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Spendenaktionen für Clubszene und Musiker im Netz

In Hamburg haben Cubkombinat und Clubstiftung die Spendenaktion "S.O.S. - Save Our Sounds" ins Leben gerufen. Auch Organisationen wie RockCity Hamburg, die Berliner Clubcommission, die Klubkomm in Köln oder Clubverstärker Bremen rufen zu Spenden für Clubs, Veranstalter, Dienstleister und Musiker auf.

24.03.2020 09:42 • von Frank Medwedeff
Belohnung für Spender und Zeichen der Solidarität: Bandana zur Hamburger Aktion "S.O.S. - Save Our Sounds" (Bild: Clubkombinat Hamburg)

Das Clubkombinat und die Stiftung zur Stärkung privater Musikbühnen Hamburg, kurz Clubstiftung Hamburg, haben eine Spendenaktion für die durch die Corona-Krise gefährdeten Clubs der Hansestadt gestartet.

Einigen Hamburger Clubs wie Molotow, Uebel & Gefährlich, Hafenklang, Nochtspeicher, Astra Stube, Waagenbau, MS Stubnitz und Gängeviertel blieben demnach ohne Hilfe "nur noch wenige Tage bis zur Zahlungsunfähigkeit". Um ein allgemeines Club- und Kultursterben "unbekannten Ausmaßes zu verhindern", haben das Clubkombinat Hamburg und die Clubstiftung die großangelegte Spendenkampagne unter dem Motto "S.O.S. - Save Our Sounds" auf den Weg gebracht.

"Für die Hamburger Clubs sind Spenden jetzt überlebenswichtig. Die Clubs brauchen dringend und sofort Hilfe, sonst werden die meisten noch nicht einmal die nächste Woche überleben", sagt Terry Krug, Vorsitzender der Clubstiftung. "Wir als Clubstiftung versuchen nun; schnell und unkompliziert zu helfen, um das zu verhindern. Helft bitte mit! Save Our Sounds!", appelliert Krug und bittet um Einzahlungen auf das Spendenkonto der Clubstiftung bei der Hamburger Sparkasse (IBAN: DE79 200 50 550 1280 366 988; BIC: HASPDEHHXXX).

Als Dankeschön an alle, die ab sofort 20 Euro oder mehr spenden, hat die Stiftung zusammen mit der Agentur loved ein Bandana designt. "Mit den Halstüchern wollen wir uns bei unseren Spendern bedanken. Wir freuen uns über jeden, der sie als Zeichen der Solidarität trägt. Nur gemeinsam sind wir stark", so Terry Krug.

Die eingegangenen Spenden sollen nach einem transparenten und gerechten Verteilungsschlüssel zwischen großen und kleinen Clubs sowie Veranstaltern ohne feste Spielstätte und kleinen Festivals aufgeteilt werden. Wer mit seiner Spende einen bestimmten Musikclub unterstützen möchte, kann zur Zweckbindung den Clubnamen als Verwendungszweck angeben, ansonsten sei der Verwendungszweck "SaveOurSoundsHH" zu wählen. Die Antragsformulare für Clubs und Veranstalter, die finanzielle Soforthilfe benötigen, finden sich ab sofort auf www.clubstiftung.de unter der Rubrik "für Clubs".

In den kommenden Tagen und Wochen sollen zudem "vielfältige Rettungsaktionen" laufen, die über die Dachmarke Club Goods die einzelnen Solidaritäts-Aktionen verbinden und von der Hamburger Agentur EIGA realisiert wurden. Neben der Nothilfe für Kultur solidarisieren sich der Clubverband und seine Stiftung bei bestimmten Spendenaktionen mit anderen sozialen Organisationen und "halten einen solidarischen Beitrag zurück, um gesellschaftlich relevante Projekte zu unterstützen".

Darüber hinaus appelliert das Clubkombinat an alle Bürger, auf Rückerstattungen von Tickets für nicht stattfindende Veranstaltungen "sofern möglich zu verzichten". Bei vielen abgesagten Konzerten werde bereits an Nachholterminen gearbeitet. Sofern es diese nicht gibt, helfe jeder Verzicht auf Rückerstattung, "die Clubs, Konzertveranstalter, Musiker*innen und Kartenverkaufsstelle am Leben zu halten".

Das Clubkombinat hat zudem begonnen, Unterstützungsangebote und Informationen für Hamburger Musikveranstalter in Zeiten der Corona-Pandemie "online zu bündeln" unter https://clubkombinat.de/corona-support.

In der Hansestadt hat derweil der Verein RockCity Hamburg einen Ausfallhonorarfonds für Musikerinnen und Musiker aufgestellt, der sich allein aus Spenden bilden werde. "Die ersten haben bereits gespendet, und jeder Cent zählt, wenn wir schnell und unbürokratisch denjenigen helfen wollen, die vor dem Nichts stehen", lässt die von Andrea Rothaug geleitete Institution wissen. Alle Spenden unter dem #musicsupporthh gehen demnach "an Hamburger Musiker_innen in Corona-Not", denn ohne schnelle Hilfe werden "Tausende von selbstständigen Musiker_innen zum Sozialfall", wie RockCity anmahnt.

In Berlin hat die Clubcommission zusammen mit dem Netzwerk Reclaim Club Culture die Streamingplattform unitedwestream.berlin auf den Weg gebracht, Über den "größten digitalen Club der Welt" werden jeden Tag aus einem anderen Club Live-Gigs, DJ-Sets und Performances mehrere Stunden lang übertragen. Streamingpartner sind Arte Concert, radioeins, Alex TV und Flux FM. User sind aufgerufen, mittels einer Spende Fördermitglieder zu werden, an Clubs und Veranstalter direkt zu spenden oder "Soli-Merch"-Produkte zu erwerben.

In Köln bittet die Klubkomm um Spenden für Clubs, Veranstalter, Künstler und Techniker in Existenznot und verweist auf den Cologne Culture Stream auf https://dringeblieben.de/ccs - ebenfalls mit täglichen Konzerten, DJ-Sets und Live- Performances. Das gespendete Geld werde wie folgt aufgeteilt: Ein Drittel gehe an den Solidaritätsfonds zugunsten der Kölner Clubkultur, ein Drittel an den Künstler, der im jeweiligen Stream auftrete, und das letzte Drittel an das Produktionsteam vor Ort, "bestehend aus Venue, technischem Personal und Technikkosten".

Auch der Clubverstärker Bremen, ein Verbund von Musikspielstätten und Festivals aus Bremen, Oldenburg und dem Bremer Umland, hat mit www.clubverstaerkerunited.de eine Spendenplattform an den Start gebracht, "um kurzfristig Hilfsmittel für die gefährdeten Spielstätten zu sammeln". Zudem kann man hier auch ein "Soli-T-Shirt" erwerben frei nach dem Motto "eine Hand wäscht die andere."