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Sony Music nimmt Jean Michel Jarre unter Vertrag

Bei Laut in München war er einer der Stargäste. Zwar trat Jean Michel Jarre nicht mit Musik auf, aber im Gespräch mit Willy Ehmann und Ralf Schalck gab er bereitwillig Auskunft über sich und seine Pläne.

18.10.2013 15:24 • von Manfred Gillig
Neue Partner (von links): Patrick von Strenge, Philip Ginthör, Jean Michel Jarre, Willy Ehmann, Ralf Schalck, Carl Taylor und Andreas Keul (Bild: MusikWoche)

Bei Laut in München war er einer der Stargäste. Zwar trat Jean Michel Jarre nicht mit Musik auf, aber im Gespräch mit Willy Ehmann und Ralf Schalck gab er bereitwillig Auskunft über sich und seine Pläne.

Er stand schon von 1996 bis 2001 beim Sony-Music-Label Epic unter Vertrag; nach dem gefloppten Album "Métamorphoses" (2000) trennten sich die Wege des französischen Pioniers der elektronischen Musik und der Plattenfirma. Doch mehr als zehn Jahre später will man es noch einmal miteinander versuchen. Das gaben Willy Ehmann und Ralf Schalck bei Laut in München bekannt, die sich auf der Bühne mit dem Künstler unterhielten. Sony Music Deutschland hat Jarre unter Vertrag genommen und will in den kommenden Jahren seinen gesamten Katalog seit dem Multimillionenseller Oxygène (1976) wieder veröffentlichen; ein neues Album ist für 2014 geplant.

"Ich fange noch einmal ganz von vorne an", sagte Jarre, "mit einem neuen Team und neuen Ideen." Und er betonte, er sei stolz, dass er jetzt den Vertrag mit Sony Music Entertainment Germany unterschrieben habe. Das geplante neue Album bedeute für ihn "eine Art Renaissance, eine Wiedergeburt als Künstler". Es werde "40 Jahre elektronischer Musik umfassen und rekapitulieren". Von seinen Gesprächspartnern quasi als Ikone des Genres vorgestellt, verwies der Sohn des französischen Filmmusikkomponisten Maurice Jarre bescheiden auf die deutsch-französische Elektroniktradition mit Karlheinz Stockhausen auf der einen und Pierre Schaeffer von der Pariser Groupe de Recherches Musicales auf der anderen Elternseite. "Die elektronische Musik kommt aus Frankreich und Deutschland", betonte er, und deshalb sei er froh, dass er jetzt in Deutschland bei Sony Music gelandet sei.

Bei dieser Gelegenheit brach er eine Lanze für die Majors. "Mit dem Aufkommen des Internets haben wir Künstler lange gedacht, wir brauchen keine Majors mehr", sagte er. Dem sei aber nicht so; man könne froh sein, wenn man einen Major mit all seinen Stärken an seiner Seite wisse. Deshalb hoffe er auch, dass er demnächst auch in Deutschland ein Live-Großereignis wie einst in China oder bei den Pyramiden von Gizeh auf die Beine werde stellen können. "Ich würde das gern im Ruhrgebiet machen. Denn mir kommt es dabei auf eine Verbindung zum Ort und zu den architektonischen Besonderheiten an."

Beim World Creators Summit vom bis 4. und 5. Juni 2013 wählte die CISAC-Vollversammlung Jean Michel Jarre zu ihrem neuen Präsidenten und damit sozusagen zum Cheflobbyisten der Urheber weltweit. Im Interview mit MusikWoche meinte Jarre danach, er sei "überhaupt nicht pessimistisch", was die Zukunft betreffe. "Grenzen waren für Künstler schon immer von ganz besonderem Interesse, sie haben sich daran gerieben und die gesellschaftlichen Entwicklungen reflektiert. Deshalb glaube ich fest daran, dass sich auch in der Musikwirtschaft viele Dinge ändern werden."

Anstatt zu klagen, solle sich die gesamte Musikindustrie darauf konzentrieren, neue Gegebenheiten zu erkennen und zu nutzen. "Das Internet bietet schließlich fantastische Möglichkeiten, Musik zu kreieren, bekannt zu machen und zu vermarkten. Hier sehe ich die Aufgaben der neuen Musikwirtschaft. Die Künstler aber müssen ebenfalls aufstehen und wie schon in den vergangenen Jahrhunderten ihre Position als Bindeglied zwischen der Öffentlichkeit und der Wirtschaft behaupten."

Ob er sich an ein Highlight aus seiner jahrzehntelangen Karriere erinnern könne, wurde Jean Michel Jarre bei Laut in München gefragt. Nicht wirklich, antwortete er. Denn im Leben eines Künstlers gehe es immer wieder darum, sich kreativ zu verwirklichen, und dazu müsse er stets nach vorn schauen. "Das wirkliche Highlight ist für mich die Zukunft."