Musik

Mobile Entertainment Forum in London

14.06.2004 12:00 • von Daniela Gutfleisch

Die Ausgangslage ist viel versprechend: Allein in Deutschland sind derzeit rund 63 Mio. Handys in Gebrauch, die großen Netzbetreiber starten mit UMTS und brauchen attraktive Services, damit sich ihre Milliardeninvestitionen in die neue Mobilfunktechnik rentieren, und die Endgeräte werden immer leistungsstärker. Rückendeckung bei Mobile Entertainment geben Analysten wie die ARC Group, die für das Jahr 2008 einen weltweiten Umsatz mit Mobile Entertainment Services in Höhe von 27 Mrd. Dollar prognostiziert. Da möchte jeder gern ein Stück vom Kuchen abhaben. So kündigte Claudio Aspesi, Senior Vice President for Strategy & Development bei EMI, an, man werde "voll" in den Mobile Markt gehen und "Inhalte auf so vielen Wegen verfügbar machen wie nur möglich". Dabei kalkuliere man durchaus auch einen Kannibalisierungseffekt beim CD-Verkauf durch mobile Angebote ein.

Ehe die mobilen Erlösquellen sprudeln, muss jedoch geklärt werden, für welche Inhalte und Dienste Handynutzer überhaupt zu zahlen bereit sind. Pekka Pohjakallio, Director of Product and Channel Marketing bei Nokia, glaubt, dass die Zahlungsbereitschaft dann zunimmt, wenn Dienste zu Themen angeboten werden, für die sich Menschen begeistern und wofür sie eine Leidenschaft entwickeln können - wie beispielsweise Musik. Was die Inhalte angeht, so ist nach Aussage von Graeme Ferguson, Executive Content Development Vodafone, weniger die Exklusivität als vielmehr die Qualität der Inhalte, die Vodafone derzeit von rund 600 Content-Partnern bezieht, von entscheidender Bedeutung. Derzeit werden vor allem Musikangebote genutzt, gefolgt von Spielen und Videos, berichtete Ferguson. Ein weiteres zentrales Thema der Konferenz war die mobile Wertschöpfungskette. Besonders kontrovers wurde darüber diskutiert, wer welchen Anteil am Umsatz erhalten soll.

Über das aktuelle Revenue-Sharing-Modell, bei dem bei einem Klingelton 25 bis 30 Prozent des Kaufpreises beim Label verbleiben, Publisher und Aggregatoren fünf Prozent und die Plattformen und Operator zwischen 25 und 40 Prozent einstreichen, herrscht bei der Musikindustrie große Unzufriedenheit. Hugh Griffiths, Head of Data Products bei O2, favorisiert ein 50:50-Revenue-Sharing-Modell zwischen Netzbetreiber und Inhalteanbieter, abhängig von der Art der Inhalte in manchen Fällen auch eine 60:40-Variante zugunsten des Inhaltelieferanten. Isabelle Bertrand, Vice President Marketing and Sales Universal Mobile International, gab zu, dass es aufgrund der komplexen Strukturen der Musikindustrie noch Schwierigkeiten im Zusammenspiel der Akteure gebe.

Ein weiterer Kritikpunkt zahlreicher Redner und Panelteilnehmer war die zum Teil noch sehr unübersichtliche Lizenzvergabepraxis. So sei oftmals nicht klar, "wer den Inhalt liefert, den ich für meine Kunden haben möchte", bemerkte Sabine Anger, Vice President Content und Media Partnership T-Mobile International. Anger forderte vernünftige Lizenzmodelle und fügte hinzu: "Die nächsten zwölf Monate werden über den Erfolg von Mobile Entertainment entscheiden." Auch die Zahl der verschiedenen HandyModelle, so Javier Ferreira, Head of Games des spanischen Mobilfunkanbieters Telefonica Moviles, wirke sich bremsend auf das Geschäft aus, da Inhalte und Anwendungen für jedes Modell separat aufbereitet werden müssten.

Ein weiteres Highlight des Londoner Branchentreffs war die erstmalige Vergabe des MEF Mobile Entertainment Awards. Mit dem von musikwoche unterstützten Preis für den besten Beitrag im Bereich Musik wurde das Chaoticom gemeinsam mit der Prager Firma Eurotel Jukebox ausgezeichnet. Eurotel war der erste Anbieter in Europa, der vollständige Musikstücke als Download für das Mobiltelefon bereitstellte. Die neutrale Plattform dazu entwickelte Chaoticom. Eine Sonderauszeichnung erhielt Vesa-Matti Paananen, der Pionier des kommerziellen Klingelton-Geschäfts, der bereits 1997 den ersten Klingelton entwickelte.