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Über 300.000 Euro für Berliner Clubs durch "United We Stream"

Die von der Clubcommission Berlin und dem Bündnis Reclaim Club Culture initiierte Livestream- und Spendenaktion "United We Stream" hat bislang rund 330.000 Euro an Spenden für die Berliner Clubs eingebracht. Die Aktion wird nun auf andere Städte ausgeweitet.

02.04.2020 13:18 • von Frank Medwedeff
Hält Nachbesserungen von politischer Seite für dringend notwendig: die Clubcommission-Vorsitzende und Clubbetreiberin Pamela Schobeß (Bild: Clubcommission Berlin)

Die von der Clubcommission Berlin und dem Bündnis Reclaim Club Culture ins Leben gerufene Livestream- und Spendenaktion in Zusammenarbeit mit Arte, "United We Stream", hat bislang rund 330.000 Euro an Spenden für die Berliner Clubs eingebracht, womit ein Drittel des anvisierten Spendenziels erreicht sei. Gut fünf Millionen Streams wurden in gut zwei Wochen bislang aufgerufen, wie die Initiatoren am 1. April im Rahmen einer Online-Pressekonferenz mitteilten.

Nach der wegen der Corona-Pandemie erwirkten Schließung der Berliner Clubs am 17. März starteten die Übertragungen von DJ-Sets aus wechselnden Locations der Hauptstadt verbunden mit dem Auftruf, Spenden für den Erhalt der dortigen Clubkultur zu leisten. Zu den bislang beteiligten DJs zählen unter anderem Ellen Alien, Monika Kruse und das Duo Pan-Pot.

Das "United We Stream"-Konzept soll nun auch auf andere Städte übertragen werden. So sollen ab 4. April in Deutschland unter anderem Livestreams aus Clubs in Hamburg und Stuttgart hinzukommen, später auch aus München und anderen bayerischen Städten. Auch etwa aus Wien, Amsterdam oder Manchester soll es Livestream-Sets unter dem Motto "United We Stream Global" geben, um Solidarität zu bekunden und die Clublandschaft zu unterstützen. Laut Lutz Leichsenring, dem Pressesprecher und Vorstandsmitglied der Clubcommission, wolle man dabei Hilfe zur Selbsthilfe leisten, indem man das Knowhow aus der Hauptstadtaktion weitervermittle.

Geplant ist zudem eine Erweiterung des Programms um das Debattenformat "United We Talk", das jeweils mittwochs und sonntags von 16 bis 19 Uhr auf Alex TV übertragen werde und anschließend online abrufbar sei. Dabei soll es zum Beispiel um Themen wie das bedingungslose Grundeinkommen, die prekäre Arbeitssituation im Gesundheitswesen, die Möglichkeit der Aussetzung von Gewerbemiete während der Corona-Krise oder auch die Lage an den EU-Außengrenzen gehen.

Die Clubcommission rechnet damit, dass das Streamingformat noch einige Monate laufen werde. "Wir werden die letzten sein, die wieder aufmachen können", zitiert der "Tagesspiegel" Pamela Schobeß, die Vorsitzende der Clubcommission und zugleich Betreiberin des Clubs Gretchen in Berlin-Kreuzberg. Schobeß mahnt auch Nachbesserungen bei den aktuellen Hilfsprogrammen seitens der Politik an.

Soforthilfen greifen laut Schobeß oft nicht, viele Clubbetreiber kämpften um ihre Existenz. "Wir können aktuell bis Mitte April überleben, aber nicht mehr bis Mitte Mai", konkretisierte sie. Es sei zwar denkbar, dass die Clubs noch in diesem Jahr wieder öffnen dürfen, doch die Frage sei, wie viele es bis dahin überhaupt noch gebe.