Musik

motionFX verklagt Bundesverband wegen Chartsregeln

Die Tonträgerfirma motion FX/Radar Music hat beim Bundeskartellamt Klage gegen den Bundesverband Musikindustrie bezüglich der Chartserhebung eingereicht und fordert eine "Überprüfung" des Regelwerks und "eine Untersagung der Herstellung der Chartlisten" auf Grundlage der aktuellen Systembeschreibung.

01.01.1970 01:00 • von Frank Medwedeff

Die Tonträgerfirma motionFX GmbH/Radar Music hat beim Bundeskartellamt Klage gegen den Bundesverband Musikindustrie eingereicht, da die aktuelle Praxis der Chartserhebung gegen das Kartellrecht und den Artikel 82 des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft verstoße. Das Unternehmen fordert deshalb eine "Überprüfung" des Chartsregelwerks und "eine Untersagung der Herstellung der Chartslisten auf der Grundlage der Systembeschreibung der offiziellen Charts in Version vom 13.7.2007".

Motion FX bemängelt, dass nur Titel von Firmen in die Charts gelangen könnten, die kostenpflichtig PhonoNet nutzen oder ihre Titel alternativ kostenpflichtig bei media control anmelden. "Bereits an dieser Stelle werden die Marktteilnehmer behindert, die sich für ein anderes Warenwirtschaftssystem entscheiden, welches nicht durch den Beschwerdegegner bzw. die mit ihm verbundenen Unternehmen angeboten wird", heißt es.

Als weiteren Kritikpunkt rügt das von Gregor Arz und Manfred Wehrhahn geleitete Unternehmen, dass ein Eintritt in die Charts nur möglich sei, wenn der jeweilige Titel an ausreichend viele Händlergruppierungen verkauft werde. "Um welche Händlergruppierungen es sich handelt, bleibt im Dunkeln. Wer also an den Einzelhandel direkt verkauft, wird niemals erfahren, ob die Verkäufe im Rahmen der Chartsermittlung gezählt werden. Selbst wenn Verkäufe an eine Vielzahl von Einzelhändlern stattfinden, ist nicht gewährleistet, dass dabei auch drei Händlergruppierungen umfasst werden. Es wird eine äußerst breite Streuung des Vertriebs vorausgesetzt, die für ein kleines Unternehmen nicht praktizierbar ist", so die Klageschrift.

Zudem sei nicht akzeptabel, dass media control nicht alle Verkäufe für die Charts mitzählt. "Es werden nur die Verkäufe gezählt, die bei den in der Systembeschreibung genannten Händlergruppierungen getätigt werden. Kleinere, eventuell spezialisierte 'Plattenläden' werden nicht in die Verkaufsliste von media control aufgenommen."

Laut motionFX ist der Vertrieb über große Handelsketten für kleinere Labels und Produktionen oft ausgeschlossen, weil dort ein jährlicher Grundumsatz gefordert sei. "Aus diesem Grund wurde die Beschwerdeführerin bereits von Einzelhandelsketten auf einen Mindestumsatz von 250.000 Euro verwiesen als Voraussetzung für die Aufnahme in den Vertrieb. Dieser Umsatz ist für kleinere Label und kleinere Produktionen noch nicht einmal ansatzweise zu leisten. Damit ist es einem kleineren Label von vornherein nicht möglich, mit seinen Titeln eine Platzierung in den Charts zu erreichen."

Bei der Chartsermittlung würden "nur die Titel berücksichtigt, hinter denen finanzkräftige Unternehmen stehen. Unbekannteren und finanziell eher gering ausgestatteten Labels wird dadurch der Markteinstieg erschwert bzw. ein Zugang zu den Charts nahezu unmöglich gemacht", heißt es in der Klagebegründung.

Der Bundesverband Musikindustrie wollte nach Anfrage von MusikWoche zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Stellungnahme zu der neuerlichen Klage abgeben. motionFX hatte bereits im letzten Jahr gegen die Chartsregeln interveniert. Daraufhin setzte der Bundesverband in Abstimmung mit dem Kartellamt das Regelwerk neu auf.

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