Musik

Universal Jazz: Kieselbach setzt Kurs auf Wachstum

04.03.2002 13:21 • von

"Das reine Veröffentlichungsvolumen unserer Abteilung liegt pro Jahr bei bis zu 350 Alben, inklusive zahlreicher Titel aus dem Backkatalog", erklärt Astrid Kieselbach. "Daher gehört zu unserem täglich Brot, Schwerpunkte zu definieren." Produktionen der Labels Verve, ECM und Emarcy stehen im Vordergrund. Zu den größten Verkaufs- und Charts-Erfolgen der Universal-Jazz-Division zählen laut Kieselbach Künstler wie Keith Jarrett, Jan Garbarek und Diana Krall: "Von Jarretts Soloalbum 'The Melody At Night, With You' haben wir inzwischen mehr als 100.000 Exemplare verkauft, und auch das Album 'Rites' von Garbarek schaffte seinerzeit den Sprung in die Charts."

Weitere Erfolge steuerte Krall mit bislang rund 110.000 verkauften Exemplaren ihres aktuellen Albums, The Look Of Love", bei, sowie die Formation De-Phazz mit rund 70.000 verkauften Exemplaren. Beide Produktionen schafften den Sprung in die Top 20 der Album-Charts: "Wir wollen Jazz-Veröffentlichungen auch in Zukunft mit einem Popmarketing versehen, wenn das Potenzial einer CD dies zulässt", meint Kieselbach. Dazu zählen für sie nicht nur Plakatierungen, sondern auch mehrtägige Promotiontourneen und mitunter sogar Videoclips. "Entgegen dem Branchentrend übertrafen wir im Jahr 2001 das Vorjahresergebnis. Unser Ziel ist Wachstum."

Dabei sollen neben Diana Krall vor allem Veröffentlichungen von Künstlern wie Till Brönner, Silje Nergaard und Dee Dee Bridgewater helfen. "Die Jazzabteilung ist für Universal keine Image-Abteilung, sondern wird auch an Umsatzergebnissen gemessen. Unseren Wachstumszielen kommt dabei zugute, dass wir nicht so stark unter der Brennerei leiden, unsere Zielgruppe ist da nicht sehr aktiv."

Auch die Partner in den Outlets stehen im Fokus der Jazz-Abteilung: "Wir unterstützen den Handel stark von hier aus. Unsere Angebote, etwa Snippet-CDs, Poster und Cover-Blow-Ups, werden rege genutzt." Zudem weist sie auf die Zeitschrift "Jazz Echo" mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren hin. Die Hälfte der Auflage gehe über Abos direkt an die Kunden, die andere Hälfte zur Verteilung an den Handel. "Jazz sollte grundsätzlich im High-Price verkauft werden. Die Zielgruppe ist bereit, das Geld auszugeben", meint Kieselbach.

Allerdings würden auch manche Budget-Serien Sinn machen, die einmal pro Jahr erscheinende Sampler-CD unter dem Titel "Verve Today" sei dagegen als reines Marketingtool gedacht. Die aktuellen Geschehnisse im Zuge der Koch-Übernahme beträfen die Jazz-Abteilung bis jetzt kaum, ergänzt Kieselbach: "Wir freuen uns auf jeden Titel, der unseren Katalog künftig bereichert."

Universal Jazz "Wir sind die größte Jazzabteilung in Deutschland", schätzt Astrid Kieselbach. Zu Universal Jazz gehören außerdem: Matthias Künnecke (Product Manager Jazz), Bisseh Akamé (Presse-Promotion), Comfort Agemo (Marketing Assistant) und Katja Wien, die in Kooperation mit der Klassik-Abteilung vor allem die ECM New Series betreut, sowie Tom Lücke(Product Manager ECM). "Wir haben außerdem in den vergangenen zwei Jahren ein Promotion-Netzwerk aufgebaut", erklärt Kieselbach. Während Universal Jazz nur noch die Presse betreut, kümmern sich Rosita Falke von der Agentur Rosita Falke Media Promotion um die Radio-Stationen und Andrea Duddeck von der Agentur Day 2 Day um die TV-Belange. Außerdem setze die Division immer öfter auf TV-Werbung: "Bei kleinen TV-Kampagnen ist das finanzielle Risiko nicht sehr hoch, und gezielte Schaltungen verhindern den Streuverlust." Weitere sieben freie Mitarbeiter sind im Bereich Promotion und Marketing tätig. Lücke und Wien gehen nicht mit nach Berlin, deswegen sucht Universal Jazz in diesen Bereichen neue Mitarbeiter. Die Division entstand aus der 1990 bei Polydor Progressive Music gegründeten Jazzabteilung. Kieselbach, die die Abteilung seit Anfang 2000 leitet, stieß 1993 zum Team.

Die Schwerpunkte "Unser Highlight des Jahres" ist laut Astrid Kieselbach das neue Album von Till Brönner, Blue Eyed Soul" (Verve, VÖ: 4. März). Brönner selbst produzierte das Werk mit dem japanischen DJ Samon Kawamura. Aus dem Album ragen die Songs "Just The Way You Are" als Komposition von Billy Joel sowie das Stück "Dim The Lights" mit dem Sänger Mark Murphy heraus. Wenige Tage nach Veröffentlichung tourt Brönner im März durch zwölf deutsche Städte.

Ebenfalls als deutsches Signing bringt die Formation Mardi Gras.BB ihr drittes Werk, Zen Rodeo" (Boutique), am 18. März heraus. Schon das letzte Album, Supersmell", verkaufte mehr als 12.000 Exemplare. National steht außerdem die zweite Folge der Compilation-Reihe "Mandarin Lounge" an: Mandarin Vol (Boutique) erscheint am 18. März und greift den Downbeat- und Lounge-Trend auf.

Aus den internationalen Themen ragt das Album von Dee Dee Bridgewater, "This Is New" (Emarcy, VÖ: 2. April), heraus: Mit der Hommage an den Komponisten Kurt Weill schreibt die Sängerin den Erfolg des Albums Dear Ella" fort, das bereits mit der "Moritat von Mackie Messer" auf ihre Auseinandersetzung mit dem Werk Weills hinwies. Bridgewater tourt im April durch Deutschland.

Zu den internationalen Schwerpunkten zählen außerdem Mari Boines Album "Eight Seasons" (Emarcy, VÖ: 18. März) mit Bugge Wesseltoft und Nils Petter Molvaer sowie das im Februar erschienene Werk "At First Light" von Silje Nergaard, in Norwegen bereits ein Platin-Star, das zur anstehenden Tour der Sängerin im April erneut in den Fokus rückt.