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Jazzunion fordert unbürokratisches Grundeinkommen als Corona-Soforthilfe

Die Deutsche Jazzunion begrüßt die von der Bundesregierung angekündigten Soforthilfen in der Corona-Krise, fordert die Regierung aber auf, die Lebens- und Arbeitssituation von Jazzmusikern bei der Detailplanung und Umsetzung zu berücksichtigen.

25.03.2020 10:41 • von Dietmar Schwenger
Macht sich für die Jazzmusiker stark: Nikolaus Neuser, Vorsitzender der Deutschen Jazzunion (Bild: Deutsche Jazzunion)

Die Deutsche Jazzunion begrüßt die von der Bundesregierung angekündigten "Soforthilfen für Solo-Selbstständige, kleine Unternehmen und Angehörige der Freien Berufe" in der Corona-Krise, fordert die Regierung aber auf, die Lebens- und Arbeitssituation von Jazzmusikern und anderen Kunst- und Kulturschaffenden bei der Detailplanung und Umsetzung der Soforthilfen zu berücksichtigen. Zudem schließt sich der Verband der Forderung des Deutschen Musikrats an, der eine unbürokratische Auszahlung von Soforthilfen in Form eines befristeten Grundeinkommens vorgeschlagen hat.

"Kulturstaatsministerin Monika Grütters spricht von einem 'Rettungsschirm für den Kulturbereich' und macht damit deutlich, dass Kunst und Kultur Teil der öffentlichen Infrastruktur sind und jetzt dringend Unterstützung des Staates brauchen", sagt Nikolaus Neuser, Vorsitzender der Deutschen Jazzunion: "Freischaffende Jazzmusiker*innen brauchen in dieser gesamtgesellschaftlichen Krise unkomplizierte finanzielle Nothilfe, keine zusätzliche bürokratische Belastung oder Verschuldung durch Notkredite. Nur mit adäquater staatlicher Hilfe kann das kulturelle Leben in Deutschland aufrechterhalten und fortgeführt werden."

In einem offenen Brief hat die Deutsche Jazzunion Politik und Musikwirtschaft zu Solidarität aufgerufen und auf die existenzbedrohenden Verdienstausfälle für Jazzmusiker hingewiesen. Auf Basis der Daten der von der Bundesregierung finanzierten Jazzstudie 2016 geht die Deutsche Jazzunion davon aus, dass für bis zu 70 Prozent der Jazzmusiker mit einem Betrag von mindestens 1000 Euro pro Monat kurzfristige Liquidität gewährleistet werden kann.

Zudem fordert der Verband: "Bei größeren Verdienstausfällen sollen auch entsprechend höhere Hilfszahlungen beantragt werden können. Langfristig entstehende Folge-Einnahmenausfälle durch ausbleibende CD-Verkäufe, GEMA-Vergütungen und vieles mehr sowie Einbußen durch ausbleibende Folgeengagements müssen ebenso berücksichtigt werden wie getätigte Ausgaben, zu denen unter anderem Reisekosten, Visakosten, Werbung und Proberaummieten zählen." Besondere Unterstützung benötigten darüber hinaus Musiker mit Kindern, die aktuell eine zusätzliche Belastung hätten und von den Folgekosten besonders betroffen würden.

Die Deutsche Jazzunion hat der Bundesregierung Mitwirkung bei der konkreten Ausgestaltung der Soforthilfe-Maßnahmen angeboten, um der Realität in der Jazzszene möglichst gerecht werden zu können. Diese Zusammenarbeit habe sich bereits in vielen Projekten wie dem Spielstättenprogrammpreis Applaus oder dem Musikfonds bewährt.