Livebiz

US-Livemarkt droht weitere Monopolisierung

Kleinere unabhängige Veranstalter in den USA stehen wegen der Corona-Pandemie vor massiven Problemen, was auch damit zu tun hat, dass sie den Künstleragenturen höhere Garantiesummen vorab zahlen müssen. Profitieren könnten Live Nation und die Anschutz Entertainment Group (AEG).

27.03.2020 12:08 • von Dietmar Schwenger
Könnte mit Live Nation nach der Krise mehr Macht haben: CEO Michael Rapino (Bild: Live Nation)

Kleinere unabhängige Veranstalter in den USA stehen wegen der Corona-Pandemie vor massiven Problemen, was auch damit zu tun hat, dass sie den Künstleragenturen höhere Garantiesummen vorab zahlen müssen, während Live Nation und die Anschutz Entertainment Group (AEG), die beiden dominierenden Veranstalter im US-Markt, laut "Billboard"-Informationen weniger vorab entrichten müssten. Gerade angesichts der Konzertverschiebungen seien diese Garantiezahlungen an die Agenturen und damit an die Künstler von entscheidender Bedeutung, weil sie für Umsätze sorgen, auch wenn keine Konzerte stattfinden.

Aus Angst vor weiteren Absagen verlangen die Agenturen nun von den kleineren Veranstaltern mehr Vorabgeld, was die fiananzielle Lage der Veranstalter weiter verschlechtere, was wiederum dazu führt, dass Agenturen gerade deswegen höhere Garantiesummen verlangten, so das US-Fachmagazin. "Die meisten unabhängigen Veranstalter spielen in kleineren Spielstätten, was nun beim Shutdown einen verheerenden Effekt auf die Mitarbeiter und die Partner der Veranstalter hat", analysiert Rev Moose von der Media- und Marketingfirma Marauder, Ausrichterin der Independent Venue Week. "Schlimmer noch ist, dass diese Veranstalter nun mit unmöglichen Forderungen der Agenten konfrontiert sind."

Der Umstand, dass Live Nation und die AEG gestärkt aus der Krise herausgehen könnten, hätte dann auch Auswirkungen auf den gesamten Livemarkt in den USA, so "Billboard" weiter. Langfristig bedeuteten weniger Indie-Veranstalter, dass es auch weniger Bieter gäbe, die sich dann bei den Agenten um eine Tour bemühten. Das hätte dann auch Auswirkungen auf die Agenturen selber, deren Rolle fraglich werden könnte, wenn nur noch eine überschaubare Anzahl von Veranstaltern übrig bliebe.

Der Trend, dass Künstler wie zuletzt U2, Jay-Z oder Madonna direkt beim Veranstalter Live Nation unterschreiben, könnte sich verstärken. Auch Acts wie Taylor Swift, Shawn Mendes, George Strait oder Kenny Chesney verwenden demnach Agenten nur noch für bestimmte Aspekte ihrer Karriere und regeln ihre ihre Livegeschäfte bereits direkt mit der AEG.

Gleichwohl zitiert "Billboard" einen namentlich nicht genannten Live-Nation-Manager, dass auch die Überlegungen, Agenten und Künstler erst nach einer tatsächlich stattgefunden Show zu bezahlen, "noch nicht beschlossen" seien. Zudem habe Live Nation eine Task Force mit den Chefs der großen Agenturen CAA, WME, Paradigm und UTA gebildet. Dort wolle man Ideen entwickeln, die allen helfen sollen.

Derzeit würden die Indie-Veranstalter vor alem noch mit dem Geld arbeiten, dass Kartenkäufer für Konzerte bezahlt haben, die nun aber abgesagt oder verschoben sind. Falls aber mehr und mehr Fans ihr Geld zurück wollen, könnte es eng werden. "Wir hatten noch nie eine Situation, in der jede Show in diesem Land über Monate hinweg verschoben wird", sagt der Veranstalter James "Disco" Donnie Estopinal gegenüber "Billboard". "Wie kann man einem Kartenkäufer sein Geld nicht zurückgeben, wenn dieser seinen Job verloren hat oder seit Monaten nicht bezahlt wurde?"