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GVL warnt vor dramatischen Einnahmerückgängen

Bereits Mitte März stellte die GVL ein Corona-Hilfsangebot bereit. Die Auswirkungen der Pandemie aber wird die Gesellschaft lange spüren. Das machten Tilo Gerlach und Guido Evers bei der Gesellschafter- und Delegiertenversammlung deutlich. Zwar konnten sie für 2019 von einer knapp stabilen Ertragslage berichten, doch für kommende Ausschüttungen sei mit Einschnitten zu rechnen.

18.06.2020 12:15 • von
Rechnen im Zuge der Corona-Krise im schlechtesten Fall mit Einschnitten von bis zu 50 Prozent der regulären Einnahmen: die GVL-Geschäftsführer Guido Evers und Tilo Gerlach (Bild: Dirk Deckbar für GVL)

Bereits Mitte März stellte die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL) - als eine der ersten Organisationen der Musikwirtschaft - ein Hilfsangebot für ihre von der Corona-Krise betroffenen Berechtigten bereit. Dazu gehörten laut aktuellen Angaben Vorschusszahlungen im achtstelligen Bereich und die Coronahilfe, die an mehr als 8000 Künstler und Hersteller ausgezahlt wurde - Anfang April waren es noch gut 6000.

Mit den Auswirkungen der Pandemie aber wird die Verwertungsgesellschaft noch lange zu kämpfen haben. Das machte die Geschäftsführer Tilo Gerlach und Guido Evers nun bei der ordentlichen Gesellschafter- und Delegiertenversammlung am 16. Juni 2020 deutlich. Zwar konnten sie fürs vergangene Jahr von einer knapp stabilen Ertragslage berichten, doch für kommende Ausschüttungen sei mit Einschnitten zu rechnen.

Die längerfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie spüre die GVL demnach schon heute, heißt es aus Berlin. So seien die Einnahmen insbesondere im Bereich der öffentlichen Wiedergabe "dramatisch zurückgegangen". Zudem seien die Werbeeinahmen der Privatsender "ebenso rückläufig wie der für die Privatkopie wichtige Geräteabsatz". Sendevergütungen stellten 2019 übrigens erneut den größten Einnahmebereich der GVL, "dicht gefolgt" von Erlösen aus der Privatkopie.

"Mittelfristig wird die Pandemie somit Auswirkungen auf fast alle Einnahmebereiche der GVL haben", heißt es denn auch bei der GVL: "Im schlechtesten Fall kann es zu einem Einschnitt von bis zu 50 Prozent der regulären Einnahmen kommen, der sich mit zeitlicher Verzögerung auf die Verteilungen im Folgejahr 2021 auswirken würde." Die genauen Folgen der Pandemie auf den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres könne derzeit indes niemand vorhersagen.

Anders sieht das mit dem Jahresabschluss für 2019 aus, die bei der Gesellschafter- und Delegiertenversammlung ebenfalls auf der Tagesordnung stand. So verzeichnete die GVL im Jahr 2019 Gesamterträge in Höhe von 215,5 Millionen Euro und lag damit "weiterhin im Rahmen der Erwartungen". Der Rückgang um 6,3 Prozent zu den 2018 erzielten Erlösen in Höhe von 229,8 Millionen Euro sei dabei vor allem durch den Wegfall von Sondereffekten aus den Vorjahren zu erklären.

"Mit Erlösen von deutlich über 200 Millionen Euro lagen wir 2019 erneut über dem Niveau der Durchschnittseinnahmen der letzten zehn Jahre", bilanzierten die Geschäftsführer Guido Evers und Tilo Gerlach zusammen: "Der zu verzeichnende Rückgang in den Erträgen beruht im Wesentlichen auf dem Wegfall der Sondereffekte durch Privatkopie-Nachzahlungen, die noch in 2018 zum Tragen kamen." So habe man fürs vergangene Jahr insgesamt 187 Millionen Euro an die Berechtigten verteilen können.

Die höchsten Erträge erzielte die GVL im Bereich der Sendevergütungen. Allerdings sanken die Einnahmen in diesem Bereich von noch 92,1 Millionen Euro im Jahr 2018 auf nunmehr noch 88,4 Millionen Euro. Noch deutlicher rückläufig fielen die Erlöse bei den Vervielfältigungsrechten aus, die von zuletzt 83,9 Millionen Euro auf nun noch 72,6 Millionen Euro nachgaben. Knapp im Plus lagen hingegen zum Beispiel die Erträge aus der öffentlichen Wiedergabe mit nun 42,3 Millionen Euro.

Der Verwaltungsaufwand lag mit 21,3 Millionen Euro zwar unter dem Vorjahreswert von 22,1 Millionen Euro, "aufgrund der gesunkenen Vorjahreserlöse" lag der Kostensatz jedoch bei 9,9 Prozent und somit knapp über dem Vorjahresniveau von 9,6 Prozent.

Text: Knut Schlinger