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Die Branche verabschiedet die 105-Gründer: "Ihr wart immer für uns eine Bastion, der Fels in der Brandung"

01.01.1970 01:00 • von Norbert Obkircher

Dr, Kiso Siefert Dropmann Rechtsanwälte: Lieber Heinz, lieber Roman, Ihr wart mit Eurem Label nicht nur Geburtshelfer für viele große Künstlerkarrieren, sondern habt ein ganzes Musikgenre dominiert. Ich erinnere mich noch genau an den magischen Moment, als Ihr mir "Das Spiel" von Annett Louisan vorgespielt habt. Ihr habt Trends gesetzt, anstatt ihnen nachzulaufen. Und gemäß Eurem Motto "Hier kocht der Chef selbst" fühlten sich Eure Künstler immer wunderbar betreut. Es hat Riesenspaß gemacht, Euch die letzten Jahre zu begleiten.

Dieter Daum und Chris Reiser (Sony DADC): Eure Begeisterung für deutschsprachige handgemachte Musik für Erwachsene, die selbst gefällt, das spürt und hört man. Richtige Entscheidungen und das Bestreben, ein ganzheitliches Bild eines Künstlers am Markt zu etablieren, haben Euer Erfolgsrezept von 105 Music ausgemacht. Danke, dass Ihr Künstlerinnen und Künstler wie Annett Louisan, Ina Müller, Anna Depenbusch, Stefan Gwildis, Konrad Wissmann und Jon Flemming Olsen für uns entdeckt habt. Die Musik, die Ihr gut fandet, hat vielfach Goldstatus erreicht, und sie hat, um mit Euren Worten zu sprechen, bei vielen Musikliebhabern "im Rückgrat gekitzelt". Wir wünschen Euch weiterhin eine gute Zeit und nur das Beste für die Zukunft.

Karin Heinrich und Freddie de Wall, Heinrich & De Wall Artist & Music Management: "Eins, zwei, drei im Sauseschritt läuft die Zeit - wir laufen mit!" Dieses Zitat von Wilhelm Busch trifft auf die Situation zu. Es kann doch nicht sein, dass Heinz und Roman in Kürze nicht mehr im Hopfensack anzutreffen sind. Wir möchten nicht, dass Ihr die Branche verlasst. Ihr wart immer für uns eine Bastion, der Fels in der Brandung, was die Art der Künstlerarbeit anbelangt. Bei 105 stand immer der Mensch im Vordergrund, und natürlich die Musik. Ihr habt es verstanden, sehr genau hinzuschauen und einfach das Allerbeste aus euren Künstlern herauszuzaubern. Dafür haben wir Euch immer bewundert. Wir werden Euch und natürlich auch Heinz' Witze sehr vermissen. Das muss reichen, denn Ihr seid ja keine Freunde von zu viel Information - im eigentlichen Sinne. Dass Annett mit ihrem neuen Album Eure gemeinsame Zeit krönt, ist ein herrlicher Schlusspunkt. Ihr wart ja schon immer die Meister des strategischen Timings. Alles Liebe Euch beiden!

Gerd Gebhardt, Echo-Producer: Liebe 105er, lieber Heinz, lieber Roman, Euch war vergönnt, was nur selten im Leben eines Musikmenschen passiert: Ihr durftet noch mal im "hohen Alter" ran und zeigen, wie man es macht: Ein eigenes Label gründen, führen und erfolgreich aufbauen; tolle Künstler finden und zusammen mit ihnen Gold- und Platinerfolge feiern. Passion trieb Euch, und das sehr erfolgreich. Musik war immer die Triebfeder, nicht schnöder, kurzfristiger Umsatz. Ihr habt alles RICHTIG gemacht. Was auch immer jetzt auf Eurem Schedule steht: Genießt das Leben und bleibt gesund. Gratulation!

Jürgen Hohmann, Maxi Media: Wie die Zeit vergeht. Wir drei kennen uns schon sehr lange. Heinz kenne ich aus alten CBS-Zeiten und Roman aus der gemeinsamen Zeit bei der EMI. Es war mir immer eine große Freude, mit Euch zu arbeiten und zu feiern. Wir werden Euch sehr vermissen.

Patrick Strauch, Sony ATV: Man sagt ja, man solle gehen, wenn es am schönsten ist. Das ist natürlich Unsinn. Wenn es am schönsten ist, bleibt man gefälligst. Aber kurz danach kann man dann durchaus gehen. Roman und Heinz machen uns das perfekt vor. Ich wünsche Heinz und Roman viel Spaß und Ruhe auf ihrer nächsten und wohl finalen Sprosse der Karriereleiter. Höher geht's nicht. Wenn der "Sky" das "Limit" ist, dann haben die beiden jetzt das Nirwana erreicht.

Annett Louisan: 105 Music ist ein ganz besonderes Plattenlabel. Kunst und Musik in Einklang zu bringen, ist kein leichtes Unterfangen. Roman Rybnikar und Heinz Canibol haben es mit viel Menschlichkeit, Herz und Erfahrung geschafft, diesen schmalen Grat zu gehen und Künstlern ein echtes Zuhause zu bieten, was sehr wichtig ist. Ich habe beiden sehr viel zu verdanken und bin stolz, Teil der 105-Familie gewesen zu sein

Walter Holzbaur, Wintrup Musikverlag: Lieber Heinz, lieber Roman, Respekt vor der 105-Arbeit! Leider lichten sich die Reihen in unserer Altersklasse, ich werde die informativen Gespräche vermissen. Freuen wird sich eine Gemeinde in Schleswig- Holstein, hat sie jetzt doch einen Gemeinderat Heinz mit etwas mehr (Frei-)Zeit, und sie haben Dich auch schon auf der Eröffnungsseite ihrer Website ins Bild gesetzt. Alles Gute!

Dr, Universal Music: Lieber Heinz, jetzt wird's brandgefährlich. Keiner kann die schwerwiegenden Folgen für die Musikbranche abschätzen, wenn Du (angeblich) in Ruhestand gehst. Seit 37 Jahren bist Du mit Erfolg und Leidenschaft dabei. Und jetzt das. Wir hätten doch über alles reden können. Aber wenn nicht Du, wer sonst hat es sich so verdient, nun aus dem Tagesgeschäft auszusteigen. Auf Deine klugen Kommentare, Witze, Ratschläge und Anekdoten werden wir weiterhin nicht verzichten können.

Björn Mathes und Frank Otto, ferryhouse productions: Lieber Heinz, genau wie vielen anderen ist uns der letzte Abschied auf der Bühne der Großen Freiheit 36 in Hamburg noch in bewegter Erinnerung. Mit der Gründung von 105 Music warst Du gemeinsam mit Roman vielen einen Gedanken voraus, und der Erfolg hat Euch recht gegeben. Mit dem richtigen Gespür, mit Leidenschaft, Durchhaltevermögen und einer angenehm unaufgeregten Unbeirrbarkeit habt Ihr Künstler entdeckt, nachhaltig aufgebaut und das Besondere in ihrem Talent bewahrt. Alles Gute Euch beiden! Frank Ramond: Lieber Heinz, lieber Roman, ich weiß nicht was, aus mir geworden wäre, wenn ich Euch Silberrücken nicht getroffen hätte. Danke für zehn Jahre Gespür, Vertrauen, Spaß, Erfolg und Freundschaft. Was für eine geile Zeit! Alles Gute für das, was kommt! Euer Frank

Helmut Fest, Festplatte: Heinz und Roman - two great guys! Alles Gute! Helmut

Markus Hedke-Wontka, Warner Chappell: Lieber Heinz, lieber Roman, vielen Dank für Eure Musik und für Euer Label 105 Music. Ihr habt bewiesen, dass man mit dem richtigen Riecher und ehrlicher harter Arbeit auch in der heutigen Zeit noch ein neues Label erfolgreich aufbauen und entwickeln kann. Euer Augenmerk lag dabei nicht nur auf der Entwicklung großartiger neuer Künstler und Werke, sondern Ihr habt Euch auch "liebevoll" um Coverversionen bestehender Werke gekümmert. Gerne erinnere ich mich hier an diverse Diskussionen und gemeinsame Essen zu diesem Thema. Die Musik und die Künstler stehen bei Euch immer an der Nummer eins, und daran sollte sich jeder in unserem Business ein Beispiel nehmen. Auf diesem Wege wünsche ich Euch alles Gute für Euren nun bevorstehenden Ruhestand - und lasst es Euch gutgehen!

Karsten Jahnke: Lieber Heinz, lieber Roman,es ist außerordentlich schade, dass zwei so erfahrene Fachleute wie Ihr aufhören wollt. Mit Dir, Heinz, verbindet mich eine langjährige Freundschaft. Nachdem Du im nationalen und internationalen Geschäft alles erreicht hast, was man erreichen kann, gründetest Du mit Roman das Label 105. Ihr wolltet "Musik für Erwachsene" machen und Musik, die Ihr gut findet. Das ist Euch phantastisch gelungen. Unter Eurem Motto "Weniger ist mehr" habt Ihr in wenigen Jahren Stefan Gwildis, Annett Louisan und Ina Müller entdeckt, aufgebaut und groß gemacht. Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft noch im Funkeck über "Erwachsenenmusik" schnacken können.

Uriz von Oertzen, hi-life: Es war das Jahr 1991, als mir der vor kurzem verstorbene Eckart Gundel den gerade frisch in Hamburg eingetroffenen Heinz Canibol vorstellte. Heinz war gerade dabei, das Label MCA in Hamburg auf die Beine zu stellen. Und ich durfte ihm die Einweihungsparty für das Label im Januar 1992 in der Großen Freiheit organisieren. Der Holzfußboden des Clubs brach ein, als wir die Steinway-Flügel für Don und Dave Grusin auf die Bühne heben wollten, aber seitdem verbindet mich mit Heinz eine wundervolle freundschaftliche und geschäftliche Beziehung. Viele Künstler durfte ich für Heinz und später dann auch für 105 Music mit seinem Partner Roman betreuen. Bei Heinz gilt das gesprochene Wort. Ohne Wenn und Aber. Zuverlässig und immer mit einem guten Witz dabei. Besonders er ist einer der Charaktere gewesen, die mir den Einstieg in diese Branche damals leicht gemacht haben. Ich bedanke mich herzlich für die jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit und wünsche beiden für ihre Zukunft viel Freude und vor allem Gesundheit.

Jon Flemming Olsen: Mit Heinz Canibol und Roman Rybnikar verlassen zwei der letzten Silberrücken die Lichtung. Der Rest der Waldbewohner verneigt sich. In Freundschaft, Dankbarkeit und Respekt.

Lars Ingwersen und das gesamte Peer-Music-Team: Wir sagen danke für eine wunderbare Zusammenarbeit mit dem Team von 105. Wir hatten das große Vergnügen und Privileg, gemeinsam für Künstler wie Annett Louisan, Ina Müller, Frank Ramond, Anna Depenbusch, Felix Meyer, Ulita Knaus zu arbeiten. Wir können stolz auf die gemeinsamen Erfolge sein. Es passte einfach, menschlich wie inhaltlich. Und diese besondere Konstellation hat in den vergangenen Jahren auch maßgeblich unser Haus geprägt. Wir wünschen Heinz ein wunderbares Landleben, Roman Zeit, die Welt zu sehen, Maike und Ariana geile Jobs, in denen Ihr ähnlich glücklich seid und aufgeht. Und natürlich allen 105-Künstlern eine tolle neue Heimat in München bei Sony Music/Ariola. Ihr wart ein Superteam. Danke!

Anna Depenbusch: Danke Heinz, danke Roman für all Euren Support. Für Eure Leidenschaft und Erfahrung. Für die Freiheiten und den Raum, den Ihr mir gegeben habt. Für all die Kraft, wenn es mühsam wurde, und die Euphorie, wenn wir gemeinsam etwas erreicht haben. Es ist eine große Bereicherung, Euch beide kennengelernt zu haben. Ich bin enorm stolz und dankbar, eine 105-Künstlerin zu sein. Von Herzen alles Gute!

Ina Müller: Wann gehen Plattenchefs schon mal in Rente? Eigentlich werden sie doch gefeuert, melden Insolvenz an oder machen eine Currywurstbude auf. Meine Jungs haben es geschafft! Hut ab! Jetzt reite ich ohne sie weiter und suche mir was Jüngeres. Wie heißt es so schön: Andere Mütter haben auch schöne Plattenchefs.

Stefan Gwildis: In der Branche gibt es einen ganzen Haufen Flitzpiepen, Flachpfeifen und ähnlich talentierte Raketenforscher. Zum Glück gibt es aber auch Menschen wie Heinz Canibol und Roman Rybnikar. Vielen, vielen Dank für eine herzliche Dekade bester Zusammenarbeit. Dabei zu sein, war für mich eine große Ehre und ein großes Vergnügen! Euer Stefan G.

Alexander Elbertzhagen, Kick-Media AG Lieber Heinz, lieber Roman, eins ist sicher: Ihr werdet uns im deutschen Musikbusiness fehlen. Also verratet uns doch bitte, was Ihr anschließend machen wollt. Ihr habt euch in hervorragender Weise für deutschsprachige Produkte eingesetzt und viele Künstler zu großen Stars gemacht - sei es bei EMI, Universal, Sony oder wie zuletzt bei 105 Music. Damit habt Ihr die Szene ausgesprochen stark geprägt. Und das Besondere dabei ist: Ihr wart immer äußerst angenehme Geschäftspartner und seid wirklich tolle Menschen. Eure Begeisterung für die Musik hat einfach jeden fasziniert. Wenn man so einen langen gemeinsamen Weg hinter sich hat, ist es schwer zu begreifen, dass dieser Weg nun zu Ende geht und eine andere Richtung einschlägt. Denn Ihr steckt ja immer noch mitten in einer beeindruckenden Karriere. Ich hoffe bloß, dass Ihr Euch das Ganze gut überlegt habt. Die gute Musik, die Ihr uns gegeben habt, die schönen mit Euch verbundenen Momente und Anekdoten sind unvergesslich. Dass Ihr im Laufe Eurer Karriere auch den gesamten deutschsprachigen Raum kennengelernt habt, war wahrscheinlich ein schöner Nebeneffekt. Teilweise durften wir Euch folgen und Euch in Städten wie Wien, München, Berlin, Köln oder Hamburg treffen. Eins kann ich Euch sagen: Wir von Pool Position und Position und ich selbst als Vorstand der Kick- Media AG, wir alle werden Euch, Eure Ratschläge und die stets inspirierenden Gespräche mit Euch sehr vermissen. Aber Entwarnung: Ich werde trotzdem weiter um Termine bitten und weiterhin tolle Momente mit Euch genießen. Also, auf geht's! Packen wir's gemeinsam an!