Musik

Coldplay und Depeche Mode bundesweit zum Ramschpreis

Mit Karstadt fing es an: Die Handelskette verkauft die aktuellen CDs von Coldplay und Depeche Mode derzeit zum Kampfpreis von 4,99 Euro. Jetzt zogen MediaMarkt und Saturn nach bzw. vorbei. EMI weist eine Beteiligung an der Preisgestaltung zurück, der Fachhandel reagiert verärgert.

01.01.1970 01:00 • von Knut Schlinger

Mit einer Karstadt- und WOM-Kampagne fing es an: Bereits seit dem 27. März verkauft die Handelskette die aktuellen CDs von Coldplay und Depeche Mode, X&Y" und Playing The Angel", zum Kampfpreis von 4,99 Euro. Jetzt zog Ingolstadt nach: Während MediaMarkt beide Titel ebenfalls für 4,99 Euro anbietet, verramscht Saturn die immer noch in der ersten Hälfte der Charts platzierten CDs gleich für 3,99 Euro. EMI weist eine Beteiligung an dieser Preisgestaltung zurück, der Fachhandel reagiert trotzdem verärgert.

"Wir haben die betroffenen CDs zu chartsfähigen Händlerabgabepreisen verkauft", betont EMI-Vertriebschef Wolfgang Hanebrink auf Nachfrage von MusikWoche. "Wenn sich unsere Partner dazu entscheiden, bestimmte Artikel als Frequenzbringer in ihren Kampagnen zu nutzen, entzieht sich dies verständlicherweise unserer Einflussnahme."

Während Karstadt seine Angebotsgestaltung zunächst nicht näher erläutern wollte, ärgern sich viele Mitbewerber: "Niemand kann angesichts dieser Preisblüten ernsthaft glücklich sein", vermutet Frank Pagenkemper vom Großhändler MFP aus Oelde. Diese Preise seien "Ausdruck von Panik in der gesamten Medienbranche". Karsten Krämer vom Frankfurter Fachgeschäft CDs am Goethehaus klagt: "Wenn CDs zu solchen Preisen verschenkt werden, ist es um den Wert der Musik sehr schlecht bestellt." Dem stimmt Fabian Hinte von Chateau Disc in Nürnberg zu: "Solche Kampagnen leisten in den Köpfen der Verbraucher einzig dem musikalischen Werteverfall Vorschub." Er ergänzt, dass diese Preisaktion bei qualitativ hochwertigen Alben "vollkommen unnötig" sei.

Thomas Glück vom Frankfurter Musikladen regt an, die fraglichen Titel bei Karstadt zu kaufen und bei EMI zur Retoure anzumelden.Während Albert Wagner (L&P Classics, Berlin) auf das zu Ende gehende Geschäftsjahr bei EMI verweist und sich angesichts dieser Entwicklung "noch mehr Sorgen um unsere Branche" macht, nimmt Carsten Wien (A&O Medien, Düsseldorf) die Aktion ironisch: "Wir sind beeindruckt von der Tatsache, dass Karstadt sich direkt nach der Ankündigung, das Konzept der Premiumhäuser schnell umzusetzen, unbeirrt auf den Weg macht. So beweist die derzeitige Kampagne, dass eine kreative Auseinandersetzung mit der Zukunft des Handels auch bei großen Handelskonzernen neue Wege öffnet."