Musik

MDR-Jugendsender Sputnik holt Musik zurück

06.02.2003 15:20 • von

"Es ist wichtig, dass es Sender gibt wie Sputnik, die bestimmten Themen abseits des Mainstreams überhaupt eine Chance geben", eröffnet Michael Schiewack, Programmchef von Sputnik und dem zweiten jugendlich ausgerichteten MDR-Sender Jump, der seit vier Jahren Sputnik als musikalisch weniger innovativ ausgerichtetes Programm flankiert. "Wir verstehen unter unserem Slogan 'Back To The Music', eine Rückbesinnung des Radios auf das, was es groß gemacht hat: die Musik." Damit verbindet Schiewack die selbstauferlegte Verpflichtung, bei Sputnik Musik zu spielen, "die wir für gut befinden. Damit eröffnen wir den Leuten neue Themen, die sie noch nicht kennen. Ein Beispiel dafür ist Black Music: Wenn wir dabei nur nach Testergebnissen gehen würden, könnten wir sie nicht spielen, weil sie hier in Ostdeutschland nicht so stark läuft. Dennoch bin ich überzeugt, dass man den Leuten bestimmte Angebote machen muss."

Aus diesem Grund ist das Black-Segment im Radio-Mix des Senders wie auch auf der Ende 2002 mit dem Neo-Award ausgezeichneten Internet-Plattform www.sputnik.de gleichberechtigt mit Rock- und Club-Musik vertreten. Die Fixierung auf das Internet, wo Sputnik rund 300.000 Hörer pro Monat verzeichnet, erläutert Schiewack: "Da wir anfangs keine Frequenzen hatten, haben wir sehr schnell auf das Internet gesetzt, wo wir unsere Marke kontinuierlich aufgebaut und verstärkt haben. Das liegt an der sehr guten Qualität unseres Streams und dem Musikangebot. Trotzdem ist es bedauerlich, dass wir für Sputnik in den anderen Vertragsländern des Mitteldeutschen Rundfunks terrestrisch nicht zu empfangen sind. Bis heute gibt es in Sachsen und Thüringen nicht das Bestreben, uns Frequenzen zuzuteilen. Dabei bekommen wir selbst aus Berlin, wo wir noch im Kabel sind, fast täglich extrem gute Resonanzen." Damit will der Wellenchef beweisen, dass man auch mit einer "speziellen Ausrichtung" Erfolge erzielen kann - nämlich einen Marktanteil von bis zu neun Prozent.

Hart ins Gericht geht er indes mit der Musikindustrie, deren Forderungen nach einer Newcomer-Quote er als "irrwitziges Gerede" bezeichnet: "Mein Vorwurf an die Musikindustrie ist der, dass diese über Jahre hinweg das Radio vernachlässigt hat, indem sie nur auf das Fernsehen setzt. Deswegen richten wir unseren Slogan 'Back To The Music' auch als Imperativ an die Musikindustrie. Denn wer hat die Musik groß gemacht? Das waren die Radios, die aus Garagenfirmen Majors gemacht haben. Das haben die Firmen vergessen, weil sie denken, sie können mit ein bisschen Viva und MTV den Markt beherrschen. Das funktioniert aber nicht, denn es sind die Radios, die tagtäglich die Musik in die Ohren der Zuhörer bringen. Zudem baut die Musikindustrie die Radiopromoter ab oder schickt zum Teil völlig unqualifizierte Mitarbeiter. Die Industrie hat in meinen Augen das Radio aufgegeben."

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