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Italiens Musikbiz gerät tief in die Krise

Italien ist von der Coronavirus-Pandemie besonders schwer betroffen. Das schlägt sich auch in den Zahlen des FIMI-Branchenverbands nieder.

25.03.2020 12:53 • von
Ein schönes Umsatzplus, das die aktuelle Entwicklung aber nicht abbilden kann: die Bilanz des italienischen FIMI-Vewrbands für 2019 (Bild: FIMI)

Italien ist von der Coronavirus-Pandemie besonders schwer betroffen, wie Fallzahlen und beängstigende Bilder aus der Krisenregion immer wieder bestätigen. Die Lage schlägt sich aber auch in den Zahlen der Federazione Industria Musicale Italiana (FIMI) nieder, dem nationalen IFPI-Branchenverband. Der präsentierte am 24. März 2020 mitten in die Krise hinein seine Jahresbilanz, während die Londoner IFPI-Dachorganisation ihre zunächst ebenfalls für diesen Termin geplante Vorstellung der Weltmarktzahlen auf einen noch unbestimmten späteren Zeitpunkt verschoben hat.

Die FIMI-Bilanz weist nun für 2019 bei Einnahmen in Höhe von knapp 247,8 Millionen Euro ein Umsatzplus von 8,2 Prozent aus. Dass dazu Streaming ein Plus von mehr als 26 Prozent beitrug, während die physischen Formate um fast 14 Prozent nachgaben, tritt aber angesichts der jüngsten Marktentwicklungen doch in den Hintergrund:

So berichten die FIMI-Offiziellen für die vergangenen Wochen von massiven Einbrüchen von mehr als 60 Prozent im physischen Musikgeschäft und von mehr als 70 Prozent bei den Leistungsschutzrechten. Selbst das Streaming, das inzwischen mehr als 70 Prozent zu den Umsätzen der italienischen Musikunternehmen im Bereich Recorded Musicbeiträgt, leide unter ausbleibenden Neuerscheinungen und der eingeschränkten Mobilität, heißt es aus Mailan. Schließlich würden in Italien rund 73 Prozent der Hördauer auf das Auto entfallen und 43 Prozent auf den Arbeitsweg.

Darüber hinaus warnt die FIMI vor den Folgen der Krise für die heimischen Produktionen, die 2019 noch 87 Prozent der erfolgreichsten Alben des Jahres stellten. Wenn Tonstudios geschlossen sowie Konzerte und Tourneen abgesagt seien, würde das verheerende Auswirkungen auf die gesamte musikalische Wertschöpfungskette von den Kreativschaffenden, über Studiotechniker und andere Dienstleister bis hin zu den Mitarbeitern in der gesamten Branche haben.

An weiteres Wachstum ist auch vor diesem Hintergrund kaum zu denken.

Text: Knut Schlinger