Livebiz

Berliner Bookingzusammenschluss wendet sich an die Politik

Unter dem Namen Booking United verlangt eine Initiative und Interessengemeinschaft aus rund 50 Berliner Booking-, Management- und Tourneeagenturen und den von ihnen vertretenen DJs und Künstlern "schnelle und effiziente Hilfsmaßnahmen" von der Politik.

12.05.2020 16:52 • von Dietmar Schwenger
Fordert Hilfsmaßnahmen: Booking United (Bild: Screenshot, Booking United)

Unter dem Namen Booking United verlangt eine Initiative und Interessengemeinschaft aus rund 50 Berliner Booking-, Management- und Tourneeagenturen und den von ihnen vertretenen, rund 1000 DJs und Künstlern "schnelle und effiziente Hilfsmaßnahmen" von der Politik. Im Vorstand von Booking United sind Juliane Kindermann und Markus Nisch aktiv, als Sprecherin für die Künstler fungiert Anja Schneider, als Sprecherin für die Iniative engagiert sich Patci Weil.

Zweck der neugegründeten Gemeinschaft sei die Vertretung der eigenen wirtschaftlichen Interessen wie auch diejenigen der von den Agenturen vertretenen Künstlern, Mitarbeitern und Freelancern. "In der aktuellen Phase der Covid-19-Pandemie geht es uns vor allem darum, unsere unternehmerische Situation vorzubringen, mit dem vorrangigen Ziel, den Bestand unserer Branche dauerhaft zu sichern, da sie in ihrer Existenz bedroht ist."

Mit der Absage aller Veranstaltungen weltweit sei das Einkommen für das laufende Jahr zu 100 Prozent verloren, auch sei noch kein zeitlicher Rahmen für eine Wiederaufnahme des regulären Geschäftsbetriebs absehbar. "Wir fordern daher die Politik auf, insbesondere die verantwortlichen Ansprechpartner aus den Bereichen Kultur und Wirtschaft, uns zuzuhören, zu handeln und gemeinsam mit uns durch diese schwierige Phase zu gehen."

Man sei dankbar für die bisherigen Pakete und Zuwendungen, sehe aber dringenden weiteren Bedarf. Auch sei man bereit, an einem gemeinsamen konstruktiven Prozess mitzuwirken. Booking United fordert deswegen eine sofortige Hilfe für Kulturschaffende aller Art - auch für die 80 Prozent der Künstler, die von der Regelung der Ausfallhonorare für freiberufliche Künstler nicht profitieren. "Daher fordern wir analog zu den vom Bund geförderten Kulturinstitutionen Ausfallhonorare von bis zu 60 Prozent für alle Künstler, wenn eine Gage unter 1000 Euro vorgesehen war und von 40 Prozent bei Gagen über 1000 Euro mit einer Obergrenze des Ausfallhonorars von 2500 Euro.

Als zweiten Forderungspunkt nennt die Initiative einen "Stufen/Phasenplan" für Clubs, Veranstalter und Agenturen. Dabei geht es um einen "verlässlichen Zeitplan für den Neustart von Clubs und Veranstaltungen mit verbindlichen Vorgaben zu Beschränkungen und Hygienevorschriften für den Veranstaltungsbetrieb, die genaue Definition von Veranstaltungsgrößen und -formaten sowie mit anwendbaren Verfügungen in Bezug auf Hygieneregelungen". Es müsse absehbar werden, wann die Agenturen ihre Tätigkeit wieder aufnehmen können.

Dritter und letzter Punkt des Forderungskatalogs sind Soforthilfepakete. "Als Unternehmer*innen und Selbstständige sind wir dankbar für die bisher teilweise in Anspruch genommenen Soforthilfepakete. Diese sind allerdings auf drei Monate ausgelegt, bei vielen decken sie nicht einmal die Kosten für den ersten Monat", heißt es in dem Offenen Brief. Dazu gehören auch steuerrechtliche Fragen wie Zahlung von Einkommensteuer. Auch fordere man die Anpassung des Soforthilfepakets IV oder die Einrichtung eines entsprechenden neuen Pakets für Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten.

Die zur Verfügung gestellten Mittel müssten frei für betriebliche Zwecke, Gehälter der Mitarbeiter, aber auch zur Deckung der absolut notwendigen Lebenshaltungskosten von Inhabern und Geschäftsführern genutzt werden können. Man benötige Soforthilfe in Form von zu 100 Prozent abgesicherten Krediten. "In der aktuellen Situation ist eine Kreditaufnahme mit einer Absicherung von 90 Prozent oder gegebenenfalls sogar weniger unmöglich, Kredite werden aufgrund der fehlenden konkreten, verlässlichen Rahmenbedingungen nicht gewährt. In den allermeisten Fällen sind Kredite jedoch überhaupt keine tragbare Lösung, da eine Rückzahlung wirtschaftlich nicht darstellbar ist."

Die Agenturen rechnen für 2021 mit erheblichen Umsatzeinbußen von 30 bis 40 Prozent, "da bereits jetzt viele Veranstalter aufgrund ihrer eigenen misslichen wirtschaftlichen Lage eine erhebliche Reduzierung der Gagen fordern", heißt es in dem Schreiben weiter. "Einige Veranstalter werden die aktuelle Phase gar nicht überstehen, zudem wird es erst einmal eine Fokussierung auf den Heimatmarkt geben, was den Wettbewerb verschärfen wird. Mit einer wirksamen internationalen Konsolidierung ist nicht vor 2022 zu rechnen."

Deswegen fordert die Initiative ein Soforthilfepaket für einen Zeitraum von drei Monaten mit Zuschüssen gestaffelt nach der Anzahl der Mitarbeiter. Bei einem bis drei Mitarbeitern sollen das 7500 Euro sein, bei vier bis zehn Angestellten 15.000 Euro und bei über zehn Mitarbeitern 25.000 Euro. Für Solo-Selbstständige fordere man im Rahmen eines Soforthilfepakets einen Zuschuss in Höhe von 4500 Euro.

Unterzeichnende:

3000Booking

4444Time

Apelago

Artist Alife

Belisa Booking

Clique Bookings

Cocoon

District 4

Effect Artist Management

Encode Talent

Family Affairs

Four Artists

FrameWorks Agency

Frills

Geist

Higher Ground

I-am-Mgmt

Jackmode

Katzengold

Kittball

Ledger Line

Lila Bookings

Little Big

Macorma

Management Etienne Heraud

Monkeytown Music - Andrea Wünsche

Neptune

NeverMindBooking

Odd Fantastic

Orbit Booking

Outlined-AM

Paracou

Pearls Bookings

Plantage 13 Booking

Poly

Potnia Theron

Pullproxy

Reprise Talent

Republik Management

Return Booking

Ritter Butzke Artist

Saevi Agency

Sasomo

Spar-Ks

Stil vor Talent

Talk Talk

Temporary Secretary

The Bliss Office

This is Fun

Times Artists

Triangle Agency

Vice Versa

Vivid Artists

W Agency

Wilde Booking

WWDC