Unternehmen

Norbert Oberhaus erläutert die Entwicklung bei der c/o pop 2020

Angesichts der Corona-Krise war längst absehbar, dass die c/o pop kaum zum angepeilten Termin Ende April über die Bühne gehen konnte. Aber erst jetzt fiel die offizielle Entscheidung für eine Verlegung in den Herbst. Im Gespräch mit MusikWoche erläutert Norbert Oberhaus die Hintergründe, spricht über rechtliche Grundlagen, finanzielle Möglichkeiten und weitere Pläne, aber auch über aktuelle Doppelbelastungen.

03.04.2020 16:06 • von
Baut auf die große Kooperationsbereitschaft der Fördergeber: Norbert Oberhaus (Bild: Martina Goyert)

Angesichts der Entwicklung der Corona-Krise war längst absehbar, dass der Kölner Branchentreff c/o pop mit Festival und Convention kaum zum eigentlich angepeilten Termin Ende April über die Bühne gehen konnte. Aber erst jetzt fiel die offizielle Entscheidung für eine Verlegung der Veranstaltung in den Herbst. Im Gespräch mit MusikWoche erläutert cologne on pop Geschäftsführer Norbert Oberhaus die Hintergründe, spricht über rechtliche Grundlagen, finanzielle Möglichkeiten und weitere Pläne, aber auch über aktuelle Doppelbelastungen mit dem Festival einerseits und den Aktivitäten der Kölner Klubkomm andererseits.

MusikWoche: Während die olympischen Sommerspiele oder die Fußball-Europameisterschaft längst an der Reihe waren, kommt die Verschiebung des c/o pop Festivals und der c/o pop Convention vergleichsweise spät. Warum hat das so lange gedauert?

Norbert Oberhaus: Weil bislang die rechtliche Grundlage für diesen Schritt fehlte.

MusikWoche: Bislang hatten die zuständigen Behörden bloß Veranstaltungen bis zum 19. oder 20. April untersagt. Gibt es hier eine neue Entwicklung?

Norbert Oberhaus: Ja, wir haben jüngst ein Schreiben der Stadt Köln erhalten. Das besagt, dass der Zeitraum der bisherigen Anordnung in der kommenden Woche bis Ende Mai verlängert werden soll. Wenn unsere Veranstaltung nun geprüft werden müsste, so heißt es zudem, würde man sie nicht genehmigen können.

MusikWoche: Aber klingt das nicht immer noch nach höherer Gewalt im Konjunktiv?

Norbert Oberhaus: Ein bisschen schon. Aber auf dieser Grundlage können wir nun eine Absage rechtfertigen und uns, rein juristisch, vor Regressforderungen schützen. Bei einer früheren Absage wären wir ansonsten in der Haftung gewesen.

MusikWoche: Wie beurteilen Sie die relativ späte Entscheidung?

Norbert Oberhaus: Wir hätten den Schritt gern viel früher kommuniziert, was auch gegenüber den Bands oder Venues fairer gewesen wäre. Die Situation war und ist auch für uns ein Drahtseilakt auf existenziellem Niveau. Wir verlieren schon so sehr viel Geld.

MusikWoche: Lässt sich das beziffern?

Norbert Oberhaus: Wir sprechen hier von Verlusten im sechsstelligen Bereich. Das liegt unter anderem am Absprung einzelner Sponsoren und den vollständig weggebrochenen Einnahmen aus dem Ticketing. Auf der anderen Seite - wir befinden uns zwei Wochen vor dem eigentlich angepeilten Termin für die Veranstaltung - sind längst hohe Kosten entstanden. Das Team hat dennoch gearbeitet, die Plakate sind gedruckt, Anzeigen geschaltet, das lässt sich nicht alles zurückdrehen.

MusikWoche: Was bedeutet der Schritt jetzt für Sie?

Norbert Oberhaus: Wir arbeiten nun daran, ein Festival mit rund 120 Künstlern, 40 Spielstätten und hunderten von Partnern abzusagen und sauber und korrekt abzuwickeln, auch juristisch. Gleichzeitig geht es darum, für den Herbst Bands und Venues zu finden und das Festival neu aufzuziehen. Das ist - unabhängig von der allgemein schon extrem schwierigen Situation - ein Kraftakt, den wir so noch nie vollbringen mussten.

MusikWoche: Aber Sie planen noch für dieses Jahr eine Alternative?

Norbert Oberhaus: Ja, es soll noch im Herbst 2020 eine modifizierte Ausgabe geben. Zunächst werden wir sehen, wie wir uns mit den verschiedenen Partnern einigen, dann machen wir in den nächsten Wochen einen Kassensturz und wollen schließlich mit den uns noch zur Verfügung stehenden Geldern die bestmögliche Variante des c/o pop Festivals und der c/o pop Convention auf die Beine stellen. Im Mittelpunkt unserer Planungen für das Festival steht dabei der Programmteil c/o Ehrenfeld mit einem umfangreichen Programm mit und für heimische Nachwuchskünstler. Das ist, auch vor dem Hintergrund der Bundesförderung, unsere wichtigste Aufgabe. Ein Programm mit Bezahlshows hingegen werden wir im Oktober nicht veranstalten können.

MusikWoche: Glauben Sie, dass im Herbst bereits wieder Großveranstaltungen möglich sein werden?

Norbert Oberhaus: Wir planen derzeit eher Clubkonzerte mit bis zu 500 Teilnehmern, um möglichen Problemen mit Großveranstaltungen vorzubeugen. Auch die Convention kann man so bauen, dass sich bestimmte Vorgaben erfüllen lassen.

MusikWoche: Im Herbst stehen auch andere Branchentreffs an, zum Beispiel in Hamburg. Was bedeutet das für Sie?

Norbert Oberhaus: Wir haben in unseren Planungen bereits ganz bewusst darauf geachtet, Branchenevents wie dem Reeperbahn Festival oder auch internationalen Veranstaltungen so gut es geht aus dem Weg zu gehen. Wir peilen nun einen Termin voraussichtlich Mitte bis Ende Oktober an. Aber auch da lassen sich Überschneidungen nicht gänzlich vermeiden. Auch deshalb macht es Sinn, dass wir uns primär auf die deutschen Acts und Newcomer konzentrieren, um den im Herbst zu erwartenden Wettbewerb nicht zusätzlich anzuheizen.

MusikWoche: Beim c/o pop Festival und der c/o pop Convention arbeiten Sie mit Fördergeldern von Bund, Land und Stadt. Stehen die auch für den Herbst zur Verfügung?

Norbert Oberhaus: Wir haben unsere Pläne bereits mit den unterschiedlichen Fördergebern abgesprochen und gemeinschaftlich abgewogen, was möglich und sinnvoll ist und wie wir den entstandenen Schaden maximal begrenzen können.

MusikWoche: Sie müssen also keine eventuell an eine Veranstaltung im Frühjahr gebundenen Gelder zurückzahlen?

Norbert Oberhaus: Nein, Stand heute müssen wir das nicht. Hier zeigen unsere Fördergeber eine sehr große Kooperationsbereitschaft. Ob seitens des Bundes, des Landes NRW oder der Stadt Köln - mit allen arbeiten wir lösungsorientiert zusammen, weil die Krise und ihre Folgen unmöglich von uns alleine zu bewältigen sind.

MusikWoche: Sie selbst engagieren sich auch in der Kölner Klubkomm, deren Mitglieder massiv unter der Corona-Krise leiden. Lässt sich die Doppelbelastung mit Hilfsmaßnahmen und Lobbyarbeit einerseits und dem Am-Laufen-Halten des eigenen Geschäftsbetriebs überhaupt stemmen?

Norbert Oberhaus: Ich arbeite nun seit rund drei Wochen tatsächlich sehr intensiv mit der Stadt Köln daran, eine geeignete Unterstützung speziell für die Kölner Clubs auf den Weg zu bringen. Ich bin sehr froh, dass ich hier unser Know-how und unsere Kontakte einbringen konnte, um bei der Lösung der Probleme in vorderster Reihe mitwirken zu können. Aber dennoch war der Einsatz der letzten Wochen auch für mich grenzwertig.

MusikWoche: Was treibt Sie dabei an?

Norbert Oberhaus: Das mache ich natürlich, weil mir einerseits die Arbeit mit den Clubs und den Veranstaltern, aber auch mit Events wie dem unseren persönlich wichtig ist. Andererseits aber auch, weil es für den Standort von großer Bedeutung ist: Clubs, die zum Teil über viele Jahre gewachsen sind, prägen die Stadt mit und machen Köln zu dem Ort, an dem wir weiter leben wollen. Das gilt in Köln ebenso wie in Berlin, Hamburg oder an anderen Standorten. Diese Szene braucht eine ganz besondere Aufmerksamkeit, zumal die meisten Akteure in diesem Bereich von der Hand in den Mund leben. Mit dem Frühjahr bricht nun zudem eine Zeit weg, deren Einnahmen vielen sonst über die Sommerpause hinweggeholfen haben. Insofern war der Einsatz zuletzt unterm Strich schon eine immense Doppelbelastung.

Interview: Knut Schlinger