim zwar die Texte sehr gut, die musikalische Umsetzung jedoch inakzeptabel. World Peace Is None Of Your Business" von Morrissey, das Sebastian Zabel vorstellte, fand hingegen auch Maxims Beifall, während der Profi zwar die Produktion des Albums La Petite Mort" von James, das Gillig mitgebrachte hatte, lobte, aber ein schlüssiges Konzept vermisste. Daniel Koch präsentierte das Album Liminal" von The Acid, und da herrschte immerhin Konsens, dass es sehr interessant und von Könnern ihres Fachs produziert sei.