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Weitere Festivals abgesagt

Die Entscheidung von Bund und Ländern, Großveranstaltungen bis Ende August zu untersagen, bedeutete das Aus für den Festivalsommer. Entsprechend melden sich nun die Festivalveranstalter unter anderem von Wacken und Rock am Ring mit ihren Absagen.

16.04.2020 10:20 • von Dietmar Schwenger
Mussten Wacken absagen: die Festivalgründer Thomas Jensen (links) und Holger Hübner (Bild: ICS)

Die Entscheidung von Bund und Ländern, Großveranstaltungen bis Ende August2020 zu untersagen, bedeutete das Aus für den Festivalsommer. Entsprechend melden sich nun die Festivalveranstalter unter anderem von Wacken mit ihren Absagen.

"Wir stehen vor einer Situation, wie wir sie in 30 Jahren noch nicht erlebt haben, denn wir müssen schweren Herzens mitteilen, dass es in diesem Jahr leider kein Wacken Open Air geben wird", sagt der Festival-Mitgründer Holger Hübner. "Unser gesamtes Team hat auch in den letzten Monaten intensiv an dem Festival gearbeitet. Desto mehr sind wir alle enttäuscht, dass wir in diesem Jahr kein Wacken Open Air mit unseren Besuchern und den Bands feiern dürfen."

Sein Geschäftspartner Thomas Jensen ergänzt: "Diese Nachricht trifft uns tief und muss auch von uns erst einmal verarbeitet werden. Dennoch tragen wir in dieser für die gesamte Welt schwierigen Lage die Entscheidung der Bundesregierung mit. Die Gesundheit und Sicherheit aller Besucher, Künstler, Mitarbeiter, Gewerke, Sicherheits- und Rettungskräfte, Behördenmitarbeiter sowie aller weiterer Teilnehmer hat stets höchste Priorität für uns. In der aktuellen Situation sehen wir uns als Veranstalter daher in einer noch weiter reichenden Verantwortung und folgen den Anweisungen der Experten."

Live Nation teilt derweil mit, dass das verfügte Verbot die Absage der Jubiläumsevents am Nürburgring und in Nürnberg erzwinge. "Für die Veranstalter und ihre Teams, die Künstler und 175.000 Fans, die am ersten Juni-Wochenende 35 Jahre Rock am Ring und 25 Jahre Rock im Park feiern wollten, ist diese alternativlose Entscheidung natürlich enttäuschend. Dennoch haben die Produzenten uneingeschränktes Verständnis für diese unausweichliche Maßnahme im Interesse der Sicherheit und Gesundheit aller Beteiligten, so traurig die Absage der ausverkauften Zwillingsfestivals ist", heißt es aus Frankfurt. "Gemeinsam mit der Live-Musikbranche richten sich nunmehr alle Hoffnungen auf die Zeit nach dem Ende des Ausnahmezustandes. Die Neuansetzung der Jubiläumsfestivals von Rock am Ring und Rock im Park ist jetzt für das zweite Juni-Wochenende 2021 terminiert."

Ebenfalls aus Frankfurt meldet sich BigCityBeats-Chef Bernd Breiter: "Wir sind sehr traurig, dass die BigCityBeats World Club Dome Las Vegas Edition 2020 nicht stattfinden kann. Aber lasst uns gemeinsam in die Zukunft schauen. Denn 2021 wird größer, länger und lauter." So soll die Veranstaltung 2021 statt bislang drei dann vier Tage dauern.

Und auch das Elektronikfestival Airbeat One teilt nun mit: "Viele positive Gedanken haben Euch und uns die letzten Wochen durch diese schwere Zeit getragen. Bis zur letzten Minute haben wir gehofft, dass sich die Situation bis zum Juli wieder bessert und wir mit Euch ein sonniges und freudvolles Airbeat One Festival zelebrieren können." Nun gebe es traurige Gewissheit, dass das Festival 2020 nicht stattfinden werden könne. Das ist für die Veranstalter besonders bitter, da man dieses Jahr laut eigenen Angaben einen neuen Besucherrekord erzielt hätte.

Auch das Freiburger Zelt-Musik-Festival (ZMF) sieht sich gezwungen, das diesjährige Festival ausfallen zu lassen. "Das ist sehr bedauerlich, jedoch steht das ZMF-Team hinter diesen Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung und begrüßt die jetzt vorhandene Planungssicherheit. Derzeit wird noch geklärt, ob einzelne Konzerte auf das nächste Jahr verlegt werden", lässt die veranstaltende ZMF GmbH wissen.

Marc Oßwald ist nicht nur als Geschäftsführer des ZMF von der Verlängerung des Verbots an Großveranstaltungen betroffen, sondern auch in seiner Tätigkeit in gleicher Funktion für die vornehmmlich als örtlicher Veranstalter firmierende Firma Vaddi Concerts mit Büros in Freiburg und Tübingen. Aus Vaddi-Sicht kommentiert Oßwald: "In der aktuellen Situation ist es nur konsequent und richtig, Großveranstaltungen abzusagen, ich habe dafür volles Verständnis. Natürlich ist es schade und für alle Musikfans äußerst bedauerlich, dass große Konzerte unter anderem mit Udo Lindenberg, AnnenMayKantereit oder SDP in Freiburg oder die Sommerfestivals in Balingen, Rastatt und Tettnang 2020 abgesagt werden müssen. Auf der anderen Seite ist die Entscheidung der Bundesregierung richtig und eine verständliche Sicherheitsmaßnahme zum Schutz der Bevölkerung." Viele Veranstaltungen von Vaddi Concerts seien bereits in den Spätherbst 2020 oder in den kommenden Winter beziehungsweiseise ins Frühjahr 2021 verlegt worden, und man bemühe sich auch für die nun neu zu streichenden Sommertermine, diese "für die Besucher sinnvoll und zumutbar zu verschieben". Ansonsen verweist Vaddi auf die Umsetzung der Gutscheinregelung als Ausgleich für bereits gekaufte Tickets.

Das Zeltfestival Ruhr (ZfR) ist nach dem neuesten Beschluss seitens der Bundesregierung und den Ländern bereits um ein Jahr verschoben: Die 13. Ausgabe findet nun vom 20. August bis zum 5. September .2021 statt. "Wir erfahren soeben eine Welle der Solidarität von Künstlern, Agenturen und Managements und sind sehr zuversichtlich, nahezu alle Veranstaltungen auch 2021 wieder anbieten zu können. Wir sind sehr dankbar über die gute Zusammenarbeit und die Nähe, die sich in den vergangenen ZfR-Jahren zu Agenturen und Künstlern entwickelt hat und den positiven Ausblick auf die Verschiebung 2021 ermöglicht", so Heri Reipöler, neben Lukas Rüger und Björn Gralla einer der drei ZfR-Initiatoren.

Aufgrund des bundesweiten Veranstaltungsverbots bis zum 31. August 2020 kann auch der ursprünglich für 1. bis 3. Mai geplante Baltic Soul Weekender nicht mehr in diesem Jahr stattfinden. Die Veranstalter Four Artists Events und Dan Dombrowe begrüßen die Entscheidung des Corona-Kabinetts als "verständliche und wichtige Sicherheitsmaßnahme für die Bevölkerung" und "setzen alles daran, eine reibungslose Besucherkommunikation zu gewährleisten" Die nächste Ausgabe des Live-Events im Ferienpark am Weissenhäuser Strand wurde nun auf den Zeitraum vom 23. bis 25. April 2021 verlegt. Alle Tickets mit und ohne Übernachtung behalten dabei ihre Gültigkeit. Auch von einigen Künstlern wie Billy Ocean, The Real Thing, Tito Puente Jr. oder DJ Jazzy Jeff sei die Teilnahme zum neuen Termin bereits bestätigt.

Mitteilungen zu ihren nun ausfallenden Events geschickt haben unter anderem auch die Festivals Bang Your Head!!!, Rock Of Ages, das Party.San Metal Open Air und das Happiness Festival. Eng werden könnte es nun auch für die Septemberfestivals wie etwa Lollapalooza Berlin oder das neue Münchner Superbloom Festival am 5. und 6. September.