Musik

Jackson Browne meldet sich zurück

07.10.2002 11:41 • von

Mit Alben wie "Late For The Sky" und der nicht nur in produktionstechnischer Hinsicht außergewöhnlichen Liveplatte "Running On Empty" avancierte Browne vor allem in den USA zu einem der populärsten Sänger der Siebziger Jahre. 1980 erreichte er mit dem Album "Hold Out" den Zenit seiner Karriere. In den zehn neuen Liedern auf "The Naked Ride Home" (Elektra/eastwest, VÖ: 14. Oktober) bleibt der Sänger mit der sanften Stimme seinem Stil treu, klingt aber dennoch erstaunlich frisch und unverbraucht. Und er macht sich seinen eigenen Reim auf den "American Way of Life". So prangert er in "Casino Nation" die USA als "weapons producing nation under Jesus" an; in "Walking Town" entlarvt er die Künstlichkeit des High-Tech-Komforts der westlichen Welt, die den Blick für die wesentlichen Dinge verstellt.

Jackson Browne weiß um die Schuld, die sich die USA aufladen, um den erreichten Wohlstand zu sichern: "Mein Land braucht offenbar Kriege - wir schaffen unsere Feinde selbst und bauen Saddam Hussein zu einem neuen Hitler auf", klagt er im Gespräch mit musikwoche.de und schüttelt den Kopf darüber, "dass man in den Staaten das Recht eingeräumt bekommt, die Wahrheit einfach zu ignorieren. Das gehört leider zum Selbstverständnis unserer Gesellschaft". Und er setzt noch eins drauf: "Als die Terroristen am 11. September in einem grausamen Akt das World Trade Center zerstörten, sprach unser Präsident von Feigheit. Aber das war keine Feigheit. Feigheit ist, wenn man aus 15.000 Kilometer Höhe Bomben auf die Bevölkerung eines anderen Landes abwirft, ohne dass man in die Gesichter der Menschen blicken muss." Statt der inflationären Heldenverehrung nach dem 11. September wünscht sich Browne, Amerika würde sich auf seine "wahren Feinde konzentrieren - und das sind Armut, Gier und Intoleranz".

Sehr hoffnungsfroh zeigt er sich in dieser Hinsicht aber nicht, denn: "Bush gibt nur hohle und zynische Phrasen von sich, die ihm andere formulieren." Kein Wunder, dass Browne in "Sergio Leone", dem elegischsten Song seines neuen Albums, von dem Land singt, "wo das Geld unsterblich ist und das Töten niemals aufhört".