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Streamingdienste analysieren Hörverhalten in häuslicher Isolation

Die Streaminganbieter Spotify und Deezer haben das Verhalten ihrer Nutzer in Zeiten von Quarantäne und häuslicher Isolation unter die Lupe genommen.

31.03.2020 12:58 • von Jonas Kiß
Erfreuen sich mehr Beliebtheit: Playlists zum Thema Homeoffice, Schulfrei und Sporttraining. (Bild: Deezer)

Die Streaminganbieter Spotify und Deezer haben das Verhalten ihrer Nutzer in Zeiten von Quarantäne und häuslicher Isolation unter die Lupe genommen. Deezer analysierte dafür die Streamingdaten der ersten drei Märzwochen, vom 2. bis 22. März 2020, während sich Spotify Daten zwischen dem 19. und 25. März vorgenommen hat.

Die Datenanalysen der beiden Streamingdienste kommen dabei auf einige ähnliche Ergebnisse. So sei sowohl bei Spotify als auch bei Deezer zu beobachten, dass die Nutzer weniger unterwegs über ihr Handy streamen, da das tägliche Pendeln ins Büro und das mobile Hören unterwgs wegfallen.

Stattdessen steigt der Streamingkonsum an Heimgeräten wie Computern, Smart TVs, Smartspeakern und Spielkonsolen an. Laut Deezer ist der größte Anstieg beim Streamen von Musik bisher über Spielkonsolen wie der Xbox zu sehen.

Deezer bemerkt zudem, dass sich der Streaming-Peak, also der Tageszeitpunkt, an dem am meisten gestreamt wird, in Zeiten der COVID-19 Ausgangssperren von vorher 7 Uhr auf nun 9 bis 10 Uhr verschoben hat.

Bei Spotify und bei Deezer ist das Interesse an nichtmusikalischen Inhalten im März gewachsen. Das betrifft zum einen Podcasts mit aktuellen Nachrichten zum Coronavirus, die bei Deezer in den Top 20 neben Krimi- und Comedyformaten dominieren. Deezer verzeichnete in den vergangenen drei Wochen in Deutschland einen Anstieg von 24 Prozent bei den täglich aktiven Podcast-Nutzern.

Beide Streamingdienste bemerken zudem, dass Inhalte für Kinder beliebter werden. So sei etwa die Nutzung von Kinder-Podcasts laut Deezer in Zeiten geschlossener Kindergärten und Schulen weltweit um 218 Prozent gestiegen.

Spotify konstatiert, dass die Songs, die Hörer zu ihren Playlists hinzufügen, inzwischen ruhiger klingen. Das heißt, die Lieder seien akustischer, weniger tanzbar und weniger energetisch als Titel, die früher ihren Weg in die Playlists fanden.

Zudem profitieren Künstler, die ihre Konzerte nun online veranstalten, nach den virtuellen Gigs von einem Run der Fans auf ihre Streams, der mit dem Effekt nach einem richtigen Live-Konzert zu vergleichen sei. Spotify nennt hier zum Beispiel James Blake, Indigo Girls, Code Orange und Jewel.

Bei Deezer und Spotify liegen außerdem Playlists zu den Themen Fitness und Bewegung im Trend. Während "Sport Motivation" bei Deezer derzeit die weltweit am häufigsten gestreamte Playlist im Themen-Channel ist, gestalten die Spotify-Hörer mehr Sport-Playlists als noch im Vormonat.

"Isolation zu Hause bedeutet, dass sich die Menschen an einen völlig neuen Alltag gewöhnen müssen. Sie müssen ihre Kinder unterhalten, fit bleiben und gleichzeitig Arbeit und persönliche Zeit in Einklang bringen", erklärt Aurélien Hérault, Chief Data & Research Officer bei Deezer: "Unsere Daten geben einen Einblick, wie sich unsere Nutzer an die neue Situation anpassen."

Die Datenanalyse von Deezer habe auch gezeigt, dass Nutzer im Schnitt ungefähr zehn Tage brauchen, um sich an ihr neues Leben in der häuslichen Isolation anzupassen. Mit Blick auf die Daten aus Italien lasse sich feststellen, dass die Streaming-Nutzung zwar anfänglich leicht zurückging, sich jedoch nach der ersten Woche im Lockdown wieder auf gewohntes Niveau eingependelt habe. Andere Länder wie Frankreich seien diesem Muster gefolgt. Auch Deutschland und Großbritannien scheinen diesem Trend laut Deezer zu folgen, es werde aber voraussichtlich einige Zeit dauern, bis die Streamingzahlen wieder das Vorkrisen-Niveau erreichen.

Spotify hebt noch hervor, dass einige der Songs, die Menschen in Italien und Spanien von Balkonen und Fenstern aus zusammen singen, an Popularität zulegten. So stiegen in Italien die Streams von "Abbraciame" am 13. März um 820 Prozent und die Aufrufe von "Azurro" von Paolo Conte am 14. März mehr als 715 Prozent. In Spanien sprangen die Streamingzahlen des 80er-Jahre-Titels "Resistiré" (I Will Resist) von Duo Dinamico ab dem 15. März um mehr als 435 Prozent.