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Schulenberg warnt vor "Pleitewelle"

CTS Eventim hat im Zuge der Corona-Krise bislang 55.000 Veranstaltungen abgewickelt, nimmt Kurzarbeitergeld in Anspruch, könne aber als schuldenfreies Unternehmen zwei Jahre lang durchhalten. Sorgen macht sich Klaus-Peter Schulenberg jedoch um die Kleineren in der Branche und warnt vor einer "Pleitewelle".

26.03.2020 11:08 • von Dietmar Schwenger
Könnte mit CTS Eventim zwei Jahre lang durchhalten: Klaus-Peter Schulenberg (Bild: CTS Eventim)

CTS Eventim hat im Zuge der Corona-Krise bislang bereits 55.000 geplante Veranstaltungen abgewickelt, nimmt Kurzarbeitergeld in Anspruch, könne aber als schuldenfreies Unternehmen zwei Jahre lang durchhalten, sagte Klaus-Peter Schulenberg, CEO CTS Eventim, im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)".

Eine Prognose, ob die von Live Nation für CTS Eventim veranstalteten Großfestivals Rock am Ring und Rock im Park am ersten Juni-Wochenende stattfinden werden, wollte Schulenberg indes nicht geben, wies aber darauf hin, dass "die großen Festivals auch gegen den Ausfall durch eine Pandemie versichert" seien. Er wünscht sich für die weitere Planung jedoch "eine längerfristige Ansage von Seiten der Behörden bei Festivals", denn ohne diese Ansagen habe man bei Absagen keinen Versicherungsschutz.

Schulenberg bestätigte, was er schon zuvor gegenüber MusikWoche gesagt hatte, nämlich dass ihm die Kleineren in der Branche Sorgen machten. "Wir brauchen die enorme Vielfalt an kleinen Clubs und Veranstaltern, die meist ohnehin schon mit wenig Geld zurechtkommen müssen. Kultur ist kein Luxusgut, sondern systemrelevant".

Für den Vorstandsvorsitzenden sind bei den derzeitigen Absagen die Vorlaufkosten ein Problem. Wenn ein Veranstalter nun Geld für Tickets zurückgeben muss, das er bereits für Marketing, Technik oder Dienstleister ausgegeben habe, stehe der Konzertausrichter vor dem Aus. Deswegen appelliert Schulenberg an Bundesminister und für Kultur zuständige Bundestagsabgeordnete. Per Gesetz solle geregelt werden, dass Veranstalter die Rückzahlung von Tickets bis zum 30. September 2020 strecken können oder die Veranstaltungen im Herbst nachholen.

Aktuell sei entgegen eines vorherigen Entwurfs lediglich eine entsprechende Regelung bis zum 30. Juni vorgesehen, klagt Schulenberg. Zudem gelte die Regelung nur für Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter zwei Millionen Euro. "Hohem Umsatz steht bei Veranstaltungen aber lediglich eine Marge von fünf bis sieben Prozent gegenüber", so Schulenberg. Deswegen müsse die Regelung für die gesamte Branche gelten, andernfalls werde "eine Pleitewelle durchs Land ziehen".

Schulenberg verwies darüber hinaus auf Italien, wo jüngst ein Gesetz verabschiedet worden sei, demzufolge Unternehmen einen Gutschein für künftige Veranstaltungen ausgeben dürften, anstatt Geld zurückzuerstatten. "Das kostet den Staat nichts und ist dem Käufer zumutbar", findet Schulenberg. Falls die Politik diese Forderung nicht umsetze, arbeite CTS Eventim aktuell bereits an einer Kampagne, die sich direkt an Ticketkäufer richtet. Sie sollen ermutigt werden, ihr Geld nicht zurückzuverlangen, um die Liquidität der betroffenen Veranstalter zu schonen, erklärte Schulenberg der Tageszeitung.