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Dossier: Ein Leuchtturm für Hamburg

19.09.2013 15:05 • von Norbert Obkircher

Es dürfte voll werden auf der Reeperbahn, wenn vom 25. bis zum 28. September das achte Reeperbahn Festival steigt. Bei Redaktionsschluss melden die Veranstalter bereits rund 2000 registrierte Fachbesucher - das sind deutlich mehr als zum selben Zeitpunkt im Vorjahr. Besonders freuen sich die Festivalmacher darüber, dass gut 35 Prozent der Delegierten aus dem Ausland kommen. "Damit ist das Reeperbahn Festival auch 2013 wieder die Branchenveranstaltung in Deutschland mit internationalem Format schlechthin", sagt Detlef Schwarte, Geschäftsführer Inferno Events, im Gespräch mit MusikWoche. Ein Großteil des öffentlichen Programms "Music und Arts" wird von der Reeperbahn Festival GbR veranstaltet, einem Joint Venture von Inferno Events und der Karsten Jahnke Konzertdirektion. Für das Konfe - renz programm zeichnet Inferno Events von jeher allein verantwortlich. Zum Ziel gesetzt haben sich Schwarte und Co-Geschäftsführer Alexander Schulz eine Steigerung auf 2800 Gäste. "Wir sind guter Dinge, dass wir diese Zahl auch erreichen." Auch die Anzahl der angedockten Events hat zugenommen - im Programme finden sich diesmal Veranstaltungen für Verleger und Digitalexperten, für Games, Mobile Klassik, für Kinder und Heavy Metal. Eine Gefahr, sich bei diesem umfangreichen Angebot zu verzetteln, sieht Schulz jedoch nicht. "Richtig ist, dass wir, wenn man die Veranstaltungen für Fachbesucher und öffent liche Events zusammenzählt, mittlerweile rund 600 Programmpunkte anbieten. Die neuen zusätzlichen Veranstaltungen aus den benannten Genres sind zwar, wie wir finden, bemerkenswerte Gehversuche, darüber verlieren wir jedoch nicht die grundsätzliche Linie für das Reeperbahn Festival aus den Augen." Als Beispiel führt Schulz an, dass acht oder neun Klassik veranstaltungen in der Außenwahrnehmung zwar als umfangreich gesehen würden - "bezogen auf die Gesamtmenge der Programmpunkte ist das aber ein verschwindend geringer Wert, der die programmatische Gesamtausrichtung nicht wesentlich verändert". Neumann eröffnet erneut das Festival Und in der Tat gibt es auf der Reeperbahn auch verlässliche Größen. So läutet am Reeperbahn-Mittwoch, der mittlerweile zum vollwertigen Festivaltag aufgestiegen ist, der von MusikWoche präsentierte IMUC-Empfang die Reeperbahn-Feierlichkeiten ein, noch bevor am Abend erstmals im Mojo Club Bernd Neumann offiziell das Reeperbahn Festival eröffnet. Gemeinsam mit dem Kulturstaatsminister zeichnen der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Olaf Scholz, und der ARD-Vorsitzende sowie NDR-Intendant, Lutz Marmor, für die Eröffnungszeremonie verantwortlich. Neumann hat bereits 2010 das Festival eröffnet. Seither förderte sein Haus in Kooperation mit dem Land Hamburg das Reeperbahn Festival jährlich. Ab 2014 erhält das Reeperbahn Festival zudem auf Betreiben Neumanns hin einen insti - tutionellen Fördertitel im Bundeshaushalt. "Wir haben vor, die Unterstützung des Reeperbahn Festivals auf Dauer fortzusetzen, denn es ist ein Leuchtturm, der der Musikbranche den Weg weist. Es ist imponierend zu sehen, wie an der Elbe alle an einem Strang ziehen, um das Festival erfolgreich zu machen", sagte Neumann im Vorfeld der Veranstaltung. Ein weiterer Fixpunkt beim Reeperbahn Festival ist die Warner Music Night am Freitagabend in der Großen Freiheit. Gebucht hierfür hat das Team um Warner-Chef Bernd Dopp MiMi & The Mad Noise Factory, NoNoNo, Rakede und Left Boy. Zudem steht die Warner Music Night dafür, dass es beim Reeperbahn Festival letztlich um Musik geht - und zwar um Livemusik. Insgesamt 25.000 Konzertbesucher erwarten die Veranstalter, die sich auf rund 260 Bands in 70 Spielstätten freuen können. Die Fachbesucher haben zudem die Wahl zwischen rund 100 weiteren Bands, die bei Showcase-Events von internationalen Partnern auftreten. Kritik an zu vielen vergebenen Bands Die Kritik, die Vertreter der Berlin Music Week jüngst in MusikWoche geäußert hatten, dass beim Reeperbahn Festival zu viele bereits vergebene Bands auf treten, wehrt Schulz ab. "Wir sind uns unserer Verantwortung als wichtige Kommunikations- und Handelsplattform für die Musikwirtschaft in Deutschland bewusst und nehmen die Kritik unserer nationalen und internationalen Besucher sehr ernst - egal, ob Sie aus dem Land Berlin stammen oder aus einem anderen Ort auf dieser Welt." Schulz erklärt, dass das Reeperbahn Festival zwei Säulen im Musikangebot kennt - die durch die eigene Programmabteilung kuratierten Konzerte und die Showcases der internationalen Partner. "Bei letztgenannten kann ich nicht erkennen, dass die Bands für relevante Teilmärkte in Europa oder zumindest für Deutschland schon gesignt sind. Sonst würden ja auch die vielen Exportbüros ihre Künstler gar nicht mehr beim Reeperbahn Festival aufführen müssen." Wie viele der 260 Acts aus dem kuratierten Programm jedoch tatsächlich schon vertraglich für alle Teilmärkte - Publishing, Recorded und Live-Entertainment - gebunden sind, könne er nicht sagen. "Aber auch wir beobachten die Tendenz, die beim Eurosonic Noorderslag um sich greift, dass Promoter Künstler in einem sehr frühen Stadium signen - manchmal bereits, wenn diese Acts meiner Ansicht nach noch gar nicht marktfähig sind."Deshalb müsse man sich die Frage stellen, ob man "wirklich auch Künstler zeigen will, deren Qualität nicht vorzeigefähig ist". Besonders am Herzen liegt den Festivalveranstaltern ein neues Projekt mit ausschließlich deutschen Acts: das Programm "Wunderkinder -German Music Talent". "Wir haben das Konzept aus Überzeugung erarbeitet", sagt Alexander Schulz und verrät, dass bei solchen Projekten, für die man Unterstützung bei der Initiative Musik beantragt, ein 60:40-Split greife. "Das heißt, für 60 Prozent der Finanzierung von,Wunderkinder' kommen wir selbst auf, weil wir an das Programm glauben. Wir hoffen, dass wir mit,Wunderkinder' eine umgekehrte Mechanik etablieren können - dass also die Einkäufer zu uns kommen und nicht umgekehrt die Acts ins Land der Einkäufer reisen, was immer recht aufwändig ist." Förderung für deutsche "Wunderkinder" Für die "Wunderkinder"-Riege hatten sich 80 hochkarätige Talentsucher mit Referenzen über ihre Arbeit mit Künstlern aus Deutschland beworben. 50 von ihnen hat das Festival ausgewählt, die sich nun die "Wunderkinder"-Shows konzentriert anhören sollen. Die Einkäufer erhalten bereits am Nachmittag des 25. September von Moderator Steve Blame eine einführende Präsentation über den deutschen Musikmarkt und die Bedürfnisse der Künstler aus Deutschland. Gebucht dafür sind die Bands Abby, Ben Ivory, Chuckamuck, David Lemaitre, DENA, Fuck Art Let's Dance!, Hundreds, Jack Beauregard, Me And My Drummer, Okta Logue, Roosevelt und Stabil Elite. Bevor die Talent Buyer die Konzerte besuchen, treffen sie außerdem auf eine Auswahl der "Wunderkinder" in einer Sonderausgabe von Ray's Reeperbahn Revue, deren reguläre Aus gaben in den vergangenen Jahren zu den beliebtesten Veranstaltungen auf der Reeperbahn gehörten. Neu im Programm sind auch die in Kooperation mit "Festivalguide" ver liehenen Helga Awards: Im Rahmen dieser Veranstaltung werden am 26. September im Imperial Theater deutsche Open-Air-Festivals ausgezeichnet. "Dieser Preis liegt uns sehr am Herzen", sagt Schulz. "Wir sind am Ende einer Festivalsaison genau die richtige Plattform dafür. Ich wüsste keinen besseren Zeitpunkt und keinen besseren Ort als bei uns auf der Reeperbahn. Denn wir selbst stehen außerhalb der Bewertung der Open-Air-Festival-Saison. Und alle, die in Deutschland Open-Air-Festivals veranstalten, besuchen ohnehin das Reeperbahn Festival." Der Platz für Talente, Trends und Trade Zudem spreche ein weiteres Argument dafür, dass es sich nicht bloß um eine weitere Preisverleihung handele: "Von anderen Veranstaltungen unterscheidet uns, dass wir solche Preisverleihungen im Programm haben, dass aber in diesem Fall das Thema Festival auch beim Konferenzprogramm fachlich gespiegelt wird. Und diese Philosophie findet sich genauso zum Beispiel bei den Klassikoder Kids-Themen." Man biete dazu öffentliche Veranstaltungen an, beschäftige sich im Programm aber immer auch mit der wirtschaftlichen Seite. In Anspielung auf das übergreifende Motto der vier Tage fasst Detlef Schwarte zusammen: "Das Reeperbahn Festival ist halt der Platz für Talente, Trends und Trade."