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Green Music Dinner gibt Denkanstöße

Die Möglichkeiten der Kreativwirtschaft im Hinblick auf einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt standen im Fokus des ersten Green Music Dinners. Als Problemfelder der Musikwirtschaft identifizierten die Ausrichter dabei unter anderem das Tourneegeschäft und die Verpackung von Tonträgern.

01.01.1970 01:00 • von Knut Schlinger
Luden zum Green Music Dinner (v.l.n.r.): Jacob Bilabel (Green Music Initiative/Thema1), Julia Rawlins (British Council), Andreas Klaßen (Auswärtiges Amt), Alison Tickell (Julie's Bicycle), Dr. Patrick Hart (British Council) und Andrea Mano (Auswärtiges Amt) (Bild: MusikWoche)

Die Möglichkeiten der Kreativwirtschaft im Hinblick auf einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt standen im Fokus des ersten am 3. März in Berlin. Am Vorabend der -Verleihung hatte die Green Music Initiative zusammen mit dem British Council - die britischen Kulturförderer feiern derzeit ihr 75. Jubiläum und sind zudem seit 50 Jahren in Deutschland präsent - und dem Auswärtigen Amt zur Premiere des sogenannten Green Music Dinners ins Berliner Hotel de Rome eingeladen.

Die rund 100 Gäste aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich deckten dabei ein breites Spektrum von Pop und Politik über die Wissenschaft bis hin zur Medienbranche ab. Damit wolle man Menschen zusammenbringen, "die sich ansonsten kaum getroffen hätten, die aber sehr wohl vom Austausch untereinander profitieren können", fasste Dr. Patrick Hart, Director des British Council Germany, zur Begrüßung die Zielsetzung der Veranstaltung zusammen. Andreas Klaßen vom Auswärtigen Amt machte zudem klar, dass sich angesichts des fortschreitenden Klimawandels das Herangehen an kultur- und umweltpolitische Themen zu einer vernetzten Zusammenarbeit zum Erhalt der Umwelt verändern müsse.

Als Problem- und Betätigungsfelder der Musikwirtschaft identifizierten die Ausrichter dabei unter anderem das Tournee- und Festivalgeschäft und die Verpackung von Tonträgern, aber auch die Umweltbilanz der vielen Arbeitsplätze der Branche. So erklärte Alison Tickell, die 2007 in England die auf umweltpolitische Themen ausgerichtete Non-Profit-Organisation Julie's Bicycle mit ins Leben gerufen hatte, dass sich zum Beispiel beim Umstieg von den althergebrachten Jewel Cases hin zu Pappverpackungen rund 95 Prozent der bei der Produktion anfallenden CO2-Emissionen einsparen ließen. Aber auch das Konzertgewerbe könne mit überschaubaren Maßnahmen viel erreichen und zugleich Kosten senken, sagte Tickell. Als Beispiele nannte sie das zeitweise Abschalten der Kühleinrichtungen nach dem Ende von Konzerten und den Einsatz von energiesparenden Beleuchtungssystemen in Veranstaltungshallen. Hier könne ein Unternehmen nach Untersuchungen von Julie's Bicycle binnen eines Jahres nicht nur die klimaschädlichen Emissionen senken, sondern auch fünf- bis sechsstellige Beträge sparen.

Nur aus Kostengründen auf Klimaschutzmaßnahmen zu verzichten, sei schlichtweg falsch und vor allem gegenüber nachfolgenden Generationen unfair, betonte Prof. Fritz Reusswig vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung in einem Impulsreferat. Dabei sei aber nicht allein die Branche gefordert, "auch die Kunden und Fans tragen eine gewisse Verantwortung". Das scheint bereits in den Köpfen der Konsumenten angekommen zu sein, bestätigte Alison Tickell: In Großbritannien sei der "grüne" Aspekt für Festivalbesucher längst ein Entscheidungsgrund für den Besuch des einen und gegen den Besuch eines anderen Großevents. Aber auch die Künstler spielen mit, wie Mark Ward als Veranstalter des Hyde Park oder des Isle of Wight Festivals zu berichten wusste: So hätten die bei ihm als Headliner gebuchten Kaiser Chiefs einst festgestellt, dass trotz aller Bemühungen auf dem Festivalgelände in ihren Backstageräumlichkeiten keine Möglichkeit zur Mülltrennung vorgesehen waren - "das hatten wir schlichtweg vergessen", räumte Ward ein. Diese Art des Mitdenkens sei aber bei Popstars vor wenigen Jahren noch beinahe undenkbar gewesen.

Die Rolle des Kultursektors und der Musikbranche stand dann auch im Zentrum einer Umfrage, die Jacob Bilabel als Mitbegründer der Green Music Initiative und Mitorganisator des Events unter den Gästen und Teilnehmern der Veranstaltung durchführte. Die Ergebnisse sollen in in Kürze auf den Onlineseiten der Green Music Initiative zu finden sein.