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GEMA preist einfacheres und gerechteres Tarifmodell für Veranstaltungen

Auf einer Pressekonferenz haben Georg Oeller und Lorenz Schmid von der GEMA die für 2013 vorgesehenen neuen Tarife im Veranstaltungsbereich außerhalb von Konzerten als wichtigen Schritt zur Vereinfachung der Tariflandschaft und besserer Ausgewogenheit zwischen kleinen und größeren Veranstaltungen dargestellt. Ein Schiedsstellenverfahren in der Auseinandersetzung mit der Bundesvereinigung der Musikveranstalter sei indes "wohl unumgänglich".

02.04.2012 16:36 • von Frank Medwedeff
Bei der GEMA-Pressekonferenz (v.l.n.r.): Vorstand Georg Oeller, Bettina Müller (Leitung Direktion Marketing und Kommunikation) und Bezirksdirektor Lorenz Schmid (Bild: Stephan Görlich)

Auf einer Pressekonferenz in der GEMA-Generaldirektion in München haben Vorstandsmitglied Georg Oeller und Bezirksdirektor Lorenz Schmid die für 2013 vorgesehenen Tarifanpassungen im Bereich von Veranstaltungen mit Musik außerhalb von Konzerten als wichtigen Schritt hin zu einer einfacheren, transparenteren und gerechteren Tariflandschaft charakterisiert.

Die "Veranstaltungen mit Live-Musik oder Tonträgerwiedergaben", um die es hier geht, seien für die GEMA "ein extrem wichtiger Bereich", wie Georg Oeller betonte. "Wir lizenzieren in diesem Zusammenhang jährlich rund eine Million Veranstaltungen." Deshalb sei die Tarifstrategie in diesem Feld von besonderer Bedeutung. "Um in diesem Bereich Fortschritte zu erzielen, müssen wir eine durchgängige Neubewertung unserer Tariflandschaft in diesem Bereich durchführen", so Oeller. Es gehe der Verwertungsgesellschaft um "klare und nachvollziehbare Tarifstrukturen". Oeller bekräftigte: "Was wir in den vergangenen Jahren aus der Diskussion mit den eigenen Mitgliedern, aber auch mit den Kunden und der Politik mitgenommen haben, ist, dass wir für eine große Tarifgerechtigkeit stehen sollen. Die wollen wir hiermit ganz klar angehen."

Eine drastische Reduzierung der Tarifanzahl von bislang elf auf zwei Tarife soll für die Nutzer die Kalkulation einfacher und überschaubarer machen. "Wir projektieren die Tarife ausschließlich an der Größe der Veranstaltung und den damit eingenommenen Eintrittsgeldern", erklärte GEMA-Vorstand Oeller. "Wir werden durch diese Tarifneugestaltung 60 Prozent der Veranstaltungen, die wir bisher lizenziert haben, wirtschaftlich entlasten - oder sie werden davon nicht betroffen sein." Gerade für kleinere Veranstaltungen mit geringerem Eintrittsgeld sei eine deutliche Entlastung zu erwarten.

Die Neubewertung hat laut Oeller drei Ziele: erstens eine wirtschaftliche Ausgewogenheit zwischen kleinen und großen Veranstaltungen herzustellen, zweitens eine Vereinfachung der Tariflandschaft, und drittens, "für unsere Mitglieder angemessene Vergütungsstrukturen auch weiterhin zu erhalten".

Die GEMA sei dabei, "mit unseren großen Nutzern am Markt diese Tarife zu besprechen". Mit dem größten Nutzer in diesem Bereich, der Bundesvereinigung der Musikveranstalter, habe man "schon mehrere Runden gedreht". Eine Einigung sei indes nicht erfolgt. "Beide Seiten sind zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Schiedsstellenverfahren in diesem Zusammenhang wohl unumgänglich ist. Wir werden mit der Bundesvereinigung das weitere Prozedere zu dem Schiedsstellenverfahren besprechen", so Oeller. "Die Bundesvereinigung sieht die Tarife, die wir bisher hatten, als angemessen an. Wir sind der Auffassung, dass wir die wirtschaftlichen Grundlagen unserer Tarife reformieren müssen und die neuen Tarife aufstellen müssen", so Oeller.

GEMA-Bezirksdirektor Lorenz Schmid räumte ein, dass die bisherige Struktur "komplex und damit unübersichtlich", und "für unsere Kunden nur noch schwer nachvollziehbar" sei. "Und mit dieser Tarifstruktur bewegen wir uns auf die Ungerechtigkeit zu in den jeweiligen Tarifgrenzen. Das wollten wir ändern, und das ist uns auch gelungen, in der Form, dass wir aus elf Einzeltarifen zukünftig zwei Tarife für Einzelveranstaltungen entwickelt haben." Die Lizenzvergütung ermittele sich ab 1. Janur 2013 aus ledigleich zwei Tarifparametern: "der Veranstaltungsgröße linear in 100-Quadratmeter-Schritten und dem Eintrittsgeld ebenfalls linear in Ein-Euro-Schritten. Das ganze gedeckelt bei einer Vergütung von zehn Prozent der Einnahmen aus dem Eintritt und verbunden mit einem Mengennachlass für Veranstalter, die eine Vielzahl von Veranstaltungen in einem Jahr durchführen", so Schmid. Die nun nur noch zwei Tarife seien "transparent, fair, nachvollziehbar und einfach in der Anwendung".

Als Beispiel für die Entlastungen bei kleineren Veranstaltungen nannte Schmid unter anderem eine Tanzveranstaltung mit Livemusik im Saal eines Gastronomiebetriebs von 300 Quadratmeter Größe mit drei Euro Eintritt und 300 Gästen. Nach dem neuen Vergütungsmodell von zehn Prozent des Umsatzes von Eintrittsgeldern fallen demnach 90 Euro GEMA-Kosten an - statt bislang 192,80 Euro.

Bei größeren Events in entsprechenden Räumlichkeiten müssen die Veranstalter indes mit zum Teil mehrmals so hohen Abgaben an die GEMA rechnen wie bisher: Schmid nannte hier als Beispiel etwa eine Gala mit Livemusik in einem Ballsaal mit 1500 Quadratmetern mit 1500 Gästen und 60 Euro Eintrittsgeld. Die GEMA-Kosten erhöhen sich hierbei, wie Schmid vorrechnete, von bislang 1470,70 auf 9000 Euro.

"Das Ziel der Vereinfachung haben wir mit dieser Tarifstruktur erreicht: Hochpreisige Veranstaltungsformate mit vielen Gästen und damit vielen Musikkonsumenten werden teurer werden, kleinere und mittlere Veranstaltungsformate werden deutlich entlastet und im Bereich der Lizenzkosten spürbar günstiger", so Lorenz Schmid.

Für Georg Oeller hat das neue Tarifmodell angesichts der alleinigen Orientierung an Größe und Eintrittsgeld noch einen entscheidenden Vorteil: "In der Zukunft, wenn der Tarif gilt, wird es bei der Vergütung keine wirtschaftlichen Anpassungen mehr geben. Der Markt kann sich entlang der Tarife ausrichten, ohne dass hier weitere Verhandlungen mit der GEMA notwendig sind."