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Midem-Director Deniot will die Messe auch in der Krise auf Kurs halten

Die Midem wollte die weltweite Musikwirtschaft vom 2. bis 5. Juni erneut in Cannes zusammenführen. Doch wegen der Corona-Pandemie fällt die Messe in diesem Jahr aus. Die Veranstalter stellen derweil eine Midem Digital Edition auf die Beine. Im Gespräch mit MusikWoche erläutert Midem-Director Alexandre Deniot, was er für die kommenden Tage plant, wie es um die Midem steht und wo er die Messe 2021 sieht.

29.05.2020 13:02 • von
Macht die Midem 2020 als digitale Messe möglich, will 2021 aber wieder am Strand von Cannes feiern: Alexandre Deniot (Bild: Koria)

Im Anschluss an das Pfingstwochenende wollte die Midem die Akteure der weltweiten Musikwirtschaft vom 2. bis 5. Juni erneut in Cannes zusammenführen. Doch wegen der Corona-Pandemie muss die eigentliche Messe in diesem Jahr ausfallen. Die Veranstalter der Reed Midem stellen eine Midem Digital Edition als virtuelle Plattform auf die Beine, samt ausgewähltren Kongressinhalten, die die Veranstalter auf ihren Onlineseiten vorstellen, einer neu positionierten Nachwuchsplattform und Elementen wie dem Midemlab-Wettbewerb der Start-up-Szene.

Im Gespräch mit MusikWoche erläutert Midem-Director Alexandre Deniot, was er für die kommenden Tage plant, wie es um die Midem steht und wo er die Messe 2021 sieht.

MusikWoche: Paris, Cannes oder ganz woanders, wo werden Sie sich nun Anfang Juni 2020 aufhalten?

Alexandre Deniot: Ich verfolge die erste Midem Digital Edition von zu Hause aus, sicher, und zusammen mit der ganzen weiten internationalen Musikgemeinschaft! Wir sind stolz darauf, unserer Community nach vier Wochen harter Arbeit einen kostenlosen Onlineservice anbieten zu können, der für alle zugänglich ist. Wir sehen das als einen Beitrag der Midem zur Unterstützung der Musikindustrie in dieser schwierigen Zeit.

MusikWoche: Ein Schwerpunkt der Midem war schon immer das Networking. Glauben Sie, dass eine Midem Digital Edition die Akteure des Geschäfts in Verbindung bringen kann?

Alexandre Deniot: Ja, Networking ist ein grundlegender Bestandteil unserer DNA bei der Midem. Die digitale Ausgabe ermöglicht es uns, das Midem-Netzwerk und die Menschen darüber hinaus zu erreichen und zugleich Menschen aus allen Teilbereichen des Musikgeschäfts international die Chance zu geben, von den Möglichkeiten der Midem zu profitieren, auch wenn sie derzeit nicht in der Lage sind, tatsächlich zu reisen. Neben der Durchführung einer digitalen Ausgabe der Midem können wir die globale Musikgemeinschaft zudem weiterhin über ein spezielles Netzwerk-Tool für Teilnehmer erreichen und durch tägliche "Meet The Speakers"-Sessions im Rahmen der gesamten Midem Digital Edition miteinander in Verbindung bringen.

MusikWoche: Was erwarten Sie von ausgewählten Keynotes, dem Midemlab-Wettbewerb oder dem Talent Explorer: Werden Sie mit diesen Programmpunkten in der Lage sein, für die Midem eine gewisse Aufmerksamkeit zu erreichen?

Alexandre Deniot: Wir sind sehr zufrieden mit unserem Angebot von Keynotes, denn unter den Rednern finden sich einige der führenden Akteure und Künstler des Musikgeschäfts, von denen viele bereits bestätigt wurden, bevor wir uns für die Digitalisierung entschieden haben. Hinzu kommen einige neue Programmpunkte, die wir kürzlich bekannt geben konnten. Mit dabei sind unter anderem T. I., Nasty C., D-Nice, Yamas Tuma Basa oder Wyclef Jean. Die Finalisten für das Midemlab spiegeln zudem die fürs gesamte Geschäft ganz entscheidende Verbindung zwischen Musik einerseits und Technologie andererseits wider. Und die Auswahl beim Talent Exporter umfasst rund 30 Künstler aus fünf Kontinenten, darunter auch Finn Ronsdorf aus Deutschland. Das Programm der Midem Digital Edition kann sich also weltweit sehr gut sehen lassen.

MusikWoche: Kann es sich die Reed Midem als privat geführtes Unternehmen erlauben, ein Geschäft wie die Midem ohne die Einnahmen aus der diesjährigen Ausgabe der Musikmesse fortzuführen? Erhalten Sie öffentliche Gelder oder gibt es ein Rettungsprogramm vom Land Frankreich, vom Pariser Firmensitz oder der Stadt Cannes?

Alexandre Deniot: Wie viele privat geführte Unternehmen versuchen wir, diese beispiellose Krise zu bewältigen und unseren Kurs zu halten. Der Aufbau der digitalen Plattform und die langjährigen Erfahrung der Midem bieten uns ein bedeutendes Potenzial, um ein breiteres globales Publikum aus allen Teilen der Industrie zu erreichen, das auch von unserer Online-Ausgabe profitieren und an unseren künftigen Veranstaltungen in Cannes wieder teilnehmen kann. Wir hatten darüber hinaus tatsächlich schon seit einiger Zeit geplant, eine digitale Plattform zu starten. Die Notwendigkeit, die Midem für 2020 online zu bringen - so unerwartet es in dieser Form auch war - gab uns eigentlich nur den nötigen Anstoß, um diesen Prozess noch zu beschleunigen. Auch in Zeiten von Krisen und Schwierigkeiten finden wir immer neue Möglichkeiten und innovative Geschäftsmodelle, die Bestand haben können.

MusikWoche: Paris, Cannes oder ganz woanders, wo denken Sie, werden Sie im kommenden Jahr um diese Zeit sein?

Alexandre Deniot: Dann bereite ich mich sicher darauf vor, die globale Musikgemeinschaft zu unserer mit Spannung erwarteten Reunion-Edition willkommen zu heißen - zur Feier des 55. jährlichen Midem-Events, das uns vom 1. bis 4. Juni 2021 zurück in unsere Heimat in Cannes führt und zum Feiern an den Strand!

Interview: Knut Schlinger