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Eugen Römer zur Trennung von Andrea Berg: "Über 18 Jahre ein konsequenter Knochenjob"

01.01.1970 01:00 • von Norbert Obkircher

MusikWoche: Warum ist es überhaupt zur Trennung gekommen? Eugen Römer: Ich hatte nicht mehr die Kraft, immer nur funktionieren zu müssen; ich brauchte eine Auszeit - mit der Begründung, ein neues Album machen zu wollen und nicht machen zu müssen. Andrea war von mir lange vorher informiert worden. Sie reagierte mit den Worten: "Nimm dir alle Zeit, die du brauchst, Spatzerl, und wenn du dich wieder besser fühlst, machen wir ein neues, geiles Album." Edgar Berger teilte mir aber ein paar Tage später per Handy mit, dass Andrea einen Künstlervertrag direkt bei Ariola unterschreiben werde. Berger, Berg und Uli Ferber hatten sich in Klein-Aspach getroffen und sich über übliche Details unterhalten. Ich war überrascht, damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Mein erster Gedanke: "Warum ruft der Berger an und nicht die Berg?" Das wäre doch nach 18 Jahren der erfolgreichen Zusammenarbeit eine sportlich faire und ritterliche Geste gewesen. "Nein, sie selber und ihr Ehemann Uli Ferber wollten es so", versicherte mir Edgar Berger.

MW: Hat diese Entwicklung auch mit dem Chefwechsel bei Ariola zu tun? Römer: Logisch, jetzt kann die Ariola in München vertraglich eine Superlative in Aussicht stellen; der Erfolg ist ja lückenlos, ohne jegliches Risiko auf der Erfolgsspur. Jetzt kann ein "Jeder" beweisen, wie man gute Verträge macht. Jeder Künstler will irgendwann - wenn er gelernt hat, selber zu fliegen - sein eigener "Hauptdarsteller" sein und die Welt verändern, da er sich sonst als abgeschmackt oder langweilig empfindet. Jetzt fühlt man sich frei wie nie zuvor und kann sich im Verborgenen - erfolgsverwöhnt - auf die Oberschenkel klopfen.

MW: Wie fühlen Sie sich, nachdem der Schlussstrich unter eine so langjährige und überaus erfolgreiche Zusammenarbeit gezogen wurde? Römer: Jetzt, mit dem nötigen Abstand, fühle ich mich physisch und mental sehr entspannt. Ob ich meine musikalische Erfahrung nach dieser unbestreitbar kalten Dusche aber ein weiteres Mal neu vernetzen werde, ist mehr als fraglich. Ich habe die gesamten Songs geschrieben, und auch sehr viel getextet, habe alles arrangiert, aufgenommen und bei mir im Studio gemischt. Darüber hinaus habe ich mich um die gesamte audiovisuelle Kommunikation gekümmert: Fotos, Exposés für Videoclips und TV sowie Pressetexte geschrieben - über achtzehn Jahre ein konsequenter Knochenjob.

MW: Was sagen Sie zu den Meldungen, dass Dieter Bohlen das nächste Album produzieren soll? Römer: Chapeau! Ja, da war Edgar Berger fraglos in der Pflicht, für den erfolgreichen Produzenten Eugen Römer: mehr als nur ein Äquivalent ins Boot zu bekommen. Die Neugierde auf Andrea Berg, produziert von Dieter Bohlen, wird die CD-Verkäufe exorbitant beleben.

MW: Wird Ihre Geschäftsbeziehung mit Sony Music/Ariola in anderer Form fortgeführt? Römer: André Selleneit und Ralph Lobenstein kamen am 2. August 2010 zu mir nach Rottach-Egern ins Hotel, um über eine weitere mögliche Zusammenarbeit zu verhandeln. Ihre Euphorie begründeten sie mit den Worten, man müsse meine Genialität als Produzent wieder neu beflügeln. Andy meinte: "Eugen, ich möchte Hits von dir, einen passenden Akt werde ich ganz bestimmt für dich finden."

MW: Welchen Rat geben Sie Andrea Berg mit auf den Weg? Römer: Andrea wird noch lange erfolgreich Konzerte geben und auch Platten verkaufen. Ich habe sie musikalisch und darüber hinaus in der audiovisuellen Kommunikation mit guten Ideen und Produktionen ohne Verfallsdatum ausgestattet. Jeder Produzent, Songschreiber, Texter oder selbst "nomineller Musikmanager" wird sich in Zukunft an dem gigantischen Erfolg wirtschaftlich stärken und in Szene setzen können. Ihre Alben werden weiterhin in den Charts auf die Eins schießen. Die ehemaligen Nasenrümpfer - ganz gleich welcher Kategorie- werden jetzt ungebremst Andrea Berg bedienen wollen. Der exorbitante Erfolg und die kaufmännische Begehrlichkeit machen es möglich.