Musik

Reggae aus der Rhön und TripHop aus Portugal

01.01.1970 01:00 • von

Flotter deutschsprachiger Reggae muss nicht immer aus Berlin kommen. Dass auch im hessischen Bergland, genauer in Fulda, ein gutes Riddim-Kraut gedeiht, beweist die zehnköpfige Formation Mighty Vibez auf ihrem aktuellen Album, We Comin Around", das von Umberto Echo aus München produziert wurde und erst kürzlich auf dem Label Rhön Records erschienen ist. In den 13 Tracks zeigen die Hessen, dass sie das Formenrepertoire des Reggae von Roots bis Rebel drauf haben und dabei auch elegant mit Jazz- oder Funk-Elementen zu jonglieren verstehen. Im Mai ist die sonnige Truppe unter anderem in Tirol unterwegs, im Sommer stehen dann einige Festivals im Terminkalender. Beim italienischen Rototom Sunsplash wurden die Mighty Vibez übrigens im Sommer 2006 als "European Reggae Newcomer" des Jahres gefeiert. Vertrieblich nimmt sich die Kölner Firma motionFX/Radar Music des neuen Albums der Gruppe an.

In dessen umfangreichem Katalog befindet es sich in guter Gesellschaft, denn der erweist sich als angenehm vielseitig. So findet sich dort neben dem Reggae der Mighty Vibez auch das Album Bangguru" von der gleichnamigen portugiesischen Gruppe, die Elektropop mit TripHop- und Ambient-Elementen anreichert und zur CD gleich noch eine DVD gepackt hat.

Der schottische Alternative-Rocker Rich Webb musste erst nach Melbourne, Australien, ziehen, um dort sein Album Overboard" aufzunehmen, das nun via Radar in den deutschen Handel kommt. Außerdem hat Radar Indierock von der Gruppe Random Hero aus Erlangen (Album: Past Is Prologue") oder von Frameless aus der Umgebung von Köln (Album: Closing Circle") im Programm.

Als Commander am Radarschirm lenkt Manfred Wehrhahn (59) zusammen mit Co-Geschäftsführer Gregor Arz und einer engagierten fünfköpfigen Crew das Schiff, das man Traditionsunternehmen nennen darf. Denn er gründete die Firma - damals noch unter dem Namen New Blood - zusammen mit seinem Freund Helmut Jacobs bereits 1975. Die beiden arbeiteten in den Siebzigern in fast allen Bereichen der Musikproduktion, wobei der 1977 verstorbene Jacobs sich zunächst mit der hochwertigen Herstellung von Kleinauflagen in Vinyl einen Namen machte.

Wehrhahn wiederum ließ in jüngster Zeit durch seinen kämpferischen Einsatz für ein faireres Chartsregelwerk aufhorchen. So hatte er bereits im vergangenen Jahr gegen die Chartsregeln interveniert, woraufhin der Bundesverband Musikindustrie in Abstimmung mit dem Kartellamt das Regelwerk neu aufsetzte. Im Februar 2008 reichte motionFX GmbH/Radar Music abermals beim Bundeskartellamt Klage gegen den Bundesverband ein, da die aktuelle Praxis der Chartserhebung gegen Kartellrecht und Artikel 82 des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft verstoße.

Das Unternehmen fordert deshalb eine "Überprüfung" des Chartsregelwerks und "eine Untersagung der Herstellung der Chartslisten auf der Grundlage der Systembeschreibung der offiziellen Charts in Version vom 13. 7. 2007". Das Ergebnis dieser Klage bleibt abzuwarten. Doch festzuhalten ist, dass sich der streitbare Wehrhahn mit großer Leidenschaft für seine Musik einsetzt. Nicht nur die Mighty Vibez könnten davon profitieren.