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Die Branche spricht über Schutz vor den Corona-Folgen

Die Corona-Krise hat massive Auswirkungen auf die gesamte Musikbranche. Ohne die zum Teil schon angelaufene Hilfe drohen Insolvenzen. MusikWoche fragte ausgewählte Firmen, ob die Hilfspakete von Bund oder Ländern angekommen sind, ob sie die Möglichkeit von Kurzarbeit nutzen und wo noch mehr geschehen müsste.

28.05.2020 14:59 • von Dietmar Schwenger
Zeichen für eine veränderte Welt im Zeichen der Pandemie: Maskenträger auf der Straße (Bild: Imago images/ZUMA Wire)

Die Corona-Krise hat massive Auswirkungen auf die gesamte Musikbranche. Ohne die zum Teil schon angelaufene Hilfe drohen Insolvenzen. MusikWoche fragte ausgewählte Firmen, ob die Hilfspakete von Bund oder Ländern angekommen sind, ob sie die Möglichkeit von Kurzarbeit nutzen und wo noch mehr geschehen müsste.

Stefan Vogelmann, Managing Director Broken Silence: Die Corona-Soforthilfe vom Bundesland Hamburg ist eine wichtige Unterstützung für uns als mittelständisches Unternehmen, sie ist schnell und unbürokratisch erfolgt. Wir nutzen für einige Mitarbeiter die Möglichkeit der Kurzarbeit, was vor allem im April eine notwendige Maßnahme war; wobei wir das Kurzarbeitergeld für die betroffenen Mitarbeiter aus eigenen Mitteln sogar erhöhen.

Matthias Kölmel, Geschäftsführer ZSL Betreibergesellschaft: Das gesamte Unternehmen befindet sich in Kurzarbeit. Das ist aber auch das einzige Hilfspaket, welches wir aktuell in Betracht gezogen haben. Die Veranstaltungsbranche ist eine der Branchen, die am längsten von einem Ausführungsverbot betroffen sein wird. Somit müssen die Weichen jetzt gestellt werden, um den Live- und Kulturbetrieb langfristig zu sichern und überhaupt einen Neustart vorzubereiten.

Markus Schwarzer, CEO Cyanite: Wir gehen mit den Staatshilfen verantwortungsvoll um und schicken unsere Leute nur dann in Kurzarbeit, wenn es unausweichlich ist. Wir versuchen es durch Strategieanpassungen und Kapitaleffizienz aus eigener Kraft durch die Krise zu schaffen. Da haben wir als junge und digitale Firma sicher Vorteile, da wir agiler auf Veränderungen im Markt reagieren können.

Hille Hillekamp, Geschäftsführer Grand H: Zum Glück brauchte ich bis jetzt keinerlei Hilfspakete von niemandem anzunehmen. Was aber viele nicht wissen, ist die Tatsache, dass sich die Probleme bei den Musikverlagen in einem Jahr zeigen werden: Dann, wenn die GEMA-Zahlungen für dieses Jahr kommen sollen. Aber ich habe schon mit dem DMV gesprochen und hörte, dass sie dieses Thema schon angeschnitten haben und die Möglichkeiten für Zahlungen auch noch im nächsten Jahr ausloten - für diejenigen, die dann Hilfe benötigen.

Heinz Bross, Geschäftsführer Rimpo in Tübingen: Wir haben rund zehn Tage nach Antragsstellung die Soforthilfe des Bundes erhalten. Problemlos, zeitnah und unkompliziert. Besser geht's nicht. Kurzarbeit nutze ich nicht und habe meine Beschäftigten weiter in Lohn und Brot. Jetzt ist es Aufgabe der Politik, den Menschen Lockerungen plausibel zu erklären und einheitliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

Birgit Heuzeroth, General Manager Beggars Group: Die Beggars Group hat keine Hilfen in Anspruch genommen, keine Kurzarbeit beantragt. Kurz vor dem Lockdown in UK haben wir weltweit auf Home Office umgestellt und verbringen unsere Zeit jetzt in Videokonferenzen wie so viele. Da der Großteil unseres Umsatzes über Streaming generiert wird, hat uns auch die Schließung des stationären Handels nicht so hart getroffen wie zum Beispiel unsere Vertriebe. Einige unserer Labels haben Veröffentlichungen verschoben, andere nicht. Mit Preis-Kampagnen und Aktionen versuchen wir, vor allem den Indie-Handel zu unterstützen, der uns sehr am Herzen liegt.

Matthias Lutzweiler, Geschäftsführer Naxos Deutschland: Als Naxos-Gruppe in Deutschland und Österreich sind wir als Label, Vertrieb und aktiv sowohl im physischen wie auch digitalen Bereich zum Glück sehr breit aufgestellt, konnten aktuell aber von Hilfen auch profitieren. Kurzarbeit ist derzeit kein Thema, trotzdem müssen wir wie alle anderen sehr auf die aktuelle Situation achten, gerade jetzt im Hinblick auf die eher umsatzschwächeren Sommermonate. Hier haben wir zusätzlich die Belastung, dass natürlich wichtige Festivals leider ausfallen, in deren Umfeld wir und unsere Handelspartner vor Ort sonst Konzertverkäufe eingeplant hatten. Gleichwohl hat der April im stationären Handel zu heftigen Einbußen geführt, digital konnten wir sehr zulegen. Vor allem geholfen hat uns die schnelle und sehr unbürokratische Hilfe der GVL, indem an Hersteller (und Künstler) Gelder in Form von Abschlagszahlungen ausgeschüttet wurden - das stellt für uns eine sehr große Hilfe dar. Generell sind Hilfen, vor allem für die kleinen Soloselbständigen, bisher immer noch nicht genau definiert, und wir hören von vielen Künstlern, Honorarkräften, Freiberuflern und anderen, bei denen eine Hilfe noch gar nicht angekommen ist. Hier müsste viel besser nachjustiert werden.

Alexandra Dörrie, Geschäftsführerin Another Dimension: Ich habe am 30. März Corona-Soforthilfe bei der Stadt München beantragt, direkt nachdem der Onlinelink live war, aber Stand heute ist noch keine Hilfe an mich geflossen. Ich habe mich Mitte April bei Herrn Söder darüber beschwert und wurde in einem Antwortschreiben darauf hingewiesen, dass man sehr viele Anträge zu bearbeiten hätte. Was mich aber auch wundert ist, dass meine Kollegin, die frei für mich arbeitet, die Soforthilfe vom Land München bereits erhalten hat und Freunde in ähnlichen Arbeitssituationen in Berlin und NRW direkt die Soforthilfe bekommen haben. Was sich meiner Meinung nach ändern sollte, ist die Frage nach den Betriebsausgaben bei Soloselbstständigen, die ich dann Anfang Mai angeben sollte. Ich habe natürlich Betriebsausgaben, aber als Soloselbstständige habe ich zudem auch Ausgaben für Versicherungen, private Rente und einiges mehr, was dort nicht mit berücksichtigt wird - von anderen Ausgaben wie Lebensunterhalt ganz zu schweigen. Das geht meines Erachtens völlig an der Arbeitssituation vieler Soloselbstständiger nicht nur in der Musikbranche vorbei. Natürlich muss ich mich in Sachen Krankenversicherung und Rente absichern und nehme Beiträge aus dem erwirtschafteten Gewinn. Die bayerische Regierung und die Stadt München arbeiten da leider völlig an der Realität vorbei. Außerdem wäre es gut, bei den Anträgen einen Sachbearbeiter und eine Stelle zu haben, bei der man Rückfragen kann. Auch dies gibt es nicht, wie ich bei einer telefonischer Anfrage bei der Stadt München erfahren musste.

Christof Strimitzer, Leitung Marketing und Kommunikation, Messe Congress Graz MCG: Die Corona-Krise hat unsere Gesellschaft unausweichlich hart getroffen. Seit Mitte März ist nichts mehr, wie es zuvor war. Die gesamte Veranstaltungswirtschaft ist vom geltenden Veranstaltungsverbot existenziell betroffen. Wir sprechen hier nicht nur von großen Locations wie sie die MCG mit Stadthalle Graz & Co betreibt. Jeder Techniker, Künstler, Veranstalter ist betroffen - angefangen beim selbstständigen Einzelunternehmer bis hin zu großen Firmen mit hunderten Angestellten. Unser gesamtes Team ist seit Beginn des Lockdowns in Kurzarbeit und hält unser System großteils aus dem Home Office heraus am Laufen.

Ernst-Ludwig Hartz, Geschäftsführer E.L.Hartz Promotion: Die Hilfsmaßnahmen sind auf jeden Fall ein Anfang und auch wir nutzen sie. Wenn die Veranstaltungen aber noch monatelang nicht stattfinden können, sind weitere Maßnahmen für das Überleben vieler notwendig.

Marcus Fitzgerald, CEO gigmit: Bei uns sind bisher keine Hilfen angekommen. Unser Unternehmen ist über zehn Mitarbeiter groß und passt als Start-up nicht in die klassischen Dynamiken, die für die Kreditprogramme gelten. Wir hoffen auf weitere Förderpakete und Konjunkturprogramme, die weit ausgelegt sind und vor allem die Hausbanken nicht involvieren. Denn in der Kulturbranche gilt ebenso wie bei den Start-ups: Hausbanken sind leider zu konservativ und haben keine angepassten Modelle zur Beurteilung ihrer Kredite oder Förderpakete. Kulturbetriebe und innovative Start-ups müssen anders bewertet werden und brauchen die richtigen Entscheider, die das verstehen. Unserer Erfahrung nach sitzen diese eher bei den Stiftungen wie Initiative Musik, dem Musicboard oder vergleichbaren Länderorganisationen und den Förderbanken für die Start-ups. Ein für die Kreativwirtschaft speziell aufgelegtes Konjunkturprogramm halte ich für sinnvoll.

Michael Menges, Geschäftsführer Michael Menges Musikmanagement: Die Hilfspakete von Bund oder Ländern sind sehr unterschiedlich bei Unternehmen und Künstlern angekommen. In Baden-Württemberg, Berlin und Hamburg wurden die Hilfspakete meiner Kenntnis nach sehr rasch umgesetzt und sind größtenteils bei den Unternehmen und Künstlern innerhalb weniger Tage nach Antragsstellung angekommen. Jedoch aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland habe ich sehr, sehr viele Rückmeldungen von Künstlern erhalten, dass sie lange Zeit auf Antworten und Zahlungseingang nach Antragstellung warten mussten. Viele Künstler und Veranstalter geben mir aktuell eine Rückmeldung, dass sie große Sorge haben, dass ihr "Corona-Live-Berufsverbot" sich bis nach 2021 zieht und sie trotz Hilfs¬paket bereits im August oder September 2020 keine finanziellen Reserven mehr haben. In diesem Fall müsste ein zweites Hilfspaket aufgelegt werden, sonst kommt es zu einer Insolvenzwelle von Künstlern und Veranstaltern.

Peter Klapproth, Geschäftsführer Head Of PR: Da unsere Auftragslage noch gut und das zu leistende Arbeitsvolumen weiterhin hoch ist, haben wir weder auf Kurzarbeit umgestellt noch Soforthilfen beantragt. Momentan sollen zuerst die Unternehmen von den Hilfen profitieren, deren Geschäfte unmittelbar in ihrer Existenz bedroht sind. Wir hoffen, auch in Zukunft nicht auf die Hilfen angewiesen zu sein, können das aber natürlich nicht garantieren. Es stimmt uns jedoch zuversichtlich, dass beantragte Soforthilfen zügig überwiesen wurden, wie es mir von mehreren Seiten berichtet wurde. Die Erhaltung der Liquidität über kurzfristige Soforthilfen hinaus ist für das Überstehen der Pandemie-Krise ebenfalls essentiell. Dass die Kulturförderung inzwischen in der öffentlichen Diskussion angekommen ist und kürzlich weitere Hilfsprogramme für Kulturschaffende in Aussicht gestellt wurden, ist da ein positives Signal.

Maren Kumpe, Geschäftsführerin Music Matters: Ich arbeite gerade noch zwei Albumthemen zu Ende - und danach ist für mich im Musikbusiness Schluss. Dies war schon seit Monaten geplant, hat nichts mit Corona zu tun, sondern vielmehr damit, dass ich inzwischen mein Geld woanders verdiene und für mich im Promotionbereich keine Zukunft mehr sehe. Corona hat mir jetzt lediglich die Tourpromotion-Projekte, die ich noch im April/Mai arbeiten wollte, weggenommen. Daher habe ich auch keine Gelder beim Senat beantragt, da ich die Voraussetzungen (Musikpromotion als Haupteinnahmequelle) nicht mehr erfülle.

Jan Mewes, Geschäftsführer Mewes Entertainment Group: Unsere Mitarbeiter sind seit Ende März in Kurzarbeit. Die Hansestadt Hamburg macht es besonders kompliziert mit ihren Hilfspaketen. Diese wurden bei uns abgelehnt, da wir einen Konzern (DEAG) als Gesellschafter haben. Ich empfinde es als Unding, dass sich unsere Branche mit über fünf Milliarden Jahresumsatz erklären muss und dafür kämpft, als systemrelevant eingestuft zu werden. Es muss ganz klar einen Rettungsschirm geben, um alle Beteiligten in dieser Branche zu schützen und zu retten. Ich unterstütze die Vorhaben aller Musikverbände und hoffe, dass deren Bestreben gehört und umgesetzt wird.

Oliver Franke, Geschäftsführer Berlinièros PR: Wir konnten die Soforthilfe für Kleinunternehmen in Anspruch nehmen. Das hat in der Liquidität geholfen, sodass wir nicht auf Kurzarbeit umstellen mussten. Allerdings trifft uns der Eventstopp sowohl im Konzert- und Festival- als auch Sportbereich natürlich sehr hart. Das ist ein erheblicher Teil unseres Kerngeschäfts - und da ist aktuell viel weggebrochen. Man kann hier nur darauf hoffen, dass es in absehbarer Zeit einen Impfstoff gibt und Großveranstaltungen wieder stattfinden können. Je länger das dauert, umso mehr muss der Staat hier finanziell unterstützen. Ich denke, die Bundesregierung weiß konkret gar nicht, wie viele Arbeitsplätze an der Veranstaltungswirtschaft dranhängen.

Stefan Reichmann, Geschäftsführer Raum 3/Haldern Pop: Die Hilfspakete sind angekommen, Kurzarbeit haben wir auch ein bisschen. Zu tun gibt es jetzt eine ganze Menge, nur Geld verdienen wir gerade nicht. Sicherlich eine skurrile Situation, aber nicht der Zeitpunkt, uneingeschränkt zu fordern, bestenfalls zu hoffen, dass Politik und Gesellschaft durch diese Krise die Dringlichkeit von Kultur im Umgang miteinander erkennen und wertschätzten.

Laura Kneip, Geschäftsführerin Impuls Musicconsulting: Den Corona-Zuschuss habe ich nicht in Anspruch genommen. Denn seit Februar diesen Jahres steht fest, dass ich zusätzlich zu meinen Online-Coachings und meiner Verlagsarbeit mit Sony/ATV ab Juni als Senior A&R für Sony Music tätig sein werde. Daher wollte ich anderen Selbstständigen, die finanziell eher von der Krise betroffen sind, bei den Hilfsprogrammen den Vortritt lassen. Die letzten Wochen konnte ich sehr gut mit meinem Online-Coaching-Programm überbrücken, das wirklich super angelaufen ist.

Maximilian Wentzler und Hauke Steinhof, Z'ART Agency: Generell möchten wir uns als erstes bedanken. Wir sind ein Berliner Unternehmen und haben zu Beginn der bestehenden Ausnahmesituation schnelle und unkomplizierte Hilfen seitens des Bundes und des Landes Berlin bekommen. Diese Hilfeleistung wurde den Berliner Unternehmen recht schnell zur Verfügung gestellt und hat in Verbindung mit den neuen Regelungen zur Kurzarbeit dafür gesorgt, dass wir eine Planungssicherheit zumindest für die ersten Monate direkt ermöglichen konnten. Allerdings gehen wir jetzt in den dritten Monat dieses Ausnahmezustands, die Hilfen sind mittlerweile aufgebraucht. Hinzu kommt leider, dass sich die Politik sowohl auf Länder- als auch auf Bundeseben davor sträubt, eine planbare Rechtssicherheit für Veranstalter herzustellen. Tourneen brauchen eine Vorplanung, im absoluten Minimum von mindestens drei bis vier Monaten. Aufgrund der unklaren Lage sind wir mittlerweile sogar gezwungen, die Tourneen aus dem dritten und vierten Quartal 2020 in das nächste Jahr zu schieben. Alles andere wäre unseriöses Wirtschaften. Das bedeutet aber leider auch, dass wir Veranstalter zwar Eintrittskarten für Tourneen oder Festivals für 2021 verkaufen dürfen, nur leider bei allen Fans auch sehr große Unsicherheit vorherrscht, ob es sich denn überhaupt lohnt, eine Karte schon jetzt zu kaufen. Dadurch entsteht Stillstand verbunden mit höheren Kosten, so werden zum Beispiel Marketingstrategien in der Regel an den Verlauf der Kartenverkäufe angepasst. Das alles bedeutet eine extreme Neubewertung des täglichen Geschäfts. Wir haben uns bewusst dafür entschieden im privatwirtschaftlichen Bereich tätig zu sein und haben es gelernt, mit sehr kleinen Margen vernünftig zu haushalten. Allerdings wäre in der aktuellen Situation eine Unterstützung zum Beispiel in Form von deutlich vereinfachtem Zugang zu staatlichen Fördermaßnahmen sehr zu begrüßen. Als negatives Beispiel müssen wir hierbei leider deutlich sagen, dass es für uns als Berliner Unternehmen quasi unmöglich ist, Zugang zu Fördermitteln für unser geliebtes und vor allem einzigartiges Sacred Ground Festival in der Uckermark zu bekommen, da dort ja zwei Bundesländer involviert sind. Des Weiteren gab es den begrüßenswerten Vorschlag beziehungsweise Gesetzesänderung, dass Gastronomen - wenn auch zeitlich begrenzt - von der Mehrwertsteuer (auf Speisen) befreit werden. Warum können Ticketgelder oder Kosten in der Veranstaltungsbranche nicht genau so behandelt werden? Leider hat es die Veranstaltungsbranche bisher versäumt, einen starken Verband als Sprachrohr für ihre Interessen aufzustellen, der Gehör findet in der Politik. Dies ist zum Teil selbstverschuldet, zum anderen Teil aber auch systemimmanent begründet, da die Veranstaltungsbranche sehr divers aufgestellt ist. Es gibt verschiedene Initiativen, die aber nicht gemeinsam und erst recht nicht koordiniert vorgetragen werden, was wir selbstverständlich sehr bedauern.

Maik Klokow, CEO & Produzent Mehr-BB Entertainment: Die gesamte Unternehmensgruppe Mehr-BB Entertainment ist mit all ihren Tochterfirmen seit Mitte März in Kurzarbeit und damit einhergehend zum größten Teil auch im Home Office. Die Lage ist wie für alle Kulturschaffenden aktuell auch für uns sehr unübersichtlich. Die in Aussicht gestellten Lockerungen bedürfen näherer Erläuterungen der Städte und Kommunen, damit wir verlässlich planen können. Wir brauchen dringend klare Definitionen für die allgemein gehaltenen Ausdrücke wie "kleine Theater", "große Theater" oder Großveranstaltungen usw. Hinzu kommen die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Anordnungen, so dass wir gerade für den Tourneebetrieb nur schwer bis gar nicht planen können. Aktuell können wir leider keine verlässliche Aussage treffen, wann wir den Spielbetrieb unter welchen Auflagen wieder aufnehmen können. Neben der Verabschiedung der neuen Gutscheinregelung, die eine große Hilfe in der Liquiditätsgestaltung der Unternehmen ist, würden wir einen "Kultur-Sicherungs-Fonds" in Deutschland für die privatwirtschaftlich betrieben Kultureinrichtungen begrüßen. Rückerstattungen von Eintrittsgeldern für Kunden können aus diesem Fonds beglichen werden, die Veranstalter, Spielstätten sowie Künstler und Kulturschaffenden können ihre Kosten, die durch den Shutdown oder Reduktion auf geringere Kapazitäten verursacht wurden, erstattet bekommen. Direkt-Hilfen für die Erhaltung des vielfältigen Kulturprogramms wären ebenfalls aus diesem Fonds zu befriedigen. Während alle Veranstalter und Veranstaltungsstätten sehr darum bemüht sind, alle Kunden auf neue Konzert- oder Showtermine umzubuchen, sich die Kulturschaffenden, Musiker und Künstler um neue oder ergänzende Einnahmen bemühen, ist absehbar, dass in kürzester Zeit die Reserven der Beteiligten aufgebraucht sind und die Einnahmen weiterhin ausbleiben, was zu existentiellen Krisen führt. Die Einschränkungen wie zum Beispiel "Social Distancing", die eine Vielzahl von Veranstaltungen auch künftig und möglicherweise noch langfristig unmöglich machen werden, erfordern ein schnelles Handeln um Perspektiven für alle Beteiligten aufzuzeigen und die Vielfalt des Kulturangebots für die Menschen in Deutschland und ihre Gäste zu sichern. Zu Beginn wäre ein Kultur-Sicherungs-Fonds in Höhe von fünf Milliarden Euro durch die Bundesregierung eine Lösung. Dies wäre ein zinsloses Darlehen an die Veranstaltungsbranche und die Kulturschaffenden. Diese könnten sich verpflichten, den Fonds nach der Krise mit einem Prozentsatz von 0,5 Prozent aller Ticketumsätze wieder aufzufüllen und diesen somit zu einem langfristigen Instrument zur Kultursicherung auch über Covid-19 hinaus zu etablieren. Kultur ist nicht entbehrlich und in jedem Fall systemrelevant. Dies gilt es mit allem Nachdruck deutlich zu machen.

Zusammenstellung: Jonas Kiss, Frank Medwedeff, Norbert Schiegl, Knut Schlinger, Dietmar Schwenger