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Merch-Anbieter entdecken Masken als neues Geschäft

Der Stillstand des Festival- und Konzertgeschäfts hat auch Folgen für die Merchandise-Hersteller. MusikWoche wollte wissen, wie sich der Lockdown auf die Vermarktung von Musik-Merchandise auswirkt und ob sich mit dem Verkauf von Gesichtsmasken ein neues Umsatzfeld eröffnet.

28.05.2020 10:59 • von Jonas Kiß
Können mit »jedem denkbaren Wunschmotiv« bedruckt werden: Masken von COFO (Bild: COFO Entertainment)

Der Stillstand des Festival- und Konzertgeschäfts hat auch Folgen für die Merchandise-Hersteller. MusikWoche wollte wissen, wie sich der Lockdown auf die Vermarktung von Musik-Merchandise auswirkt und ob sich mit dem Verkauf von Gesichtsmasken ein neues Umsatzfeld eröffnet.

»Selbstverständlich erleidet auch das Merch-Geschäft durch den flächendeckenden Wegfall eines wesentlichen Streams - den Liveshows und Festivals - erhebliche Umsatz- und Gewinneinbrüche«, berichtet Reinhardt Grahl, Geschäftsführer Meistersinger Konzerte: »Zwar performt der Onlinehandel deutlich stärker, jedoch lassen sich die Defizite, welche durch den Wegfall der Live Events entstehen, damit keineswegs ausgleichen.«

Nun verstärkt Masken oder Schals als Merchandise anzubieten, könne für zusätzlichen Umsatz sorgen. »Der große Heilsbringer werden diese Produkte jedoch nicht sein, da der generelle Bedarf kurzfristig gedeckt und das Konkurrenzangebot vielfältig ausfallen sollte«, so Grahl.

Laut Karsten Fuhrken, Geschäftsführer The Merch Republic (TMR), sei der Markt der Mundbedeckungen im Moment noch sehr unübersichtlich: »Nach anfänglichem Zögern vieler Künstler, diese Produkte als Merchandise anzubieten, bekommen wir nun verstärkt Nachfragen dazu.« Für Fuhrken lässt sich der Ausfall aller Tourneen jedoch nicht durch den Onlineverkauf der Künstler kompensieren. »Welche Folgen das für TMR hat, lässt sich im Augenblick seriös noch gar nicht abschätzen. Da es keinen belastbaren Plan gibt, ab wann wieder mit Shows gerechnet werden kann, ist alles diesbezüglich reine Spekulation. TMR hat den Großteil des Umsatzes bei Liveshows gemacht. Ohne Liveshows kein Umsatz«, bilanziert Fuhrken.

Das sieht Simon Klass, Geschäftsführer Concert-Merchandising, ähnlich: »Grundlegend lässt sich erst einmal festhalten: Keine Veranstaltung - kein Merch-Verkauf! Zwar versuchen wir diese Situation mithilfe von Onlineshops zu kompensieren, und machen teilweise auch neue Produkte exklusiv für diese Shops, aber gänzlich wird der entgangene Umsatz sicher nicht aufgefangen.« Nun produziert Concert-Merchandising ebenfalls Schutzmasken für diverse Festivals und Künstler. »Jedoch rechnen wir nicht damit, dass die damit erzielten Umsätze ausreichen, um die Ausfälle aufzufangen«, räumt auch Klass ein.

Durch den Lockdown fallen nicht nur Live-Produktionen aus, auch zahlreiche Labels verschieben ihre Veröffentlichungen. Das habe ebenfalls einen Einfluss auf den Merchandise-Absatz, wie die Monkeydrive-Geschäftsführer Sascha Rippberger und Andreas Bendel berichten. »Alles in allem bedeutet das für uns einen Umsatzeinbruch von rund 50 bis 60 Prozent.« Gleichzeitig erleben sie, wie die Onlineumsätze anziehen. Nun verstärkt auf Masken im Produktsortiment zu setzen, sei für Rippberger und Bendel allerdings keine Option.

»Mund- und Nasenmasken sind vor allem in Japan und Korea schon lange ein Fashion- und Merchandise- Accessoire. Modelabel haben diesen Trend schon vor der Krise aufgenommen. Als Fashion-Accessoire haben sie in Zukunft eine Berechtigung im Merchandise-Sortiment, als Schutzmasken hingegen nicht. Unsere Erfahrung ist, dass sich Künstler im Moment sehr zurückhaltend äußern, da sie keinen Profit aus der Krise schlagen wollen. Im Fußball hingegen verkaufen sich die Masken extrem gut, da die Angebote in der Regel an Charity-Projekte gekoppelt sind.«

Die Eventfirma COFO Entertainment mit Hauptsitz in Passau hat bereits umgesattelt. Normalerweise veranstaltet COFO Konzertreihen wie den Raiffeisen Kultursommer und Shows wie »Falco - Das Musical«. Nun produziert Firmenchef Oliver Forster in Zusammenarbeit mit dem Berufsbekleidungshersteller Feuchter Gesichtsmasken. Bis zu 100.000 Stück der »qualitativ hochwertigen« Masken können demnach pro Woche hergestellt werden. Bis Ende Juni 2020 sollen es bereits über eine Million sein. Bedruckt werden können die Masken »mit jedem denkbaren Wunschmotiv«. Zu beziehen sind die Masken nicht nur in großer Auflage ab 500 Stück für Vereine, Firmen oder Handelsketten, sondern auch stückweise für den Endverbraucher im Webshop unter kultmasken.de.