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GEMA verteidigt neue Tarife für Veranstaltungen als "angemessen"

Die GEMA weist die massive Kritik der Bundesvereinigung der Veranstalter und des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands an dem neuen Tarifmodell für Veranstaltungen mit Musik zurück. Die neuen Tarife seien "angemessen und ausgewogen".

05.04.2012 12:30 • von Frank Medwedeff
Stellte das neue Tarifmodell auf der GEMA-Pressekonferenz vor: Vorstandsmitglied Georg Oeller (Bild: Stephan Görlich)

Die GEMA hat mit einer Replik auf die massive Kritik der Bundesvereinigung der Musikveranstalter und des ebenfalls vom Bundesvereinigungs-Vorsitzenden Ernst Fischer geleiteten Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) am geplanten neuen Tarifmodell für Veranstaltungen mit Musik (Konzerte ausgenommen) reagiert. Entgegen der vom DEHOGA und der Bundesvereinigung publizierten "Behauptungen" seien "die ab 2013 geltenden Tarife angemessen und ausgewogen", verlautet die Verwertungsgesellschaft.

"Die neue Tarifstruktur der GEMA sieht eine Vereinfachung der Tariflandschaft vor und führt zu einer deutlichen Entlastung kleinerer Veranstaltungen", heißt es aus München. Es sei richtig, dass "große, hochwertige Veranstaltungen ab 2013 teurer werden", da sich die neue Tarifstruktur an der wirtschaftlichen Größe der Veranstaltungen linear ausrichte. Dies habe die GEMA in ihrer Pressemitteilung vom 29. März 2012 "keineswegs verschwiegen" und in ihrer Pressekonferenz am 2. April 2012 anhand von Praxisbeispielen erläutert.

Das vom DEHOGA und der Bundesvereinigung angeführte Beispiel einer Diskothek mit zwei Dancefloors mit 310 und 410 Quadratmetern sowie acht Euro Eintritt führe bei einer angenommenen Auslastung von 800 Gästen zu einem Umsatz von 6.400 Euro für einen Abend allein durch das eingenommene Eintrittsgeld. Der zusätzliche Umsatz aus den gastronomischen Leistungen sei hier nicht inbegriffen. "Die Geschäftsgrundlage einer Diskothek ergibt sich ausschließlich aus der Musikwiedergabe", betont die GEMA. Erst die Musik, welche von den Mitgliedern der GEMA zur Verfügung gestellt wird, ermögliche eine Diskothekenveranstaltung. "Damit ist die Musikwiedergabe existentieller Bestandteil des wirtschaftlichen Erfolges. Eine Beteiligung der Urheber in Höhe von zehn Prozent der Einnahmen aus Eintrittsgeldern, also auf das Beispiel bezogen 640 Euro, ist unter diesen Gesichtspunkten der angemessene Anteil für die Urheber", bekräftigt die Verwertungsgesellschaft.

Falsch sei zudem die "Unterstellung" des DEHOGA, die GEMA wäre nicht zu Verhandlungen bereit. Mit der Bundesvereinigung der Musikveranstalter, der größten Nutzervereinigung in Deutschland, seien Gespräche geführt worden, "um die neuen Tarife zu verhandeln und zu einem einvernehmlichen Ergebnis zu gelangen". Das letzte Gespräch fand demnach am 22. März 2012 in Berlin statt. Hierbei habe man unter anderem die Durchführung eines Schiedsstellenverfahrens erörtert. "Die GEMA ist weiterhin bereit, die Gespräche fortzusetzen", so das Schlusswort des GEMA-Statements.

Ernst Fischer, Präsident des DEHOGA und Vorsitzender der Bundesverereinigung der Musikveranstalter, nennt die geplanten neuen GEMA-Gebühren "existenzbedrohend" für viele Ausrichter von Veranstaltungen mit Live-Musik oder Tonträgerwiedergaben und wirft der Verwertungsgesellschaft vor, damit ihre Einnahmen "auf Kosten der Veranstalter erheblich steigern" zu wollen.