Unternehmen

Kids Music braucht Qualität und Authentizität

01.01.1970 01:00 • von Norbert Obkircher

Nach einer Keynote der international erfolgreichen Kinderbuchautorin Cornelia Funke diskutierte ein Panel unter dem Titel "Neues Genre, neue Chancen" über Kids Musik.

Nun ist dieses Genre zwar nicht wirklich neu, aber über neue Chancen freut sich natürlich jeder, und so förderte die Diskussionsrunde mit der Journalistin Sarah Pust als Moderatorin durchaus einige interessante Aspekte zutage.

So standen zum Beispiel die Giraffenaffen" im Fokus, eine der erfolgreichsten Neuschöpfungen des Genres. Im vergangenen Jahr ging die erste Folge bei Starwatch an den Start, und sie hat sich längst zum Edelmetallthema entwickelt.

Henrik Gümoes, bei Starwatch für die "Giraffenaffen" zuständig, erzählte, wie er als frischgebackener Vater erstmals in die Verlegenheit kam, sich nach guter Kindermusik umzuschauen. "Viele der im Handel erhältlichen Kinder-CDs waren nicht auszuhalten und fingen schnell an, mich zu nerven. Bei,Giraffenaffen' nehmen die Künstler die Sache ernst, und das können sich auch die Eltern gut anhören."

Gümoes, selbst Däne, kannte die dänische Version, die Vorbild für sein Konzept war. Er sagt: "Dass die,Giraffenaffen' ein solcher Erfolg werden würden, hatten wir nicht erwartet. Wir haben da offensichtlich sehr schnell einen Nerv getroffen." Und woran könnte das liegen?

Gümoes findet es wichtig, dass die sogenannte Kids Music genauso professionell und ernsthaft gemacht wird wie alle anderen Genres auch. Bei den "Giraffenaffen" wirken dementsprechend bekannte Künstler wie Thomas D, Ulla Meinecke, Glasperlenspiel, Culcha Candela oder The Boss-Hoss mit.

"Man sollte die Kinder nicht unterschätzen und generell tiefgründigere Lieder machen", sagt Gümoes. Und man sollte solche Themen nicht unter Wert verkaufen; die "Giraffenaffen" sollen "im Hochpreissektor bleiben".

In die gleiche Kerbe schlug Eduardo Garcia, Managing Director Chemusic: "Für mich als Produzent ist es am wichtigsten, Musik zu produzieren, die nicht bewusst naiv gemacht ist, sondern einen normalen Pop- oder Rocksound hat. Aber die Texte müssen die Kinder ansprechen. Und die Kinder erkennen sehr gut, ob ein Künstler auf der Bühne wirklich performt, oder ob er nur eine Show abzieht. Sie merken es, wenn einer nur Geld machen will."

Es geht also vor allem auch um Authentizität. Garcia beklagte, dass es keine Formate für Kindermusik in den deutschen Medien gibt - mit Ausnahme des Webradios KiRaKa (Kinderradiokanal) beim WDR. Vom Musikteam des KiRaKa saß Thomas Hartmann auf dem Podium.

Er wies darauf hin, dass KiRaKa seit 2012 als "Hörprogramm für Kinder" eine feste - werbefreie - Einrichtung des WDR sei. "Auch Eltern hören das gerne." Man könne aber nicht alles in einem solchen Kinderprogramm spielen, meinte er. Ein Hit wie "Blurred Lines" von Robin Thicke gehe einfach nicht.

Was geht überhaupt? Wie erreichen die Macher und Produzenten von Kindermusik ihre Zielgruppe? Bent Schönemann, Head of Music & New Business Sony Music/Europa, stellte fest: "Der Begriff Kindermusik ist negativ konnotiert." Was die Vermarktung von Kindermusik betrifft, stoße man daher schnell an die Grenzen; mit "normalen Marketingmaßnahmen" komme man nicht weit.

Man müsse möglichst "jeder Mutter die Hand schütteln", meinte Schönemann. "Der Markt der Kindermusik ist lokal geprägt, daher gibt es viele Indies und Kleinverlage." Man müsse aber irgendwie wahrgenommen werden, sagte Eduardo Garcia. Und so bleibe halt nur, dass man viel unterwegs ist und notfalls auch jeder Mutter die Hand schüttelt.

Bringen Internet, Social Media und digitale Angebote neue Möglichkeiten mit sich? Bent Schönemann blieb vorsichtig: "Im Streaming entwickelt sich zwar ein ganz neuer Markt, aber Downloads sind im Kindermusiksegment noch nicht so wichtig wie anderswo." Schließlich repräsentiere er mit Europa ein Label, das sogar noch MusiCassetten verkauft. "Kindermusik ist ein Medium, das Kinder selbst bedienen sollen, es muss daher etwas Haptisches haben."

Aber man müsse sich neue Zielgruppen erschließen, und deshalb bestätigte er auf Nachfrage, dass es in der Branche auch Ideen gibt, einen eigenen Kinderkanal aufzubauen oder zumindest eigene Programme zu produzieren. Und er wies auf den Stellenwert von Brand Partnerships hin, wie es zum Beispiel eine mit Rewe gibt.

Thomas Hartmann stellte schließlich eine berechtigte Frage: "Warum gibt es bei einem ganz normalen Festival nicht auch mal eine Kinderbühne?" Henrik Gümoes griff dies auf: In Dänemark gebe es überall solche Kinderbühnen, zum Beispiel auch in Roskilde. "Natürlich denken wir auch darüber nach, wie wir,Giraffenaffen' live umsetzen. Dabei stößt man allerdings an Grenzen, denn es darf nicht zu teuer sein." Einig waren sich alle, dass Kinderbühnen bei den vielen Festivals in Deutschland eine sinnvolle Einrichtung sein könnten.

Zum Schluss fragte Moderatorin Sarah Pust: "Was machen wir, um das Image zu verbessern?" Für Bent Schönemann war die Antwort klar: "Wir machen genauso weiter, wie wir es bisher schon gemacht haben. Wir sind auf dem richtigen Weg. Aber wir brauchen Partner, auch in den Medien."

Thomas Hartmann pflichtete ihm bei: "Erst mal machen wir so weiter. Und wir brauchen Feinjustierung. Außerdem sollte es mehr Panels wie dieses hier geben." Henrik Gümoes fand: "Wir müssen mehr hochwertiges Produkt anbieten. Und wir sollten die Produktwelt wachsen lassen, zum Beispiel mit Büchern." Auch für Eduardo Garcia gilt: "Weitermachen ist die Devise. Und man muss gute Musik schreiben. Dann geht's."