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DMR für koordinierte Forschung zu Ansteckungsgefahr

Der Deutsche Musikrat (DMR) fordert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt auf, gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut Corona-Grundlagenforschung zur Ansteckungsgefahr in geschlossenen Räumen "zu betreiben, zu koordinieren und zur Verfügung zu stellen". Dadurch lasse sich der Konzertbetrieb womöglich "schneller wieder hochfahren".

03.06.2020 16:18 • von Frank Medwedeff
Fordert für die Konzertsäle gleiches Recht wie für Flugzeuge: Christian Höppner (Bild: Deutscher Musikrat)

Erste Studien zum "Corona-Musizieren" geben, wie der Deutsche Musikrat (DMR) meldet, "vorsichtige Entwarnung etwa in Bezug auf den Aerosolausstoß von Blasinstrumenten, der niedriger als erwartet ausfällt". Dennoch gebe es derzeit aufgrund der Abstandsregeln "noch keine verlässlichen Perspektiven für eine Wiedereröffnung von größeren Veranstaltungsräumen, die auch wirtschaftlich praktikabel ist". Flugzeuge dagegen dürften mittlerweile wieder voll besetzt abheben, obwohl auch hier noch nicht abschließend geklärt sei, wie hoch die Ansteckungsgefahr an Bord ist.

DMR-Generalsektretär Christian Höppner formuliert deshalb folgenden Vorschlag: "Der Deutsche Musikrat fordert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) dazu auf, gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut federführend Corona-Grundlagenforschung zur Ansteckungsgefahr in geschlossenen Räumen zu betreiben, zu koordinieren und zur Verfügung zu stellen." Die Entscheidung, Flugzeuge wieder vollbesetzt starten zu lassen, sei "wirtschaftlich begründet", so Höppner. Der Flugbetrieb lohne sich nur mit voll besetzten Reihen, das treffe aber ebenso für den Kulturbetrieb zu, der ein "erheblicher Wirtschaftsfaktor" in Deutschland sei. "Was für Flugzeug und Bahn gilt, muss auch für Konzertsäle gelten", bekräftigt Christian Höppner.

"Falls die Luftfahrtindustrie in ihrer Annahme Recht hat, dass aufgrund der guten Belüftung durch Hochleistungspartikelfilter Fliegen unkritisch sei, könnte dies auch eine gute Nachricht für Veranstaltungsräume mit geräuschminimierter Klimaanlage sein, beziehungsweise es könnte gezielt in solche investiert werden." Doch hierfür benötige man laut Höppner verlässliche Erkenntnisse, wie sie das DLR in einem Forschungsprojekt gerade untersuche. "Jetzt ist Kooperation gefragt, um grundlegendes Wissen - etwa zur Rolle von Luftströmen und -filtern in Bezug auf Corona-Ansteckungen - zu bündeln und zu teilen", meint der DMR-Generalsekretär. "Ein solches Wissensbündnis würde dazu beitragen, dass nicht nur das Transportwesen, sondern auch andere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie der Konzertbetrieb womöglich schneller wieder hochfahren können", stellt Höppner fest.

Aufgrund der Abstandsregeln könnten, wie der DMR bestätigt, derzeit die meisten Konzerthäuser maximal ein Viertel ihrer Publikumsplätze besetzen. An den Häusern, an denen ein Betrieb mittlerweile wieder erlaubt sei - wie am Staatstheater Wiesbaden - werde daher in "Kleinstbesetzung" musiziert. Damit könne kein wirtschaftlich sinnvoller Konzertbetrieb stattfinden, und die künstlerische Freiheit der Programmgestaltung werde "stark eingeschränkt".

"Ohne die Rückkehr zu einem weitestgehenden 'Normalbetrieb' werden selbst gut aufgestellte Häuser wie die Berliner Philharmonie oder das Festspielhaus Baden-Baden bald in finanzielle Notlagen geraten", prophezeit der Deutsche Musikrat.